Hautkrebs-Forschung UV-Strahlung macht Mäuse süchtig

UV-Strahlung erhöht das Risiko für Hautkrebs - obwohl das jeder weiß, zieht es Menschen immer wieder in die Sonne. Versuche mit Mäusen liefern eine Erklärung für das paradoxe Verhalten.
Blick aus dem Bau: UV-Strahlung wirkt auf Mäuse ähnlich wie Heroin

Blick aus dem Bau: UV-Strahlung wirkt auf Mäuse ähnlich wie Heroin

Foto: Peter Steffen / dpa

Regelmäßige Sonnenbäder können ähnlich abhängig machen wie einige Drogen, zeigt eine Studie mit Mäusen. In der Untersuchung setzten Forscher die Tiere mehrere Wochen lang regelmäßig UV-Strahlung aus. Die so behandelten Nager schütteten mehr Endorphine aus, also körpereigene schmerzstillende Stoffe. Wurde die Wirkung der Endorphine durch ein Medikament geblockt, zeigten die Versuchstiere Entzugserscheinungen wie Zittern und Zähneklappern.

UV-Strahlung gilt als Hauptursache für die Entstehung von Hautkrebs. Wissenschaftler rätseln daher, warum sich der Drang nach Sonnenlicht evolutionär entwickelt haben könnte. Trifft UV-Strahlung auf die Haut, werden verschiedene Mechanismen in Gang gesetzt. So reagieren die hornbildenden Zellen beispielsweise, indem sie das Protein Proopiomelanocortin (POMC) bilden. POMC ist die Vorstufe für verschiedene aktive Botenstoffe: Dazu zählt ein Hormon, das bewirkt, dass das Hautpigment Melanin produziert wird. Auch der körpereigene Schmerzkiller beta-Endorphin wird aus POMC hergestellt.

Voll auf Droge

Ähnlich wie die Droge Heroin oder das Medikament Morphin bindet auch beta-Endorphin an Opioid-Rezeptoren und entfaltet darüber seine schmerzlindernde Wirkung. Experten um David Fisher vom Massachusetts General Hospital in Boston wollten nun wissen, ob UV-Strahlung den beta-Endorphin-Spiegel nicht nur in der Haut, sondern auch im Blut so verändert, dass dadurch eine schmerzsenkende und abhängig machende Wirkung entsteht.

Hierzu setzten die Forscher Mäuse, denen zuvor der Rücken rasiert worden war, über eine Zeitraum von sechs Wochen jeweils an fünf Tagen UV-Strahlung aus. Dabei wurde die UV-Dosis so berechnet, dass die Nager durch die Strahlung zwar gebräunt, aber nicht verbrannt wurden. Von der Intensität entsprach das den Autoren zufolge einem 20 bis 30 minütigen Sonnenbad eines hellhäutigen Menschen in der Mittagssonne von Florida.

Das Ergebnis: Nach einer Woche hatten die Mäuse einen erhöhten beta-Endorphin-Spiegel im Blut, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Cell" . In Experimenten zeigten sich die mit UV-Strahlung behandelten Nager zudem deutlich schmerzresistenter. Wurde diesen Mäusen ein Medikament gegeben, das die Wirkung an den Opioid-Rezeptoren blockt, zeigten sie Entzugserscheinungen wie Zittern und Zähneklappern. Außerdem mieden die Nager den Ort, an dem ihnen das Medikament verabreicht worden war.

Auf UV-Sucht programmiert

Mäuse, die genetisch so verändert wurden, dass sie entweder überhaupt kein oder zumindest ihre Hautzellen kein beta-Endorphin herstellen konnten, reagierten in der Studie komplett anders: Sie wurden nach der UV-Behandlung weder schmerzunempfindlicher, noch zeigten sie Entzugserscheinungen nach Gabe des Medikaments.

"Es ist überraschend, dass wir genetisch dazu programmiert sind, von etwas so gefährlichem wie UV-Strahlung abhängig zu werden - dem wahrscheinlich am meisten verbreitetsten Kanzerogen der Welt", sagt Studienautor Fisher. Die Forscher vermuten, dass der Drang, UV-Strahlung aufzusuchen, evolutionär in Zusammenhang mit Vitamin D stehen könnte. Sonnenlicht regt dessen Bildung an. Das Vitamin spielt vor allem beim Knochenaufbau eine wichtige Rolle.

Zum Schutz der Haut raten Experten, sich vor übermäßiger UV-Strahlung zu schützen - etwa durch Kleidung, Sonnencreme und das Meiden von Mittagssonne. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts wird jährlich bundesweit bei etwa 20.000 Menschen schwarzer Hautkrebs diagnostiziert, ein besonders bösartiger Tumor. Hinzu kommen tausende Fälle von Krebsvorstufen.

jme/dpa

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