Hochwasserschutz Krümmel schottet sein Atomkraftwerk ab

Im Kernkraftwerk Krümmel warten die Betreiber auf das Wasser. Erstmals in der Geschichte des Meilers werden sie im Ernstfall die Fluttore schließen. Noch hat die Flut den kritischen Pegel nicht erreicht.
Bedrohliche Elbe: Das Hochwasser könnte auch dem Atomkraftwerk Krümmel gefährlich werden

Bedrohliche Elbe: Das Hochwasser könnte auch dem Atomkraftwerk Krümmel gefährlich werden

Foto: Axel Heimken/ AP

Das Wasser der Elbe steigt und steigt. Montagmittag steht der Pegel im schleswig-holsteinischen Krümmel 7 Meter hoch. Am Dienstag sind es bereits 7,40 Meter. Alarmbereitschaft im Atomkraftwerk.

Die Mitarbeiter der Anlage sind auf das Hochwasser vorbereitet: Erstmals in der Geschichte des Kraftwerks werden sie im Ernstfall die Fluttore schließen und zusätzlich mobile Schutzwände aufbauen. Wie aber geht das genau vonstatten? Und reichen die geplanten Maßnahmen aus? Immerhin ist das Kraftwerk Krümmel trotz der Stilllegung auf eine verlässliche Stromversorgung angewiesen, um verbrauchte Brennelemente zu kühlen – Fragen, die unsere Leser im Spiegel Online-Forum beschäftigen.

Das Wasser wird ausgesperrt

Mobile Dammtafeln sollen das Kraftwerk vom Wasser abschotten. "Mich würde brennend interessieren, wie eine solche mobile Hochwasserschutzwand aussieht", sagt etwa User PressWulve. Die zusätzlichen Schutzwände sind ungefähr 1,30 Meter hoch und bestehen aus Aluminium. "Sie müssen aber nur zwischen den Betonmauern im Bereich der Kraftwerkseinfahrt errichtet werden", sagt ein Sprecher des Betreibers Vattenfall.

Diese Schutzwände sind neben den geschlossenen Fluttoren aber nicht die einzigen Maßnahmen, die in Krümmel den Hochwasserschutz gewährleisten sollen. So werden etwa vorsorglich auch alle Sielabläufe, also Wasserabläufe, verschlossen, die in die Elbe führen. Mobile Pumpen sind ohnehin standardmäßig auf dem Gelände vorhanden und könnten im Notfall eingesetzt werden.

Kritischer Pegel noch nicht erreicht

Um genügend Zeit für die Schutzmaßnahmen zu haben, müssen die Kraftwerksmitarbeiter die Fluttore bereits ab einem Pegelstand von 7,80 Meter schließen. Ab 8,20 Meter erreichen sie den aktuellen Schutzbestimmungen zufolge die mobilen Wände. "Was wäre bei einem schneller ansteigenden Pegel passiert?", fragt sich no-panic. Kann die Anlage also auch ohne längere Vorlaufzeit ausreichend geschützt werden?

Das ist laut Vattenfall kein Problem. Die Pegelstände würden kontinuierlich beobachtet, die vorbeugenden Maßnahmen könnten entsprechend angepasst werden. Sämtliche Hochwasserschutzmaßnahmen seien innerhalb einer Arbeitsschicht realisierbar. Dafür steht Vattenfall auch in engem Kontakt mit der schleswig-holsteinischen Atomaufsicht.

Aktuell sind alle vorbereitenden Maßnahmen erledigt. Das Wasser hat den kritischen Stand noch nicht erreicht. Eigentlich hatte das Schleswig-Holsteinische Umweltministerium für heute mit einem Pegel von etwa 8,35 Meter gerechnet.

Im Notfall werden die Elbmarschen geflutet

Weil das Kraftwerk in Krümmel auf einer Höhe von 8,50 Meter liegt, ist die Anlage bis zu diesem Elbpegel auch ohne Hochwasserschutz überflutungssicher. Der zusätzliche Schutz sichert das Atomkraftwerk bis zu einer Höhe von 9,70 Meter.

Und selbst wenn das Wasser diese Höhe übersteige, drohe dem Atomkraftwerk laut Vattenfall keine Überflutung. Denn dann würden die Deiche auf der anderen Seite der Elbe brechen und statt des Kraftwerks die Flächen südlich des Stroms fluten. Ein Dammbruch sei womöglich gewollt, vermutet woodlanddragon im Forum. "Tatsächlich würde die Argumentation des Betreibers bedeuten, dass man eine Überflutung der Elbmarschen in Kauf nimmt, um das Atomkraftwerk zu schützen", kommentiert Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation "Ausgestrahlt". Das hieße auch, eigentlich nötige Schutzmaßnahmen wie Sandsäcke auf diesen Deichen zu unterlassen. Akut stelle sich das Problem aber nicht.

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