H5N8-Virus Vogelgrippe erstmals in Europa bei Wildvogel

Im November war der Virus H5N8 erstmals in Deutschland aufgetreten. Nun gibt es den zweiten Fall - und zwar erstmals bei einem Wildvogel. Bundesagrarminister Christian Schmidt hat eine Krisensitzung einberufen.
Wildgänse (Archivbild): Erreger wahrscheinlich stafettenartig übertragen

Wildgänse (Archivbild): Erreger wahrscheinlich stafettenartig übertragen

Foto: A3531 Hans-Jürgen Wege/ dpa/dpaweb

Schwerin - In Mecklenburg-Vorpommern ist ein weiterer Fall der Vogelgrippe nachgewiesen worden. Das aus Südkorea nach Europa eingeschleppte Virus H5N8 sei im Landkreis Vorpommern-Rügen bei einem Wildvogel amtlich festgestellt worden, teile das Landwirtschaftsministeriums in Schwerin mit.

"Damit wurde erstmals in Europa dieser Erreger außerhalb der Nutztierhaltung festgestellt", erklärte das Landwirtschaftsministerium. Die Krickente sei im Landkreis Vorpommern-Rügen im Rahmen der Überwachung der Geflügelpest gezielt geschossen worden, sagte Minister Till Backhaus (SPD).

Der Nachweis erhärtet den Verdacht, dass die Ausbrüche der vergangenen Wochen in Nutztierställen in Europa auf eine Übertragung durch Wildvögel zurückgehen. Die Krickente auf Rügen hatte Backhaus zufolge keine äußeren Anzeichen der Krankheit. Sie wurde deutlich außerhalb des Risikogebiets abgeschossen, das 50 Kilometer rund um einen Seuchenbetrieb in Heinrichswalde (Landkreis Vorpommern-Greifswald), liegt.

Dort war die Vogelgrippe Anfang Novemberin einem Putenbetrieb ausgebrochen. Rund 31.000 Mastputen mussten getötet werden, nachdem rund 2000 Tiere verendet waren. Die Geflügelpest ist auch für Menschen potenziell gefährlich.

Schutzmaßnahmen für Nutzgeflügel

Für Mecklenburg-Vorpommern ordnete Backhaus noch am Samstag die sofortige Unterbringung aller rund 13 Millionen Hühner, Puten und Enten sowie von anderem Nutzgeflügel in Ställen oder überdachten Volieren an. Rund 40.000 Halter sind von dem Erlass betroffen, dessen Einhaltung von Veterinärämtern und der Polizei kontrolliert werden soll. Die Tiere dürfen auch nicht mit Oberflächenwasser getränkt werden. Damit soll jeder Kontakt mit Wildvögeln und deren Ausscheidungen verhindert werden.

Die Vogelgrippe ist nun in den vergangenen Wochen zweimal in Deutschland, zweimal in den Niederlanden und einmal in Großbritannien aufgetreten. Das in Europa nachgewiesene Virus H5N8 war zuvor nur aus Asien bekannt. Experten vermuten, dass Wildvögel den Erreger verbreitet haben könnten. Eine Verbreitung über kontaminiertes Futter oder den Transport von Mastgeflügel halten Experten für unwahrscheinlich.

Eine Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems hatte am Donnerstag erklärt, die Viren seien möglicherweise im Osten Russlands auf Zugvögel übertragen worden. Krickenten gelten als äußerst mobil und legen Entfernungen von bis zu 8000 Kilometern zurück. Die kleinen Wildenten - das Männchen werde 400 Gramm, das Weibchen 300 Gramm schwer - leben nach Angaben von Minister Backhaus in großer Zahl am Baikalsee in Sibirien. Tiere von dort seien in Südkorea beobachtet worden und sie flögen auch bis nach Europa.

Krisensitzung einberufen

Nach dem ersten Nachweis von H5N8-Viren bei einem Wildvogel in Mecklenburg-Vorpommern hat Bundes-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) die Bundesländer zu umfassenden Vorsichtsmaßnahmen aufgefordert. "Ich appelliere eindringlich an alle Geflügelhalter zu hoher Aufmerksamkeit und zur konsequenten Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen", erklärte Schmidt.

Unter anderem sollte Hausgeflügel vorsorglich in Ställen untergebracht werden. Unklare Krankheits- oder Todesfälle bei Vögeln müssten schnellstmöglich untersucht und bei Verdachtsfällen den zuständigen Veterinärämtern gemeldet werden. Für Sonntag ordnete er eine Sitzung des erweiterten nationalen Krisenteams an.

hda/dpa
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