Harz-Gipfel Der Brocken entstand, als die Welt zerbrach

Der höchste Berg im Harz ist anders entstanden als bisher angenommen. Der Brocken galt als Relikt der ersten Vereinigung Deutschlands. Doch jetzt zeigen Datierungen seines Gipfelgesteins, dass der Berg in einem Vulkanschlund heranwuchs - als die ganze Welt aus den Nähten platzte.
Der Brocken: Höchste Erhebung im Harz mit langer Geschichte

Der Brocken: Höchste Erhebung im Harz mit langer Geschichte

Foto: Corbis

Vor 380 Millionen Jahren nahm die erste deutsche Vereinigung ihren Lauf, es kam zum großen Crash. Bei der sogenannten Variszischen Gebirgsbildung wurden mitten in Europa mehrere Kontinentplatten verschweißt, Nord- und Süddeutschland wurden eins. Zuvor hatte ein tropisches Meer die Gesteinsschollen getrennt, die damals nahe dem Äquator lagen. Dann trieben unterirdische Gesteinsströme die Platten unerbittlich aufeinander zu. Schließlich prallten sie aufeinander - Deutschland war fast komplett.

Der Brocken, der höchste Berg im Harz, galt als weithin sichtbares Relikt des interkontinentalen Zusammenstoßes. Doch neue Datierungen des Gipfelgesteins zeigen: Der Brocken ist bedeutend jünger als vielfach angenommen, er entstand erst vor 293 Millionen Jahren - und ist damit das Ergebnis eines noch größeren geologischen Eignisses.

Anhand winziger Zirkonminerale im Granitgestein des Brockens haben Forscher der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden quasi ins Geschichtsbuch des Brockens geblickt: Die Minerale enthalten radioaktive Uranteilchen, die mit gleichbleibender Rate zerfallen. Wie verrinnender Sand in einer Sanduhr zeigt die Menge der übrig gebliebenen Uranteilchen im Zirkon das Alter des Gesteins.

Der Brocken ruckte in die Höhe

Die Forscher um Ulf Linnemann vom Dresdener Senkenberg-Institut haben nach eigenen Angaben 30 Zirkonminerale vom Gipfel des Brockens datiert. Das Ergebnis  zeige, dass der Brocken-Granit 40 Millionen Jahre nach der Variszischen Gebirgsbildung entstanden sei, sagt Linnemann. Das Vulkangestein könne folglich nicht bei der Vereinigung der mitteleuropäischen Erdplatten entstanden sein. Einzelne frühere Datierungen hatten diesen Verdacht bereits aufkommen lassen.

Nach den umfangreichen Untersuchungen der Senckenberg-Forscher steht nun fest: Der Brocken ist beim Auseinanderbrechen des Großkontinents Pangäa entstanden. Im Erdmittelalter waren fast alle kontinentalen Erdkrustenschollen in dem Urkontinent vereint. Allmählich jedoch staute sich unter Pangäa Hitze, eine riesige Magmablase schwoll an. Schließlich brach das Magma aus zahlreichen Vulkanen hervor. Der Brocken ist der neuen Datierung zufolge erstarrtes Magma, das unter einem solchen Vulkan in der Erdkruste steckengeblieben geblieben war.

Doch wie gelangte der 20 Kilometer dicke Granit in 1100 Meter Höhe, wo er heute alle anderen Gipfel im Harz überragt? Die deutschen Mittelgebirge hoben sich, als sich beim Zusammenstoß der Eurasischen mit der Afrikanischen Erdplatte im Süden die Alpen auftürmten. Die Alpen verzehrten nicht die gesamte Energie des Aufpralls, so dass sich auch im Norden der Boden knautschte - dabei ruckte auch der Brocken in die Höhe.

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