Geld für arme Länder Uno-Klimafonds startet mit Finanzlücke

Da fehlt noch was: Die Industriestaaten haben den Fonds, der arme Länder beim Kampf gegen den Klimawandel unterstützen soll, mit 9,3 Milliarden Dollar ausgestattet. Der größte CO2-Sünder aber verweigert jegliche Hilfe.
Klimafonds-Geberkonferenz in Berlin: Zehn-Milliarden-Marke verfehlt

Klimafonds-Geberkonferenz in Berlin: Zehn-Milliarden-Marke verfehlt

Foto: Rainer Jensen/ dpa

Berlin - Der Grüne Klimafonds steht: Bei der Geberkonferenz in Berlin haben die Vertreter von rund 20 Staaten ihre Finanzierungszusagen für den Green Climate Fund (GCF) der Vereinten Nationen gegeben. 9,3 Milliarden Dollar (rund 7,4 Milliarden Euro) kamen zusammen, wie das Bundesentwicklungsministerium am Donnerstag mitteilte. Damit wurde die ursprüngliche Zielmarke von zehn Milliarden Dollar knapp verfehlt.

Den größten Beitrag leisten die USA mit bis zu drei Milliarden Dollar. Deutschland hatte Zuschüsse in Höhe von 750 Millionen Euro zugesagt. Zu den Staaten, die am Donnerstag neue Kredite und Zuschüsse ankündigten, gehören Panama, Finnland, Neuseeland, die Mongolei und Spanien. Die aktuell größte Zusage kam bei dem Berliner Treffen von Großbritannien (1,2 Milliarden US-Dollar). Russland nahm zwar teil, wollte aber nichts beisteuern. China und Indien hatten erst gar keine Vertreter zu der Konferenz geschickt.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zeigte sich zuversichtlich, dass bis zum Jahresende noch weitere Zusagen gemacht werden, so dass der Fonds Anfang 2015 tatsächlich mit zehn Milliarden US-Dollar an den Start gehen kann. Aus dem GCF sollen unter anderem Projekte zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen, zum Waldschutz und zum Schutz gegen Naturkatastrophen finanziert werden.

Langfristig 100 Milliarden Dollar pro Jahr

Die jetzt beschlossene Anschubfinanzierung ist nicht mehr als ein erster Schritt. Bei der Klimakonferenz von Kopenhagen Ende 2009 hatten die Industriestaaten zugesagt, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für den Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen bereitzustellen. Der GCF soll den Großteil dieses Geldes verwalten. Woher genau es kommen soll, ist allerdings noch unklar.

Die ersten Fördermaßnahmen wird der Fonds laut Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) spätestens 2015 bewilligen können. "Wenn es den Menschen nicht gehen soll wie den Dinosauriern, dann muss jetzt gehandelt werden", sagte Müller.

Die finanzielle Hilfe durch die Industriestaaten steht seit Jahren ganz oben auf der Wunschliste der Entwicklungs- und Schwellenländer - und ist für viele eine Bedingung, bei der Senkung von Treibhausgas-Emissionen überhaupt mitzumachen. Die Abwesenheit Chinas bei der Geberkonferenz ist vor diesem Hintergrund bemerkenswert. Das Land nimmt in den Klimaschutz-Verhandlungen weiterhin einen Schwellenland-Status für sich in Anspruch - obwohl es der bei Weitem größte CO2-Emittent der Welt ist. Auch Chinas Pro-Kopf-Ausstoß, der als ein Gradmesser für individuellen Wohlstand gilt, ist inzwischen auf EU-Niveau - und die in den vergangenen Tagen verkündeten Klimaschutz-Maßnahmen Pekings sind kaum geeignet, den Aufwärtstrend zu brechen.

Unep-Bericht: CO2-Budget ist bald erschöpft

Wie notwendig ein schnelles Umlenken wäre, hat ein am Mittwoch veröffentlichter Uno-Bericht erneut verdeutlicht. Die Länder der Welt dürfen demnach nur noch eine Billion Tonnen Kohlendioxid ausstoßen, wenn sie potenziell katastrophale Folgen des Klimawandels verhindern wollen. Sobald diese Menge an CO2 in die Atmosphäre ausgestoßen worden sei, werde die globale Temperatur im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung um mehr als zwei Grad steigen, heißt es im neuen Emissions Gap Report  des Uno-Umweltprogramms Unep. Die mögliche Folge wären extreme Fluten, massenhafte Dürren und schmelzende Polarkappen. Zudem würden die Meeresspiegel steigen und Hunderte Millionen Menschenleben gefährden.

Experten zeigten sich am Mittwoch aber zuversichtlich, dass das Budget von einer Billion Tonnen eingehalten werden könne. Die Berechnungen im Unep-Bericht beruhen auf Zahlen des Uno-Klimarats IPCC.

mbe/dpa