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China: Blaues Leuchten verrät Wasserverschmutzung

Foto: Kin Cheung/ AP/dpa

Umweltverschmutzung Chinas Dreckwasser leuchtet blau

Im Hafen von Hongkong leuchtet das Wasser nachts blau. Das faszinierende Schauspiel deutet auf massive Umweltprobleme hin: Der Grund ist eine Algenblüte, verursacht durch die starke Wasserverschmutzung.

Wer nicht genau hinsieht, wird Noctiluca scintillans kaum je zu Gesicht bekommen. Der auch als Meeresleuchttierchen bekannte Dinoflagellat wird maximal zwei Millimeter groß. Treten die Winzlinge aber in größeren Mengen auf, sorgen sie für ein nächtliches Spektakel: In unruhigem Wasser leuchten sie blau und können so ganze Uferbereiche in gespenstisches Licht tauchen.

Das ist derzeit auch in der Nähe von Hongkong zu besichtigen - was Umweltschützer mit Sorge registrieren. Denn das Meeresleuchttierchen ernährt sich unter anderem von Algen, und die kommen in Chinas Gewässern reichlich vor. Durch die weitverbreitete Verschmutzung von Flüssen mit landwirtschaftlichem Dünger und Essensresten finden Algen große Nährstoffmengen vor. Die Folge sind riesige Algenblüten - die für Noctiluca scintillans wahre Festmahlzeiten sind.

Ökosystem aus dem Gleichgewicht

"Hongkong und das gesamte Perlfluss-Delta haben ein großes Abwasserproblem", sagte David Baker vom Swire Institute of Marine Science in Hongkong dem US-Nachrichtensender CNN. Zwar sei Noctiluca scintillans an sich keine Gefahr für Menschen oder die Umwelt. Doch das gehäufte Auftreten weise auf ein Ökosystem hin, das aus dem Gleichgewicht geraten sei.

Baker vergleicht die Meeresleuchttierchen mit Heuschrecken, die sich über Getreidefelder hermachen: "Haben sie erst einmal eine reiche Futterquelle gefunden, vermehren sie sich, bis die Quelle erschöpft ist." Das aber sei in Hongkong zunächst kaum zu erwarten, denn die meisten Nährstoffe kämen aus dem Abwasser der Stadt.

Der Schaden für die Umwelt entstehe nicht nur dadurch, dass der Sauerstoffgehalt im Wasser während der kurzen Lebenszeit der Algen zurückgehe - sondern auch, wenn die toten Algen auf den Grund sinken. Dort sorge ihr Zerfall ebenfalls für extreme Sauerstoffarmut. "Dadurch entstehen Todeszonen", so Baker, "in denen alles Lebendige gefährdet ist - von Fischen bis hin zu Krebstieren."

mbe
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