Extremwetter in den USA und Kanada Nordamerika droht der nächste Hitzschlag

Temperaturen über 40 Grad, Waldbrände und eine frühe Hurrikansaison – Nordamerika ächzt unter Extremwetterlagen. Am Wochenende wird sich die Situation erneut verschärfen, auch wegen des Klimawandels.
Schwerste Dürre in Kalifornien seit 1977 (am Salton Sea): In den nächsten Wochen erwarten Experten aufgrund von Trockenheit und Hitze auch wieder vermehrt Brände

Schwerste Dürre in Kalifornien seit 1977 (am Salton Sea): In den nächsten Wochen erwarten Experten aufgrund von Trockenheit und Hitze auch wieder vermehrt Brände

Foto: Aude Guerrucci / REUTERS

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»Was wir die vergangenen Tage gesehen haben, war die offizielle Eröffnung der Klimakatastrophe«, sagte der Gouverneur Jay Inslee dem US-amerikanischen TV-Sender CNN. Er reagierte damit auf die verheerende Hitzewelle, die in den vergangenen Tagen den von ihm regierten Bundesstaat Washington traf.

In Seattle, der größten Stadt im Nordwesten der USA, wurden am Montag Rekordtemperaturen von 41 Grad gemessen. »Wir haben lange vor den Folgen des Klimawandels gewarnt«, erklärt Inslee. »Nun ist er da.« Der Nordwesten der USA habe das bereits zu spüren bekommen – aber »jeden wird es treffen«, so der Gouverneur. Ihn schmerze es, wenn er an die vielen Leute denke, die gerade einen Hitzschlag erleiden oder verzweifelt versuchen, den hohen Temperaturen zu entkommen. Vergangenen Woche hatte die Hitzewelle in Kanada und den USA bereits zu Hunderten Todesfällen beigetragen.

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Besonders dramatisch war die Lage in der kanadischen Provinz British Columbia. Nach mehreren Tagen mit Rekordtemperaturen von bis zu 49,6 Grad Celsius brannte ein Feuer den Ort Lytton vollständig nieder.

Die Temperaturen haben sich zwar mittlerweile etwas abgekühlt, doch der Hitze-Albtraum ist noch nicht vorbei. US-Wetterdienste sagen bereits die nächste Hitzewelle für das kommende Wochenende voraus: Dieses Mal könnte vor allem Kalifornien unter Temperaturen von mindestens 40 Grad ächzen. Im Yosemite-Nationalpark sollen die Werte laut dem nationalen Wetterdienst NWS auf 42 Grad klettern, im Death Valley sogar auf 54 Grad.

Die kommende Hitzewelle trifft nicht nur Nationalparks und unbewohnte Wüsten, sondern auch Millionenmetropolen: Mehr als 25 Millionen Amerikaner seien in den kommenden Tagen laut den US-Wetterdiensten von Temperaturen über 40 Grad betroffen.

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Der Auslöser für dieses Extremwetter ist ein sogenannter Hitzestau. Auch in den kommenden Tagen soll sich über dem Westen der USA wieder ein Hochdruckgebiet aufbauen, das sich zu einem »Heat Dome«, einer Wärmekuppel, auswächst. Dabei sorgen Höhenwinde, auch Jetstream genannt, derzeit für eine Stabilisierung dieser für den Menschen extremen Wetterlagen.

Das liegt laut Klimaforschern auch daran, dass der Jetstream besonders im Sommer immer mehr zur Verlangsamung neigt. Je stärker die Erwärmung der Erde durch den Eintrag von Treibhausgasen in die Atmosphäre ist, desto mehr stabile Wetterlagen gibt es, die teilweise wochenlang halten. »Wir sehen hier wirklich die Fingerabdrücke des Klimawandels«, kommentierte Michael Palecki von der US-Klimabehörde NOAA die Hitzewelle der vergangenen Woche.

Nicht nur Menschen leiden unter der Hitze. Laut kanadischen Medien seien rund eine Milliarde Meerestiere, darunter Muscheln und Seesterne, zu Tode »gekocht« worden. Küstentemperaturen von mehr als 50 Grad führten in British Columbia zu dem Massensterben im Meer, da die Tiere normalerweise Temperaturen über 35 Grad nur wenige Tage aushalten und ab 40 Grad rasant kollabieren.

Nordamerikas heißester Juni »ever«

In Nordamerika war der Juni dieses Jahres sogar der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1979, wie der europäische Klimawandeldienst Copernicus (C3S) am Mittwoch in London mitteilte. In Europa war es immerhin der zweitwärmste, dort war es besonders in Finnland und dem Westen Russlands besonders heiß. Weltweit wurden nur in den Jahren 2016, 2019 und 2020 höhere Durchschnittstemperaturen gemessen.

Der Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienstes (Cams)  warnt zudem, dass es in diesem Jahr in Ostrussland und Kanada vermehrt zu Waldbränden kommen könnte. Im Westen der USA bestehe durch extreme Trockenheit ebenfalls eine »sehr« bis »extrem« hohe Brandgefahr.

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Seit Ende Mai beobachten die Forscher des Copernicus-Programms bereits eine erhöhte Brandaktivität in Nordamerika. Die größten Waldbrände gab es bisher in Arizona, New Mexico und Utah. Auch in Kalifornien erwarten die Experten noch mehr Feuer.

»Eine große Anzahl von Waldbränden tritt normalerweise in Regionen mit trockeneren Bedingungen und höheren Temperaturen auf. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass dies auch bei diesen Bränden der Fall sein könnte«, erklärte Waldbrandexperte Mark Parrington vom Copernicus-Dienst.

Die Forscher beobachten nicht nur die Ausbreitung der Brände, sondern auch die Luftverschmutzung. Der ausgestoßene Rauch der Brände stelle ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko dar, warnen die Forscher. Das betreffe nicht nur Anwohner, sondern auch Menschen, die weiter entfernt wohnen. Mithilfe von satellitengestützten Sensoren können die Forscher die Emissionen von Waldbränden schätzen und die Intensität und Ausbreitung der Brände verfolgen. Rauchpartikel, Kohlenmonoxid und andere Schadstoffe könnten über Hunderte, teils Tausende Kilometer weit transportiert werden.

Hurrikansaison startet viel zu früh

Zu allem Überfluss startet die Hurrikansaison in diesem Jahr extrem früh. Auch hier diskutieren US-Medien bereits über den Einfluss des Klimawandels. Am Freitag war »Elsa« als erster Atlantikhurrikan der diesjährigen Saison verzeichnet worden. Am Samstag stuften ihn die Experten wieder zu einem Tropensturm herab.

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Was Experten wundert: Elsa ist für die Jahreszeit ungewöhnlich stark und tritt zwei Monate früher auf als man es von Stürmen dieser Intensität gewohnt ist. Auch der erste Sturm der Saison verhielt sich außergewöhnlich: »Ana« bildete sich bereits im Mai im Atlantik nordöstlich von Bermuda.

Damit lag er über einer Meeresregion, in der sich im Mai üblicherweise keine Stürme bilden. Zuletzt gab es an dieser Stelle im Nordatlantik so einen Sturm in den Fünfzigerjahren. Die Meteorologen erwarten deshalb eine »Busy season« – eine umtriebige Hurrikansaison.

Mit Material von dpa

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