Deutscher Wetterdienst So heiß und trocken war es von April bis Juli noch nie

Dieser Sommer ist nicht nur ungewöhnlich warm, sondern vor allem extrem trocken. Noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen 1881 wurde ein so großes Niederschlagsdefizit gemessen.
Temperaturanomalie April-Juli in Deutschland

Temperaturanomalie April-Juli in Deutschland

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Der extrem heiße und trockene Sommer hat auch zu einem Rekord bei Temperaturanomalien geführt. Im Zeitraum zwischen April und Juli 2018 wurde mit 3,6 Grad die höchste positive Abweichung seit 1881 gemessen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte . Als Referenzperiode gilt die Zeit von 1961 bis 1990 mit ihren Temperaturmittelwerten.

Demnach wurden für April und Mai neue Monatsrekorde registriert, auch im Juni und Juli dieses Jahres gab es sehr hohe Temperaturabweichungen. Die bisher höchste Temperatur wurde in diesem Jahr am 31. Juli in Bernburg in Sachsen-Anhalt gemessen, dort stieg das Thermometer auf 39,5 Grad Celsius. Wie sich die Hitzewelle auf Deutschland auswirkt, lesen Sie hier.

Den bislang heißesten Sommer in Deutschland seit 1881 gab es im Jahr 2003: Damals wurde in Süddeutschland die 40-Grad-Marke geknackt. Vor allem im Juni und August war es heiß. Die Temperaturabweichung lag damals bei 3,4 Grad. Bislang ist der Sommer 2018 heißer, allerdings ist er noch nicht vorbei.

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Sommer 2018: In Deutschland ist's heiß und trocken

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Begleitet wurde die große Hitze in diesem Sommer von einer extremen Trockenheit: Den Angaben zufolge wurde im Zeitraum April bis Juli noch nie ein so hohes Niederschlagsdefizit wie in diesem Jahr registriert. Der fehlende Niederschlag lag bei minus 110 Millimetern. Besonders trocken war es in Sachsen-Anhalt. Diese Abbildung zeigt, dass die vergangenen Jahre deutlich wärmer waren als in den Jahren zuvor.

Wegen der anhaltenden Hitze hat der Deutsche Bauernverband (DBV) seine Ernteprognose deutlich nach unten korrigiert. Statt zuletzt geschätzten 41 Millionen Tonnen Getreide wird nur noch mit einer Erntemenge von rund 36 Millionen Tonnen gerechnet. Der DBV fordert deswegen Soforthilfen von der Bundesregierung, die sich bisher nicht festgelegt hat.

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Die Hitzewelle hat auch Auswirkungen auf die Wasserversorgung. Im rheinland-pfälzischen Kreis Cochem-Zell an der Mosel ist es beispielsweise inzwischen verboten, den Rasen zu bewässern. Auch öffentliche Grün- und Sportplätze werden nicht mehr künstlich bewässert, auch Feuerwehrübungen müssen ausfallen. Wer sich nicht daran hält, riskiert ein Bußgeld von 5000 Euro.

Die Versorgung mit Trinkwasser sei indes nicht gefährdet, betonte eine Sprecherin der Kreisverwaltung am Freitag. Die Bestände in den Wassergewinnungsanlagen seien "noch durchaus passabel". Aber: "Der Verbrauch wird von Tag zu Tag mehr." Bereits in der vergangenen Woche sei zum freiwilligen Wassersparen aufgerufen worden - genützt habe das nichts. Daher gebe es nun die Anordnung. Zuvor hatte der SWR berichtet.

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Dürre: Wenn Bäume schwitzen

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Auch bundesweit ist die Trinkwasserversorgung weitgehend gesichert. "Trockene Felder und braune Wiesen bedeuten nicht, dass das Trinkwasser für den Bürger knapp wird", sagt ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), der die Interessen der meisten Wasserversorger in Deutschland vertritt.

Der Grund: Die Trinkwasserversorgung speist sich vor allem aus dem Grundwasser, auf das die aktuelle Trockenheit kaum Einfluss hat. Denn Regenwasser braucht Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, bis es in die Grundwasserreservoirs sickert. In den vergangenen Jahren habe es ausreichend geregnet, die Grundwasserspeicher und Talsperren sind deshalb gut gefüllt, so der VKU. Außerdem halten Wasserversorger einen gewissen Puffer vor.

Trotz Rekorddürre - Trinkwasser ist kein Problem

Dass die Situation in Deutschland so entspannt ist, liegt auch daran, dass nicht einfach jeder so viel Grundwasser nutzen darf, wie es ihm passt. Die Trinkwasserversorgung hat immer Vorrang. Wer darüber hinaus an das Grundwasser will, braucht eine Genehmigung. Das gilt auch für Bauern, die ihre Felder wässern wollen.

Wird das Wasser trotzdem in einer Region knapp, springt eine andere ein. Der Bodensee kann beispielsweise Gebiete bis zur hessischen Landesgrenze mit Trinkwasser versorgen. In sehr angespannten Regionen können örtliche Versorger auch die Nutzung des Trinkwassers einschränken. Im Oberhavelkreis war es Anfang Juni zum Beispiel zeitweise verboten, Gärten und Sportplätze mit Sprinkleranlagen zu bewässern oder Pools zu befüllen.

In Norddeutschland gab es im Frühjahr trotz aller Sicherheitsvorkehrungen kurzzeitig Probleme mit dem Trinkwasser. In einigen Regionen Niedersachsens blieben die Wasserhähne vor allem in weiter abgelegenen Wohngebieten trocken, weil der Druck in den Leitungen wegen des steigenden Wasserverbrauchs nicht mehr ausreichte. Mit einem niedrigen Grundwasserspiegel hatte das jedoch nichts zu tun. Laut VKU handelt es sich um Extrembeispiele, die sich meist auf wenige Wochen beschränken.

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koe/AFP
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