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09. August 2018, 16:05 Uhr

Rekord-Temperatur

So warm war die Ostsee im Juli noch nie

Vorher-nachher-Aufnahmen von Satelliten zeigen, wie stark sich das Wasser in der Ostsee in den vergangenen Wochen aufgeheizt hat. Im Juli gab es einen Temperatur-Rekord.

Temperaturen bis 25 Grad und das über Wochen hinweg. Die Ostsee ist derzeit ungewöhnlich warm. Noch nie erreichte die Wassertemperatur im Juli durchschnittlich so hohe Werte wie 2018. Im Mittel lag sie dieses Jahr demnach bei 20 Grad, berichtet das Bundesamt für Seeschifffart und Hydrographie (BSH).

Ähnlich warm war es im Juli in der Ostsee zuletzt im Jahr 2014. Damals erreichte der Monatsmittelwert 19,5 Grad - lag also ein halbes Grad unter dem aktuellen Juli-Rekord. Karten des Dänischen Meteorologischen Instituts (DMI) auf der Basis von Satellitenaufnahmen zeigen, wie die Wassertemperatur seit Anfang Juli 2018 gestiegen ist.

Auch in der Nordsee gab es fast einen neuen Rekord. Der Juli-Mittelwert lag dort bei 16,3 Grad - und damit nur 0,1 Grad unter dem bisherigen Spitzenwert.

Werte deutlich über dem Langzeitmittel

Im Vergleich zum langfristigen Mittel sind die Wassertemperaturen ebenfalls deutlich erhöht. Der 20-Grad-Wert aus der Ostsee liegt 2,8 Grad über dem Durchschnitt der vergangenen knapp 30 Jahre. Wie die DMI-Bilder unten zeigen, war die Erwärmung im Juli dafür entscheidend: Anfang des Monats lag die Temperatur oft noch im Durchschnitt oder sogar darunter (graue und grüne Bereiche). Bis Anfang August heizte sich die Ostsee dann aber fast überall weit über den Mittelwert auf.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Temperatur in den nächsten Wochen weiter steigen wird. Dass Ost- und Nordsee so warm seien, liege am seit Monaten warmen Wetter, so das BSH. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war es in Deutschland von April bis Juli noch nie so heiß und trocken wie in diesem Jahr. (Mehr dazu lesen Sie hier.) So konnte sich das Meerwasser über Wochen hinweg erwärmen ohne zwischendurch nennenswert abzukühlen.

Den Prognosen zufolge wird sich dieser Trend bis zum Herbst fortsetzen. Erst mit der Sturmsaison dürfte das Wasser dann wieder kühler werden.

Warmes Wasser befördert Algenwachstum

Die hohen Wassertemperaturen haben auch Auswirkungen auf die Wasserqualität. Sie regen Algen zum Wachsen an, die das Wasser in eine trübe Brühe verwandeln. Besondere Probleme bereiteten in diesem Jahr Blaualgen. Streng genommen handelt es sich dabei um Bakterien, von denen einige Arten Gifte ins Wasser abgeben können. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Sicherheitshalber mussten deshalb bereits einige Strände in Deutschland gesperrt werden. Wenn die Organismen sterben, entziehen sie dem Wasser zudem Sauerstoff, was zu sogenannten toten Zonen führen kann, in denen Fische nicht überlebensfähig sind. Das BSH will Mitte August über den Sauerstoffgehalt in Nord- und Ostsee informieren.

Video: Klima extrem - Warum das Wetter immer unberechenbarer wird

jme

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