Klimawandel Forscher warnen vor Hummel-Massensterben

Hummeln sind wichtige Bestäuber, doch höhere Temperaturen und Wetterextreme machen den Insekten zu schaffen. Forscher befürchten, einige Arten könnten innerhalb weniger Jahrzehnte für immer verschwinden.
Dunkle Erdhummel auf einer Blüte: Die Insekten schwärmen schon bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen aus und sind auch deshalb wichtige Bestäuber

Dunkle Erdhummel auf einer Blüte: Die Insekten schwärmen schon bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen aus und sind auch deshalb wichtige Bestäuber

Foto: Jeremy Kerr

Wenn vom Bienensterben die Rede ist, denken viele allein an die Westliche Honigbiene. Dabei ist die am allerwenigsten betroffen (mehr dazu lesen Sie hier). Bei den Arten, die tatsächlich von der Erde verschwinden könnten, handelt es sich dagegen um oft unbekannte Wildbienen - und Hummeln.

Die Chance für eine Hummelart, in einer Region in Europa oder Nordamerika zu überleben, war zwischen 2000 und 2014 im Schnitt 30 Prozent geringer als noch in den Jahren 1901 bis 1974, berichten Forscher im Fachmagazin "Science" . Neben Krankheiten und einer Agrarlandschaft, die immer stärker durch Monokulturen geprägt ist, gefährden auch klimatische Veränderungen die Insekten.

Viele Hummelarten könnten innerhalb weniger Jahrzehnte verschwinden

"Hummeln sind die besten Bestäuber, die wir in wilden Landschaften haben, und die effektivsten Bestäuber für Pflanzen wie Tomaten, Kürbisse und Beeren", sagt Peter Soroye von der University of Ottawa, Erstautor der Studie. Wenn es weniger Hummeln gebe, sinke nicht nur die Artenvielfalt, sondern womöglich auch das Nahrungsangebot für den Menschen. Der Forscher warnt, dass viele Hummelarten innerhalb weniger Jahrzehnte für immer verschwinden könnten, wenn der Rückgang im aktuellen Tempo fortschreite.

Gemeinsam mit Kollegen hatte Soroye etwa 550.000 Datensätze über das Vorkommen von 66 Hummelarten ausgewertet. Die Informationen wurden von 1900 bis 2015 erfasst. Aus ihnen erstellte das Team eine Verbreitungskarte für den Zeitraum 1901 bis 1974, in der es die Lebensräume der Hummeln mit Daten über Temperaturen und Niederschläge verknüpfte.

Daraus ermittelten die Forscher, wie sich das Vorkommen der Hummeln über die Jahre abhängig von den klimatischen Bedingungen verändert hatte. Diese Basisdaten verglichen sie mit den Klima- und Hummeldaten des Zeitraums 2000 bis 2014. "Auf diese Weise konnten wir Veränderungen sowohl für einzelne Arten als auch für ganze Hummelgemeinschaften mit überraschend hoher Genauigkeit vorhersagen", sagt Soroye.

Rückgang in Europa um 17 Prozent

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Hummeln in einer Region in Europa ansiedeln, sei im Untersuchungszeitraum um 17 Prozent gesunken, berichten die Forscher. In Nordamerika liege der Wert sogar bei 46 Prozent. Dabei machten den Insekten neben höheren Durchschnittstemperaturen vor allem häufigere Extremwetterereignisse Probleme.

Hummel der Art Bombus impatiens: Sie ist im Osten Nordamerikas weit verbreitet

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Foto: Antoine Morin

Die Studie liefere weitere Belege dafür, dass die biologische Vielfalt in alarmierendem Tempo schwinde und die Verlustraten die kritischen Grenzen der Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen überschreite, schreiben Jon Bridle und Alexandra van Rensburg von der englischen University of Bristol in einem Kommentar zur Studie .

Zwar zeige die Arbeit von Soroye und Kollegen, dass Hummeln neue Regionen besiedeln könnten, wenn das Klima an einem Ort nicht mehr passe. Dies könne den Gebietsverlust aber bei Weitem nicht ausgleichen.

Amerikanischer Maisgürtel könnte Hummeln das Überleben schwer machen

"Da Hummeln schon bei niedrigen Temperaturen aktiv sind, gelten sie als extrem effiziente Bestäuber. Unter den Wildbienen sind Hummeln die Artengruppe mit der höchsten Bestäubungs-Effizienz", erklärt der Biogeograf Axel Hochkirch von der Universität Trier. Er ist Vorsitzender des Komitees zum Schutz wirbelloser Tiere des Weltnaturschutzverbands (IUCN) und war nicht an der Studie beteiligt.

"Unter den Wildbienen sind Hummeln die Artengruppe mit der höchsten Bestäubungs-Effizienz"

"Unter den Wildbienen sind Hummeln die Artengruppe mit der höchsten Bestäubungs-Effizienz"

Foto: Peter Soroye

Dass geeignete Lebensräume für Hummeln in den USA stärker schwinden als in Europa, könnte allerdings an Unterschieden in der Landnutzung statt beim Klimawandel liegen, vermutet Hochkirch. "Hierbei könnte die intensive Landwirtschaft in sehr großen Regionen der USA - zum Beispiel im 'Corn Belt', auch Maisgürtel genannt - eine Rolle spielen. In Europa sind häufiger noch kleine Ersatzhabitate in der Umgebung landwirtschaftlicher Flächen zu finden."

jme/dpa
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