Hitzewelle in Deutschland Sahara-Luft treibt Temperaturen auf Rekordhöhe

Im Westen Deutschlands könnten die Temperaturen in den nächsten Tagen auf über 40 Grad steigen. Ein Hoch- und ein Tiefdruckgebiet treiben warme Luftmassen aus Nordafrika Richtung Europa.

Oliver Berg/dpa

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Temperaturen von 32 bis 38 Grad - in Deutschland ist das Sommerwetter zurück. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet in manchen Orten damit, dass in den kommenden Tagen sogar der Temperaturrekord von 2015 geknackt wird. Damals wurden in Kitzingen in Bayern 40,3 Grad gemessen.

Der Grund für die Hitze: Trockene Luft aus Nordafrika und der Sahara strömen nach Europa. Das hat den Vorteil, dass es zumindest nicht so schwül wird. Angetrieben werden die Luftmassen von einem langlebigen Hochdruckgebiet über Mitteleuropa und einem Tiefdruckgebiet über dem Ostatlantik, berichtet der DWD.

Das Hochdruckgebiet - es trägt den Namen Yvonne - reicht derzeit vom westlichen Mittelmeer über die Alpen bis zu Nord- und Ostsee und wandert nur sehr langsam Richtung Osten. Deshalb ist das Wetter dort bereits Anfang der Woche schön. Es gibt kaum Druckunterschiede in der Luft und dadurch wenig Wind. Doch das ändert sich am Mittwoch - dann steigen die Temperaturen noch einmal.

Tiefdruckgebiet bringt Luft in Bewegung

Verantwortlich dafür ist das Tiefdruckgebiet, das derzeit über den östlichen Atlantik Richtung Europa wandert. Erreicht es am Mittwoch oder Donnerstag die Westküste Irlands, werden sich größere Luftmassen in Bewegung setzen. Das Hochdruckgebiet Yvonne ist bis dahin ins östliche Mitteleuropa gewandert. Zwischen Hoch- und Tiefdruckgebiet gibt es große Druckunterschiede, die sich nun entladen. Der Wind wird stärker.

Zwischen dem Tiefdruckgebiet und dem Hochdruckgebiet zieht heiße Luft nach Europa
DWD

Zwischen dem Tiefdruckgebiet und dem Hochdruckgebiet zieht heiße Luft nach Europa

In Tiefdruckgebieten steigt die Luft gegen den Uhrzeigersinn nach oben, der Luftdruck sinkt. In Hochdruckgebieten sinkt die Luft im Uhrzeigersinn ab, der Luftdruck steigt. Für die aktuelle Wetterlage bedeutet das: Das gegen den Uhrzeigersinn rotierende Tiefdruckgebiet im Westen und das mit dem Uhrzeigersinn rotierende Hochdruckgebiet im Osten treiben subtropische Luft aus Nordafrika und der Sahara Richtung Europa.

Hinzu kommt, dass die Temperaturen in Hochdruckgebieten steigen, weil sich kalte Luft aufheizt, wenn sie aus hohen Luftschichten in Bodennähe absinkt. Am Donnerstag rechnet der DWD so in Teilen Westdeutschlands mit Temperaturen über 40 Grad. Erst danach wird es wieder etwas kühler.

Ab Freitag sinken die Temperaturen zumindest um ein paar Grad. Das betrifft zunächst vor allem den Westen Deutschlands. Auch dafür ist das Tiefdruckgebiet verantwortlich, das sich Deutschland nähert und Schauer und Gewitter und damit auch feuchte, schwüle Luft bringt. Bis Sonntag kühlt es laut DWD in ganz Deutschland leicht ab, Temperaturen um 30 Grad bleiben aber erhalten.

Ähnliche Verhältnisse wie bei Hitzewelle im Juni

Die Konstellation ist nach Angaben der Meteorologen vergleichbar mit den Verhältnissen bei der vorherigen Hitzewelle vor knapp einem Monat. In Deutschland wurden damals örtlich Temperaturen von mehr als 38 Grad gemessen und ein neuer Hitzerekord für Juni aufgestellt. Diesmal soll die Hitze noch länger anhalten als Ende Juni.

Hitzewellen im Sommer sind nicht per se ungewöhnlich. Gut erinnern können sich viele Menschen beispielsweise noch an den WM-Sommer 2006 in Deutschland, als wochenlang nichts als Sonnenschein herrschte. Ob die global steigenden Temperaturen für das damalige Wetter oder die aktuelle Hitze verantwortlich sind, lässt sich nicht klar zuordnen. Insgesamt haben Hitzewellen und Dürren in den vergangenen Jahrzehnten aber zugenommen.

Experten diskutieren in diesem Zusammenhang auch, ob der Jetstream durch wärmere Temperaturen gestört wird. Die Luftmassen in etwa zehn Kilometern Höhe strömen wellenförmig von West nach Ost. Angetrieben werden sie von Temperaturunterschieden zwischen dem Äquator und dem Nordpol.

Wird die Temperaturdifferenz kleiner, weil sich die Arktis stärker erwärmt als der Rest der Erde, schwächt sich der Jetstream ab. Das Wetter auf der Erde bleibt dann stabil und Hochdruckgebiete wie aktuell Yvonne bewegen sich nur langsam. Experten gehen auch davon aus, dass die Juni-Hitze 2019 sowie die hohen Temperaturen und die Dürre im Juli 2018 unter anderem auf diesen Effekt zurückzuführen sind.

Mit Material von AFP



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