Erinnerungsvermögen Die besondere Gedächtnisleistung der Hunde

Hundebesitzer sind oft schwer begeistert von den kognitiven Fähigkeiten ihres Vierbeiners. Wie gut aber ist deren Gedächtnis wirklich? Neue Forschung belegt unerwartete Stärken.

Border Collies gelten als besonders motiviert und temperamentvoll - eine wichtige Voraussetzung für gute Lernerfolge bei Hunden.
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Border Collies gelten als besonders motiviert und temperamentvoll - eine wichtige Voraussetzung für gute Lernerfolge bei Hunden.

Von Eva Schläfer


Ja, es gibt sie, die "super brains" unter den Hunden. Ende der Neunzigerjahre beeindruckte Border Collie Rico die Republik, als er bei seinem "Wetten, dass?"-Auftritt mehr als 70 Spielzeuge anhand ihres Namens unterschied und auf Aufforderung apportierte.

Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig wiesen später nach, dass der Rüde sogar mehr als 200 Plüschtiere auseinanderhalten konnte. Rico, der vor mehr als zehn Jahren starb, hatte ein enormes Erinnerungsvermögen: Auch vier Wochen nach dem Erlernen von Namen für neues Spielzeug konnte er sich noch korrekt an die Worte erinnern, selbst wenn er die Gegenstände in der Zwischenzeit nicht mehr gesehen hatte.

Der "Albert Einstein der Hundewelt"

Diese Gedächtnisleistung setzten die Forscher damals mit der eines dreijährigen Kindes gleich. "Rico war sicher so etwas wie der Albert Einstein der Hundewelt", sagt Juliane Bräuer, Leiterin der Hundestudien am Jenaer Max Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. Sie erforscht, wie Tiere - und speziell Hunde - Informationen aufnehmen, verarbeiten und abspeichern.

Ihre Beobachtung: Vor allem müssen Motivation und Temperament eines Hundes stark ausgeprägt sein, um gute Lernerfolge zu erzielen. Bei manchen Hunderassen wie dem Border Collie sei das eher, bei anderen wie dem Eurasier seltener der Fall.

Die grundsätzlichen kognitiven Leistungen unterschieden sich zwischen den Rassen jedoch weniger, als allgemein angenommen werde, berichtet Bräuer. Eine im Januar von Forschern der University of Arizona veröffentlichte Studie stellt allerdings die Vermutung an, dass kleine Hunderassen mit entsprechend kleinem Gehirn Aufgaben, für die sie ihr Kurzzeitgedächtnis einsetzen müssen, schlechter bewältigen als Rassen mit großen Hirnen.

Auch Hunde können rekonstruieren: Wann war ich wo?

In den vergangenen Jahren haben Biologen und Verhaltensforscher das sogenannte "Episodic-Like-Memory" des Hundes genauer untersucht. Es entspricht in etwa dem episodischen Gedächtnis des Menschen, das diesen befähigt, Ort und Datum mit einer Erinnerung zu verknüpfen.

An der Western University of Ontario in Kanada zeigte ein Forscherteam gerade, dass auch Hunde sich daran erinnerten, mit welchen Gerüchen sie an welchem Ort und zu welchem Zeitpunkt konfrontiert wurden.

Zugleich ist das episodische Gedächtnis dafür verantwortlich, dass wir uns an nebensächliche Dinge erinnern - eine Fähigkeit, die im Tierreich lange nur den Menschenaffen zugeschrieben wurde.

Wissenschaftler aus Budapest wiesen sie 2016 auch bei Hunden nach. Das Forscherteam trainierte den Vierbeinen zunächst an, menschliches Verhalten zu imitieren, zum Beispiel das Drehen um die eigene Achse. Anschließend wurde der Hund durch einen anderen Befehl abgelenkt, während sein menschliches Vorbild sich ein weiteres Mal drehte. Wenn er dann aufgefordert wurde, das Verhalten zu imitieren, ahmte er es nach kurzer Verzögerung trotzdem nach.

Die gemeinsame Entwicklungsgeschichte mit dem Menschen ist prägend

Ein weiterer erstaunlicher Nachweis für besondere Gedächtnisleistung gelang Juliane Bräuer und ihrer Kollegin Julia Belger im vergangenen Jahr. Wenn Hunde nicht über ausreichend Informationen verfügen, um eine sichere Entscheidung zu treffen, suchen sie - ähnlich wie Primaten - nach weiteren Informationen.

Sie können also ihr eigenes Wissen beurteilen und einschätzen, ob sie genug Kenntnisse haben oder nicht. Metagedächtnis nennt man das beim Menschen, beim Hund kann man zumindest von "metakognitiven" Fähigkeiten sprechen.

Juliane Bräuer, die mit Hunderten von Hunden gearbeitet hat und auch privat einen Border Collie hält, kann sehr klar benennen, auf welchen Gebieten der Hund reüssiert - und auf welchen nicht. Stärken und Schwächen erklären sich aus der gemeinsamen Entwicklungsgeschichte von Mensch und Hund.

Die Kooperation mit dem Menschen hätten die Verbeiner stärker als jedes andere Lebewesen verinnerlicht. "Hunde sind seit 40.000 Jahren domestiziert, das macht sie so spannend", sagt Bräuer. Auch sei der vielgerühmte "will to please", also der Antrieb, es dem Rudelführer möglichst recht zu machen, bei keinem anderen Tier so ausgeprägt.

Das Gedächtnis seines Hundes, so rät Expertin Bräuer, solle man ruhig trainieren. Zum Beispiel, indem man ein Leckerchen unter einer Baumwurzel versteckt und es den Hund suchen lässt. Wenn er dann bei einem späteren Spaziergang wieder freudig um den Baum herumläuft und schnüffelt, ist das ein gutes Zeichen. Wenn nicht, tja, dann darf man sich immer noch an seinem treuen Blick erfreuen. Einen wie Rico gibt es eben nur ganz, ganz selten.

VIDEO: Die besondere Nase des Datenträgerspürhunds Ivo

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insgesamt 45 Beiträge
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suplesse 17.05.2019
1. Das alte Bild eines Hundes
beschreibt den Hund als absolut Untergebenen des Menschen mit Zugriff auf sehr begrenzten Bewegungsfreiraum und null Chance den eigenen Hirnkasten benutzen zu müssen, ausser für ein wenig schnüffeln und abspeichern der Begriffe: " Sitz, Platz, hierher, bleib, evtl seinen Namen", das wars. Das wird gefördert durch das klassische Hundeschulenmodell, des vorigen Jahrhunderts, welches sehr verbreitet ist und auf unabdingbare Befehlsentgegennahme ausgerichtet ist. Der Hund muss gehorchen( ja das sollte er auch), aber mehr wird nicht verlangt. Die kognitiven Fähigkeiten werden nicht geschult. Nun ist das Training mit Hunden sehr zeitaufwendig, wenn man es ernsthaft betreibt. Leider fehlt mir dazu auch oft die Zeit, ich gebe es zu. Meiner gehört zum Stamm der Retriever und kann sehr gut Holen und Bringen diverser Gegenstände. Ich habe aus ihm heraus die Gabe gefestigt. Abgelegte Gegnstände zeitlich und räumlich weit von ihm getrennt,bis zu 500 Meter, auf Anhieb wieder zu finden. Auch wenn ein vorher angefasster Stock, irgendwo unterwegs ins Gebüsch geworfen wurde. Er findet den Ort, obwohl alles auf der Strecke gleich aussieht und das Gebüsch auch.Natürlich unter Einsatz seiner Nase, aber auch seines Gedächtnichs. Aber er kanns, wir Menschen können es nicht. Probieren Sie es mal. Werfen SIe einen Stock ins Gebüsch, an eine beleibige Stelle und holen sie ihn dann wieder, nachdem sie erst davon weit weg waren. Das nächste Ziel das wir versuchen, 1 Tag dazwischen zu legen und an den Ort zurück zu kehren, um diesen besagten Stock unter vielen anderen Stöcken zu finden. Vielleicht mit einer kleinen Kerbe gekennzeichnet.
quidquidagis1 17.05.2019
2. Die Intelligenz meines Streuners..
..hat mich auch überrascht.Als er zum ersten mal wg.Durchfall dringend nach draussen musste,hat er mit der Pfote an der Balkontür gekratzt,die ich im Blick habe,als ich im Wohnzimmer saß.Natürlich verlassen wir die Wohnung durch die Haustür.Dort hätte ich ihn und sein Kratzen aber nicht bemerkt.Er hat also um die Ecke gedacht.indem er für mich das "draussen"abstrakt mit der Balkontür verbunden hat.
quark2@mailinator.com 17.05.2019
3.
"Juliane Bräuer, die mit Hunderten von Hunden gearbeitet hat und auch privat einen Border Collie hält, kann sehr klar benennen, auf welchen Gebieten der Hund reüssiert - und auf welchen nicht." ... und dann kommt der Abspann. Irgendwie hätte man erwartet, dann diese Information auch zu bekommen, oder ?
svizzero 17.05.2019
4. Blindenführhunde
Für mich sind Blindenführhunde immer noch die aussergewöhnlichsten Hunde. Ein Mensch kann sich 100% auf das Tier verlassen. Egal ob im Verkehr, im ÖV, bei Baustellen, ja sogar bei Hindernissen auf Höhen, die der Hund problemlos unten durch passieren könnte. Und das alles Tag für Tag. Meistens während 9 bis 10 Jahren, bis sie ins Rentendasein wechseln. Fehlerfrei die Aufgaben über eine solch lange Zeit ausführen ist eine enorm starke Leistung. Knochen hoch, kann man da nur sagen.
widower+2 17.05.2019
5. Hunde sind erstaunlich
Sie können sogar planen und bewusst täuschen. Besonders wenn sie läufig war, ließ sich meine Hündin so einiges einfallen. Bei schönem Wetter lag sie am liebsten auf der Terrasse. Aber gerade in der Läufigkeit natürlich angebunden.Wenn sie wollte, konnte sie jederzeit wieder reinkommen, wo ich sie dann ableinte und die Terrassentür schloss. Eines Tages kam sie so wieder mit allen Anzeichen äußerster Müdigkeit (Gähnen, Recken und Strecken und gaaanz langsam) zur Terrassentür herein. In dem Moment, in dem sie abgeleint war, sprintete sie zur Hauseingangstür, öffnete diese mit ihrer Pfote auf der Klinke (das hatte sie schon mit sechs Monaten durch Zugucken gelernt) und war blitzschnell verschwunden. Stunden später kam sie dann mit allen Anzeichen äußersten Schuldbewusstseins zurück.
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