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Himalaja Deutsche Expedition vermisst Mount Everest in 3D

Mit dem Motorsegler über den Himalaja: Dieses Experiment haben deutsche Forscher jetzt gewagt. Unter dem Flügel trug ihre Maschine eine Kamera, die die Region bis auf 15 Zentimeter genau vermessen hat - auch um Naturkatastrophen zu verhindern.

Berlin - Mit einem Motorsegler am höchsten Berg der Welt entlang: Dieses Abenteuer haben deutsche Forscher in dieser Woche gewagt. Bei dem Flug des Mountain Wave Project (MWP) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ging es darum, ein 3D-Modell der Region zu erstellen. Es soll in Zukunft bei Notfalleinsätzen genutzt werden. Die Daten dafür lieferte eine Spezialkamera namens "Macs" (Modular Aerial Camera System), die unter dem Flügel eines Motorseglers der FH Aachen befestigt worden war.

Für die Piloten war der Flug eine Herausforderung - und offenbar ein großes Vergnügen: "Trotz Windgeschwindigkeiten am Everestgipfel um 100 Kilometer pro Stunde waren die Bedingungen ideal", so Pilot Klaus Ohlmann. "Ausgeprägte und an diesem Tag nahezu turbulenzfreie Hangaufwinde halfen uns, schnell aufzusteigen."

Drei Kameraköpfe mit einem Sichtbereich von insgesamt 120 Grad nahmen während des Fluges vom Flughafen Pokhara in Nepal bis zum Mount Everest die Gebirgsformationen in hoher Auflösung auf. "Wir konnten in eineinhalb Stunden alle geplanten Bereiche der nepalesischen Everestregion befliegen, darunter die berühmte Rettungsroute zwischen Lukla und dem Mount Everest", sagte Projektleiter Jörg Brauchle vom DLR-Institut für Optische Sensorsysteme.

Fotostrecke

DLR-Motorsegler: Flug über den Himalaja

Foto: DLR

Mit den Daten wollen die Forscher die nepalesische Everest Region im Computer nachbilden - mit einer Auflösung von bis zu 15 Zentimetern pro Bildpunkt. Dabei kommt eine Software zum Einsatz, mit der sonst die Daten von Erdbeobachtungssatelliten ausgewertet werden.

Mit dem so gefertigten Modell des Khumbu-Tals sollen auch Hangrutschungen und Überflutungen durch Gletscherseeausbrüche besser vorhergesagt werden. Die Wissenschaftsorganisation der Himalaja-Anrainerstaaten (ICIMOD) untersucht in der Region seit Jahren die Gletscher - und kann deswegen Vergleichsdaten liefern.

Die Kamera musste bei dem Flug in mehr als 8000 Metern Höhe mit extrem niedrigen Temperaturen klarkommen. Stellenweise ging es bis unter minus 35 Grad. Dass die Technik diese Belastungen aushält, hatte sie zuvor in einer Unterdruckkammer und bei Flügen über die Alpen beweisen müssen. Ursprünglich hatte die Expedition bereits im November stattfinden sollen, doch wegen der Parlamentswahlen in Nepal hatte sich der Start immer wieder verzögert. Außerdem fehlte der passende Treibstoff.

chs
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