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16. Oktober 2011, 15:38 Uhr

Havarierte "Rena"

Rettungskräfte starten riskanten Abpump-Versuch

Unter schwersten Bedingungen versuchen Einsatzkräfte, so viel Treibstoff wie möglich aus dem havarierten Frachtschiff "Rena" zu pumpen. Doch eine nahende Schlechtwetterfront droht, die Rettungsarbeiten erneut zu behindern. Inzwischen wurde gegen den Kapitän Anklage erhoben.

Wellington - Schlechtes Wetter und zu hoher Wellengang: Immer wieder mussten die Bergungsleute das Abpumpen des Öls auf dem havarierten Frachter "Rena" verschieben. Am Sonntag haben die Einsatzkräfte nun einen neuen Anlauf zum Abpumpen gestartet. Dafür musste das Team auf die "Rena" zurückkehren. Wie die neuseeländische Schifffahrtsbehörde MNZ mitteilte, werde sich der hochriskante Einsatz über die Nacht bis zum Montag hinziehen.

"Das ist eine ungeheuer anspruchsvolle und riskante Operation, selbst bei Tageslicht", sagte der Sprecher der Bergungsmannschaft, Bruce Anderson. Das Team will so viel Öl wie möglich aus den Treibstofftanks des Containerfrachters pumpen. Dafür wurden extra Stahlplattformen am Rumpf der "Rena" angebracht. Wegen schlechten Wetters mussten die Bergungsarbeiten zwischenzeitlich gestoppt werden. Bisher gelang es den Einsatzkräften allerdings nur, einige Dutzend Tonnen Öl abzupumpen. Bis zu 400 Tonnen Schweröl sind seit dem Unglück vor elf Tagen in den Südpazifik gelangt. Neuseeland erlebt damit seine bislang schwerste Umweltkatastrophe.

Das Schiff könnte vom Riff abrutschen

Für die Nacht sagen die Meteorologen zwar ruhiges Wetter voraus. Am späten Montag könnte die Lage jedoch kippen. Dann sollen die Wellen wieder höher werden. Die Bergungsmannschaft müsste ihre Arbeit dann abbrechen. Am Samstag hatten Rettungstaucher mitgeteilt, das Schiff sei nicht stabil auf dem Riff verankert, vor allem am Heck, wo der Großteil des Öls in den Treibstofftanks lagert. "Es ist wahrscheinlich, dass das Schiff vom Riff abrutscht", sagte Anderson. Zugleich warnte er davor, dass mehr Öl ausfließen und Strände verschmutzen könnte.

Schwierigkeiten bereitete den Arbeitern vor allem, dass das Schweröl im Bauch der "Rena" seit dem Abschalten der Schiffsmotoren immer weiter abkühlt und verdichtet, so dass bereits angeschlossene Pumpen es schlechter ansaugen und transportieren können. Das Öl in den Tanks sei mittlerweile sehr zähflüssig, sagte Anderson. Daher lasse es sich mit Hilfe einer sogenannten Archimedischen Schraube - einer Förderanlage, die sonst für Entwässerungszwecke genutzt wird - auf einen danebenliegenden Frachtkahn laden.

Das ausgelaufene Öl hat die Strände der malerischen Plenty-Bucht über mehrere Kilometer mit einem dicken Ölschlamm bedeckt. Behörden hatten am Wochenende Teile des Strandes gesperrt, damit Helfer ihre Reinigungsarbeiten fortsetzen konnten. Mehr als 1000 ölverschmierte Seevögel sind verendet, mehr als hundert Tiere werden von dem gefährlichen Schmutz befreit. Erfahrungsgemäß bedeutet dies großen Stress für die Tiere, viele sterben. Andere Strände wurden der Öffentlichkeit am Sonntag wieder zugänglich gemacht.

Der Kapitän und sein Stellvertreter wurden wegen fahrlässiger Führung des Schiffs angeklagt. Gegen Kaution wurden sie vorläufig auf freien Fuß gesetzt, aus Furcht um ihre Sicherheit aber an einem geheimen Ort untergebracht. Auch vier weitere Mitglieder der philippinischen Besatzung wurden an sichere Orte gebracht, die restlichen 19 in ihre Heimat zurückgeflogen. Dem Kapitän und seinem Navigationsoffizier droht eine einjährige Haftstrafe.

cib/dpa/AFP

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