Hitze in Deutschland "Es wird immer mehr Dürren geben"

Der Sommer ist außergewöhnlich trocken, Felder und Wälder brennen. Wird Deutschland bald häufiger Dürren erleben? Forscher Stephan Thober erklärt, welches Klima uns erwartet und was die Erderwärmung damit zu hat.
Von Lena Puttfarcken
Temperaturen im Sommer

Temperaturen im Sommer

Foto: Franziska Kraufmann/ picture alliance / Franziska Kraufmann/dpa

Manche Gebiete in Deutschland haben mit extremer Trockenheit zu kämpfen. Das sorgt in der Landwirtschaft für Probleme - für Getreide, Mais und Raps war es viel zu trocken. Der Deutsche Bauernverband rechnet mit starken Ernteausfällen.

Durch die Trockenheit und die hohen Temperaturen steigt zudem die Gefahr für Brände. In den vergangenen Tagen brachen in Brandenburg gleich zwei Feuer aus, und auch im Sauerland kämpft die Feuerwehr seit Donnerstag gegen einen Waldbrand.

Wird die Erderwärmung dafür sorgen, dass solche Dürren in Deutschland häufiger werden? Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig haben in verschiedenen Klimamodellen  berechnet, wie trocken es bei einer Erwärmung von eineinhalb, zwei oder drei Grad in Deutschland werden könnte.

Zur Person
Foto: Sebastian Wiedling

Stephan Thober, Jahrgang 1984, ist Mathematiker und Modellierer am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Im Rahmen des HOKLIM-Projekts hat er sich damit befasst, wie sich Dürren in Deutschland durch die Erderwärmung entwickeln.

SPIEGEL ONLINE: Herr Thober, wird jetzt jeder Sommer so trocken wie dieser?

Thober: Wenn sich die Erde um drei Grad erwärmt, werden Dürren in Zukunft deutlich stärker vorkommen. 2003 gab es eine Hitzewelle, die der jetzigen in ihrem bisherigen Verlauf ähnelt. So ein Ereignis würde man dann nicht mehr als extreme Dürre bezeichnen, sondern eher als normal.

SPIEGEL ONLINE: Was heißt das konkret?

Thober: Aktuell gibt es im Durchschnitt etwa zwei Dürremonate im Jahr. Wenn sich die Erde um drei Grad erwärmt, verdoppeln sich in den nächsten 30 Jahren die Dürremonate, zumindest in Teilen Süddeutschlands. Dürren wie jetzt sind übrigens keine neuen Phänomene, die gab es in der Vergangenheit auch. Aber sie werden durch den Klimawandel verstärkt.

SPIEGEL ONLINE: Also sollte man sich auf trockene Sommer einstellen?

Thober: Der Klimawandel ist ein Prozess, der über die nächsten Jahrzehnte stattfindet. Das wird sich nach und nach entwickeln. Es wird immer mehr Dürren geben und Extremereignisse werden irgendwann nicht mehr als Extremereignisse gelten. So ist das Ereignis von 2003 im derzeitigen Klima ein Extrem, auf einer drei Grad wärmeren Erde aber etwas Normales, das alle paar Jahre auftritt.

SPIEGEL ONLINE: Bedeutet mehr Trockenheit weniger Regen?

Thober: Nein, die jährlichen Niederschlagssummen in Deutschland werden ungefähr auf dem aktuellen Niveau bleiben. Im Jahr regnet es also etwa genauso viel wie jetzt. Allerdings verändert sich die Verteilung des Regens, es wird öfter Starkniederschläge geben.

SPIEGEL ONLINE: Wenn es genauso viel regnen wird wie bisher, wieso wird Trockenheit dann ein Problem?

Thober: Weil starker Regen nach längerer Trockenheit nicht in den Boden, sondern über die Flüsse wieder direkt ins Meer fließt. Gäbe es jetzt einen Schauer, würde das den Bauern nicht viel helfen, weil der Boden trocken ist und wenig Wasser aufnehmen kann. Und wenn sich die Erde um drei Grad erwärmt, dann wird die Wassermenge, die bei Trockenheit im Boden gespeichert sein wird, noch um einiges geringer sein. Um genau zu sein, nimmt die Menge an Wasser im Boden dann von Juni bis August um ungefähr 12.000 Kubikmeter pro Quadratkilometer ab. Diese künftigen Dürren werden auch deutlich länger andauern.

SPIEGEL ONLINE: Ein Temperaturanstieg von drei Grad ist eher pessimistisch. Gibt es auch optimistischere Szenarien?

Thober: Liegt die Erwärmung im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung nur bei zwei Grad, fallen die Änderungen deutlich geringer aus. Zukünftige Dürren werden nicht so extrem. Deshalb wäre es lohnenswert, das Pariser Klimaabkommen ernst zu nehmen und alles zu versuchen, um die Erderwärmung zumindest auf zwei Grad zu beschränken. Dann könnten die starken Auswirkungen des Klimawandels vermieden werden.

Änderungen der Dürredauern durch Erderwärmung

Änderungen der Dürredauern durch Erderwärmung

Foto: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

SPIEGEL ONLINE: Wie realistisch ist das?

Thober: Die Modelle sagen: Wenn sich die Erde nur um 1,5 Grad erwärmen soll, dann darf es vom Jahr 2080 an keine Nettoemissionen von Treibhausgasen mehr geben. Es wird also genauso viel Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre abgegeben wie aufgenommen. Das ist gut, weil mehr CO2 in der Atmosphäre zu einem stärkeren Treibhauseffekt führt, und die Erde sich aufheizt. Die Frage ist, ob wir dieses Ziel als Menschheit erreichen können.

SPIEGEL ONLINE: Von welchem Jahr an wären extreme Dürren in Deutschland normal?

Thober: Das schwankt je nach Modell, aber etwa ab der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts. Es hängt stark davon ab, inwiefern wir Menschen es schaffen, die Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren. Das beeinflusst die zukünftige Entwicklung maßgeblich.