Hawaii Forschungsprojekt soll Ursachen der Hai-Angriffe klären

Hai-Angriffe haben sich vor der Küste Hawaiis stark gehäuft. Zuletzt hat eines der Raubtiere einer deutschen Touristin einen Arm abgerissen. Vier Tage später wurde ein Surfer verletzt. Meeresbiologen wollen nun genauere Daten über die Haie in der Region sammeln.
Tigerhai vor Hawaii: "Nirgends halten sie sich lange auf, auch sind sie in der Lage in sehr flachem Wasser zu schwimmen."

Tigerhai vor Hawaii: "Nirgends halten sie sich lange auf, auch sind sie in der Lage in sehr flachem Wasser zu schwimmen."

Foto: Corbis

Honolulu - Der Hai-Angriff auf eine deutsche Urlauberin vor der Insel Maui hat Meeresbiologen und Naturschützer in Hawaii alarmiert. In der vergangenen Woche hatte die 20-jährige Touristin dabei ihren Arm verloren, sie schwebt in Lebensgefahr. Bereits vier Tage später, am Wochenende, wurde ein 16-jähriger Surfer vor Hawaii durch einen Hai an beiden Beinen verletzt. In den vergangenen Monaten hat es bereits vier Angriffe gegeben, wobei noch nicht bekannt ist, um welche Arten es sich handelte, erklärte William Aila, Leiter des Umweltamtes Hawaii.

Mit einer Studie, bei denen Tigerhaie in den Gewässern um Hawaii markiert und ihre Routen beobachtet werden sollen, will man mehr über die Tiere herausfinden. Normal seien die jüngsten Vorfälle nicht, stellte Aila klar. "In der Geschichte unseres Landes gab es mal mehr, mal weniger Angriffe. Es gibt zudem auch immer wieder Jahre, wo gar nichts passiert ist."

In 2013 haben die Behörden Hawaiis bislang insgesamt acht Angriffe verzeichnet, zehn waren es im Jahr 2012. In der Regel käme es in den Gewässern Hawaiis nur zu drei bis vier Angriffen pro Jahr. Zwischen 1980 und 2012 habe es elf Jahre gegeben, in denen gar kein Angriff verzeichnet worden sei.

Forscher konzentrieren sich auf Tigerhaie

"Wir müssen endlich mehr über die Hai-Aktivitäten in unseren Gewässern wissen", sagt Aila. Im kommenden Monat sollen Forscher der University of Hawaii  daher eine Untersuchung beginnen. Insgesamt soll das Projekt zwei Jahre lang dauern.

Das Team um den Meeresbiologen Carl Meyer will sich dabei auf Tigerhaie konzentrieren. Diese Tiere bewegten sich viel und seien dafür bekannt, durch alle Gewässer um Hawaii zu reisen, sagt Meyer. "Sie können bis zu 100 Kilometer zurücklegen. Nirgends halten sie sich lange auf, auch sind sie in der Lage, in sehr flachem Wasser zu schwimmen."

Mit der Untersuchung wollen Meyer und seine Mitarbeiter herausfinden, was getan werden kann, um die Begegnungen zwischen Mensch und Hai zu minimieren und welche Schutzmaßnahmen getroffen werden können. "Zuerst brauchen wir aber Fakten", sagte Aila.

Ärzte nennen Zustand der Urlauberin "sehr kritisch"

Knapp eine Woche nach der Attacke auf die deutsche Urlauberin haben die Ärzte den Zustand der jungen Frau als "sehr kritisch" eingestuft. Nach einer Mitteilung des Memorial Medical Center der Insel Maui muss die 20-Jährige unter anderem künstlich beatmet werden. "Wir wenden das volle Programm zu ihrer Lebenserhaltung an", sagte eine Sprecherin des Krankenhauses dem Online-Nachrichtendienst "Maui Now". Bei dem Unfall am vergangenen Mittwoch hatte die Urlauberin aus dem nordhessischen Zierenberg den rechten Arm verloren.

Die junge Deutsche hatte knapp 50 Meter vor der Küste der Ferieninsel Maui geschnorchelt, als ein Hai ihr den rechten Arm abriss. Von Hilferufen alarmiert, halfen sowohl ein Pastor aus Kalifornien als auch ihre Freundinnen, das schwerverletzte Opfer aus dem Wasser zu holen. Selbst wenn keine lebenswichtigen Organe betroffen sind, machen Schock und Blutverlust Hai-Angriffe zu einer tödlichen Gefahr.

Allerdings warnen Experten immer wieder vor übertriebener Angst: Angesichts der Tatsache, dass auf Inseln wie Hawaii jedes Jahr Abertausende von Badegästen im Wasser sind, bleibt die Gefahr durch Hai-Angriffe selbst bei zweistelligen Fallzahlen pro Jahr äußerst gering.

nik/AP/dpa
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