Hekla Island-Vulkan steht vor dem Ausbruch

Island rechnet mit einem neuen Vulkanausbruch: Der Hekla rumpelt, Wissenschaftler registrierten ungewöhnliche Bewegungen in dem Berg. Sie haben eine riesige Beule auf dem Vulkan entdeckt. Die Folgen einer Eruption sind unberechenbar.
Ausbruch des Hekla im Jahr 2000: Die Eruption bleib ohne Folgen für Europa

Ausbruch des Hekla im Jahr 2000: Die Eruption bleib ohne Folgen für Europa

Foto: © STR New / Reuters

Reykjavik - Kaum hat sich der Vulkan Grímsvötn beruhigt, steht wohl ein weiterer Vulkan in Island vor der Explosion. Messungen haben am Hekla, hundert Kilometer östlich von Reykjavik, seit einigen Tagen "ungewöhnliche Bewegungen" registriert, wie der Vulkanologe Páll Einarsson mitteilte. Mit GPS-Geräten maßen Wissenschaftler ein leichtes Rumpeln im Berg - die Oberfläche des Berges bewegte sich.

Bereits vor Wochen hatten andere Forscher einen Ausbruch des Hekla angekündigt, sie hatten eine 20 Kilometer breite Beule auf dem Berg entdeckt: Magma sei unterirdisch aufgestiegen und drücke den Boden nach oben, meinten die Forscher. Ein baldiger Ausbruch sei "sehr wahrscheinlich", bestätigt der Vulkanologe Birger-Gottfried Lühr vom Geoforschungszentrum Potsdam. "Ich besuchte den Hekla vor drei Jahren, und bereits damals traute sich niemand mehr auf den Gipfel", erzählte er SPIEGEL ONLINE.

Eine sichere Vorhersage für einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch des Hekla sei indes nicht möglich, sagt der Vulkanologe Einarsson. Auf der Nordatlantik-Insel hatte im Frühjahr 2010 der Ausbruch des benachbarten Gletschervulkans Eyjafjallajökull den europäischen Flugverkehr wochenlang durch Flugasche lahmgelegt. Der Ausbruch des Grímsvötn im Mai dieses Jahres verlief für Anwohner in Island sowie Flugreisende in Europa glimpflicher. Auf dem Grímsvötn heilt inzwischen ein grüner See die Wunden der Explosion.

Stärker aufgebläht

Einarsson meinte, die Vulkanologen seien sich unsicher über die Bedeutung der jetzt gemessenen ungewöhnlichen Bewegungen am Hekla. Das liege auch am Einsatz neuer und bisher wenig erprobter Messgeräte. Aber "Hekla war immer schwer vorzusagen". Noch gebe es keinen Grund für unmittelbaren Alarm. Andererseits habe der Vulkan seit zehn Jahren auf einen neuen Ausbruch zugesteuert und sei seit drei bis vier Jahren dazu bereit.

Hekla gehört zu den bekanntesten und aktivsten Vulkanen auf Island mit seinen insgesamt mehr als 30 aktiven Vulkansystemen. Seine Ausbrüche richten gewöhnlich keine verheerenden Schäden an, kommen aber recht häufig: Hekla war zuletzt 1947, 1980, 1981, 1991 und 2000 aktiv. Seine Ausbrüche beginnen in der Regel fast ohne Vorwarnung.

Die letzten Ausbrüche verliefen moderat, die Aschewolken blieben begrenzt, es gab keine Probleme in Europa. Doch der Vulkan speist sich aus zwei verschiedenen Magmaquellen, weshalb seine Explosivität kaum vorherzusagen ist. Neigungsmesser auf dem Berg zeigen, dass sich der Hekla mittlerweile stärker aufgebläht hat als vor seinen letzten Eruptionen im Jahr 2000 und 1991.

boj/dpa
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