Aufstand im Hummelstaat Arbeiterinnen wandern zur Fortpflanzung aus

Die Hierarchie im Hummelstaat ist offenbar weniger strikt als bislang gedacht. Neben der Königin sind auch manche Arbeiterinnen fruchtbar. Einige wandern aus - und paaren sich in Nachbarnestern.
Erdhummel: Ein Leben für die Königin?

Erdhummel: Ein Leben für die Königin?

Foto: Arne Dedert/ dpa

Es herrscht Monarchie im Insektenstaat. Am deutlichsten wird das am Beispiel der Fortpflanzung. Nur die Königin ist dazu berechtigt. Arbeiterinnen dagegen opfern ihre gesamte Energie für den Staat. Doch es gibt Ausnahmen: Zumindest die Arbeiterinnen der Erdhummel wechseln öfter als bisher angenommen in fremde Nester und vermehren sich dort, berichten französische Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" .

Pierre Blacher von der Universität Paris und Kollegen hatten das Verhalten von 665 individuell markierten Erdhummeln (Bombus terrestris) untersucht. Diese konnten zwischen einer Reihe kleiner künstlicher Nester auf dem Dach eines Laborgebäudes wählen. Ergebnis: Etwa jeder dritte Arbeiterin besuchte ein fremdes Nest, viele auch verschiedene Nester. Zuweilen blieben die Arbeiterinnen ganz in den Nachbarkolonien, ohne von den Einheimischen behindert oder attackiert zu werden.

Die Älteste gewinnt

Dieses Erkunden und eventuelle Wechseln in andere Nester hänge mit der Fruchtbarkeit der Arbeiterinnen zusammen, schreibt Blacher. Die Hummeln seien nicht immer sexlose Arbeiterinnen. In einer frühen Phase der Koloniebildung sind sie durchaus fruchtbar, wandeln sich aber später mit zunehmender Größe der Kolonie zu reinen Helferinnen der allein fruchtbaren Königin.

Um dem Verhalten einzelner Insekten im hierarischen Staat genauer auf die Spur zu kommen, erzeugte Blacher mit einem Trick in jeder Kolonie Arbeiterinnen verschiedener Fruchtbarkeit. Isolierte er die Tiere einige Tage in Gruppen zu drei Hummeln, so bildete sich eine Hierarchie heraus, in der das älteste Tier fruchtbarer wurde als die anderen beiden.

Wer fruchtbar ist, wandert aus

Die fruchtbarsten der drei Tiere, so fand der Biologe, erwiesen sich auch als deutlich wechselfreudiger - sie besuchten um etwa 20 Prozent häufiger die fremden Versuchskolonien, und pflanzten sich dort auch häufiger fort. Die Forscher hatten 40 der eingewanderten Tiere bei der Eiablage beobachtet.

Dies zeige, dass die Fortpflanzungsstrategien der Hummeln viel flexibler seien als bisher geglaubt, folgert der Biologe. Arbeiterinnen könnten nicht nur fruchtbar sein, sondern es könne zu ihrer ganz eigenen Strategie gehören, ihr Glück in fremden Nestern zu suchen und dort ihre Gene einzubringen.

Die dunkle Erdhummel gehört zu den häufigsten Hummelarten in Deutschland. Ihre Nester gründen die Tiere typischerweise in Erdlöchern von anderen Tieren, etwa Mäusen oder legen sie unter Steine. Der Hummelstaat besteht aus mehreren Hundert Tieren.

jme/dpa
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