Orientierung Hirsche kehren am früheren Eisernen Vorhang um

In der Tierwelt gilt weiterhin die ehemalige Grenze zwischen West- und Osteuropa: Hirsche stoppen am früheren Eisernen Vorhang - auch aus Sicherheitsgründen.
Rothirsch: Stoppen an der Grenze

Rothirsch: Stoppen an der Grenze

Foto: Patrick Pleul/ DPA

Hirsche respektieren weiter den früheren Eisernen Vorhang zwischen Ost und West. Das haben Forscher im Nationalpark Böhmerwald herausgefunden: "Die Hirsche auf der tschechischen Seite des Böhmerwalds wandern genau bis zu der Stelle, wo früher Stacheldraht den Sperrbereich vor der Staatsgrenze markierte", teilte der Zoologe Pavel Sustr mit. Der Böhmerwald grenzt unmittelbar an den Bayerischen Wald.

In Tschechien wurden die Tiere für die Studie mit Funk-Halsbändern ausgestattet und sechs Jahre lang beobachtet. Die Forscher vermuten, dass Hirschkühe über Generationen die Abgrenzung ihres Territoriums an ihre Nachkommen weitergeben. Das Ergebnis der Untersuchung: Ein Vierteljahrhundert nach der Grenzöffnung halten sie unbeirrt daran fest. Die Rothirsche des Böhmerwalds nutzen demnach im Schnitt ein Gebiet von 60 Quadratkilometern.

Angst vor dem Übertritt

Auf deutscher Seite sieht die Situation differenzierter aus. "Nur die Weibchen bleiben zumeist auf deutscher Seite", sagte der Wildtierforscher des Nationalparks Bayerischer Wald, Marco Heurig, in Grafenau. Dies liege zum einen an der Topografie, weil sich zwischen Tschechien und Deutschland ein Bergrücken erstrecke. Zum anderen werde auf tschechischer Seite seit einigen Jahren wieder gejagt. "Aus Sicherheitsgründen bleiben die Weibchen mit ihrem Nachwuchs dann lieber im Nationalpark auf deutscher Seite."

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Dagegen seien die männlichen Hirsche durchaus Grenzgänger, betonte Heurig. "Vor allem junge Tiere streifen viele Kilometer weit über die ehemalige Grenze auf die Suche nach Weibchen." Im Nationalpark werden auf deutscher Seite jedes Jahr etwa 20 Tiere mit Sendern ausgestattet. Bislang liegen die Daten von mehr als hundert Hirschen vor.

boj/dpa
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