Haie und Thunfische Artenschutzkonferenz scheitert beim Schutz von Fischen

Die Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommen CITES haben bei ihrer Konferenz in Doha über insgesamt 42 Anträge debattiert. Am Ende siegte die Fischereiindustrie. Mehrere Anträge auf Schutz von Haien und Thunfisch wurden abgelehnt, Tierschützer sprechen von einem Debakel.

Hai: Anträge auf Handelsbeschränkungen für mehrere Hai-Arten abgelehnt
ddp

Hai: Anträge auf Handelsbeschränkungen für mehrere Hai-Arten abgelehnt


Doha - Auf der internationalen Artenschutzkonferenz hat die Fischereiindustrie ganz klar gesiegt. In Doha (Emirat Katar) scheiterte Deutschland im Schlussplenum doch noch mit einem zunächst verabschiedeten Schutzantrag für den Heringshai. Zuvor hatten die Delegierten der 175 Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES bereits Anträge auf Handelsbeschränkungen für andere Hai-Arten und den Sushi-Thunfisch abgelehnt. Für Elefanten hingegen bleibt es bei strengen Regeln, dem Handelsverbot mit Elfenbein.

Zum Abschluss der 13-tägigen Konferenz kam die notwendige Zwei- Drittel-Mehrheit für den deutschen Heringshai-Antrag nicht mehr zustande. Der Handel mit den Fischen ist auch künftig erlaubt. "Die Meere bleiben ein weißer Fleck beim Artenschutz", kritisierte der stellvertretende deutsche Delegationsleiter, Gerhard Adams. "Es gab viel Lobby-Arbeit, bei den Gegnern wie auf unserer Seite, aber wir haben unser Ziel ganz knapp verfehlt."

Fischfang-Nationen setzen sich durch

"Hinter dieser Entscheidung stehen vor allem Singapur, China und Japan", sagte Volker Homes von der Umweltstiftung WWF. Er sprach von einem "Debakel für den Tierschutz". Ein zweiter deutscher Antrag zum Schutz des Dornhais, aus dessen Bauchlappen die Fischhändler Schillerlocken herstellen, war bereits abgeschmettert worden. Auch US-Anträge für eine Kontrolle des Handels mit Hammerhaien und dem Weißspitzen-Hochseehai lehnten die CITES-Staaten ab.

Die Beschlüsse der Artenschutzkonferenz
Thunfisch-Überfischung
Keine Chance gegen die Fischerei-Nationen hatte der Thunfisch. Der bei Sushi-Liebhabern begehrte Blauflossenthunfisch darf weiter gefangen und verkauft werden. Die EU hatte ein Handelsverbot angestrebt. Japan sah seine "Esskultur" bedroht. Die Zahl dieser Fische in Mittelmeer und östlichem Atlantik ist in den vergangenen 50 Jahren um mehr als 85 Prozent geschrumpft.
Hai-Schutz gescheitert
Deutschland konnte trotz eines ersten Abstimmungserfolgs letztlich keine Kontrolle für den Handel mit Heringshaien durchsetzen. Der Schutz für den Dornhai wurde von vornherein abgelehnt. Auch die Flossen des Hammerhais und des Weißspitzen-Hochseehais dürfen weiter unkontrolliert gehandelt werden. Zwei Anträge der USA auf Handelsbeschränkungen von 2012 an wurden abgelehnt.
Sieg für Elefanten
Tansania und Sambia erhalten keine Erlaubnis zum Handel mit Elfenbein. Abgelehnt wurde auch das Begehren der Länder, den Handel mit Elefanten, deren Häuten und Lederwaren daraus zu erlauben. Tansania wollte 90 Tonnen Elfenbein verendeter Elefanten und von beschlagnahmter Schmuggelware verkaufen. Pro Wildlife zählte im vergangenen Jahr 38.000 in Afrika gewilderte Elefanten.
Eisbär-Handel
Der Schutz des Eisbären wird nicht ausgeweitet. Der Handel mit Eisbären, Fellen und anderen Jagdtrophäen bleibt erlaubt. Der Antrag der USA scheiterte am Widerstand der Europäer - der Eisbär sei geschützt, weil der Handel nur mit Einschränkungen erlaubt ist
Schönster Molch
Der als "schönster Molch der Welt" geltende Zagros-Molch (Neurergus kaiseri) aus dem Iran ist akut vom Aussterben bedroht und darf deshalb künftig nicht mehr an Reptilien-Sammler im Ausland verkauft werden. Die Entscheidung für eine entsprechende Resolution fiel einstimmig. Von dem Molch, der wegen seines schönen schwarz-weißen Musters bei den Sammlern sehr begehrt ist, leben in der Natur nur noch weniger als 1000 Exemplare.
Adams zeigte sich enttäuscht über die Ergebnisse der Konferenz. Deutschland werde sich nicht entmutigen lassen. Aber er schränkte ein: "Es wird jetzt nur in kleinen Schritten weitergehen können." Beim Thunfisch sei es offensichtlich, dass die Bestände gefährdet seien. "Wir wollen nicht wegsehen", sagte Adams. Nun hoffe er, dass die Internationale Kommission für die Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik (ICCAT) ihre Schritte zum Schutz der Fische umsetze - die unter dem Druck der Katar-Konferenz zustande gekommen seien.

Der internationale Handel mit Elfenbein und Elefantenleder wird nicht erlaubt. Tansania und Sambia scheiterten mit einem Antrag, den begrenzten Handel mit Lagerbeständen der Produkte von Dickhäutern wieder zuzulassen. "Das ist ein guter Tag für Elefanten", erklärte Daniela Freyer von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife. "In Tansania war es besonders unglücklich, dass es viel Wilderei gerade in einem Nationalpark gibt, der mit deutscher Entwicklungshilfe entstanden ist", sagte Adams für die deutsche Delegation.

Schutz für Elefanten, Eisbär-Handel bleibt erlaubt

Der vom Klimawandel bedrohte Eisbär erhielt in Katar wiederum keine Hilfe: Der Handel mit den Tieren sowie Fellen und anderen Jagdtrophäen bleibt erlaubt. Der Antrag, den die USA gestellt hatten, scheiterte vor allem am Widerstand der Europäer. Die EU-Staaten begründeten ihr Nein damit, dass der Eisbär schon jetzt genug geschützt sei, weil der Handel nur mit Einschränkungen erlaubt ist. Tierschützer, die sich für den Antrag ausgesprochen hatten, sprachen von einem "schwarzen Tag für den Eisbären".

Das CITES-Abkommen gilt als sehr effektives Instrument für den Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, da es die kommerzielle Ausbeutung bedrohter Arten, wenn nicht ganz verhindern, so doch zumindest beschränken kann. Denn, wer gegen das Abkommen verstößt, kann seine Ware nicht mehr legal exportieren. "Bei anderen Umweltkonventionen wird oft nur sehr viel Papier produziert, aber bei CITES gibt es Sanktionsmechanismen", sagte Volker Holmes von der Umweltstiftung WWF zum Abschluss der Konferenz.

lub/dpa



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juergw. 25.03.2010
1. Skandal !!!!!!!!!!
Die Weltmeere sind doch schon eh überfischt-mit modernster Technik will man nun noch den Rest abfischen ? Unglaublich-die Lobbyisten und Geschäftemacher haben wieder gesiegt !
Gayling 25.03.2010
2. liegt, wie bein fast allem, am konsumenten
als ich vor 25 Jahren erfuhr, dass Schillerlocke Hai ist, kaufte ich das nicht mehr, auch andere Fantasynamen an der Fischtheke lassen auf Hai schließen und werden von mir boykotiert. Überhaupt esse ich nur noch selten Meerestiere, da die Ozeane ohnehin leer gefischt sind, und wenn ichs mir doch nicht verkneifen kann, dann, wenn ich an einer Küste bin. Im Grunde habe ich kein Problem mit dem verzehr lebender Ware, solange damit respektvoll umgegangen wird. Hart ist, Haien die Flossen abzuschneiden und die Tiere dann zurück in die See zu werfen. Solchen Zeitgenossen möchte ich zu gern die Füße abschneiden und sie auf dem Matterhorn aussetzen.
tommm 25.03.2010
3. Es...
war zu erwarten dass die Lobby der Fischereinationen auch dieses mal wieder siegt. Die ICCAT ist ein zahnloser Tiger, der Artenschutz bedrohter Fischarten ist kaum im Focus der Bevölkerung (Elefanten und Gorillas sind ja sooo viel niedlicher) und dass China und Japan kein Interesse an nachhaltiger Bewirtschaftung der Meere haben ist hinlänglich bekannt.
brother eagle 25.03.2010
4. seit wann...
Zitat von tommmwar zu erwarten dass die Lobby der Fischereinationen auch dieses mal wieder siegt. Die ICCAT ist ein zahnloser Tiger, der Artenschutz bedrohter Fischarten ist kaum im Focus der Bevölkerung (Elefanten und Gorillas sind ja sooo viel niedlicher) und dass China und Japan kein Interesse an nachhaltiger Bewirtschaftung der Meere haben ist hinlänglich bekannt.
..wird das Meer bewirtschaftet? Es wird ausgebeutet bis zum geht nicht mehr
picard95, 25.03.2010
5. Ich esse keinen Fisch mehr...
..seitdem ich in einem Restaurant direkt an der (deutschen) Ostsee eine kleine Scholle für viel Geld auf dem Teller hatte. Die Fische werden anscheinend auch bei uns vor der Geschlechtsreife rausgefischt und das geht gar nicht. Mögen die Fischer Pleite gehen; vielleicht können sie auf Quallenfischen ausweichen wenn die letzten Fische aus dem Meer geholt wurden.
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