Verhaltensforschung bei Tieren Hunde können um andere Hunde trauern

Hinterbliebene trauern – das ist womöglich bei Hunden nicht anders als bei Menschen. Eine neue Studie zeigt, was passiert, wenn ein Hund in einem Mehr-Hunde-Haushalt stirbt.
Weniger Spielen, weniger Fressen: Bei Hunden kann dieses Verhalten auf etwas wie Trauer hindeuten

Weniger Spielen, weniger Fressen: Bei Hunden kann dieses Verhalten auf etwas wie Trauer hindeuten

Foto: Maryna Terletska / Getty Images

Wenn ein Hund einen Hundefreund aus seinem Umfeld verliert, verändert sich oft sein Verhalten: Er frisst weniger und schläft dafür mehr, er spielt weniger und bellt mehr, er ist weniger aktiv, aber ängstlicher – man könnte auch sagen: Der Hund trauert.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die im Magazin »Nature«  erschienen ist.

Durchgeführt wurde die Untersuchung mithilfe eines Onlinefragebogens zu trauernden Hunden. Dieser Bogen sei von 426 italienischen Hundeherrchen und -frauchen ausgefüllt worden, die mindestens zwei Hunde besaßen, von denen einer gestorben war. Ziel sei es gewesen, herauszufinden, wie der Verlust eines Begleithundes das Verhalten eines Tieres beeinflusst.

87 Prozent der Hunde waren betroffen

Die Angaben der Hundehalter deuteten darauf hin, dass ein Hund beim Tod eines nahen Artgenossen häufig trauerbezogene Verhaltens- und Gefühlsmuster zeigen kann. Konkret hätten zwei Drittel der Besitzerinnen und Besitzer berichtet, dass die hinterbliebenen Hunde bedürftiger nach Aufmerksamkeit waren, mehr als die Hälfte gab an, dass die Hunde weniger aktiv seien. Jeweils etwa ein Drittel der Hunde würde mehr schlafen, häufiger Lautäußerungen wie Bellen, Knurren oder Winseln von sich geben, weniger fressen und ebenfalls ungefähr ein Drittel sei ängstlicher als vor dem Tod des Artgenossen. Bei etwa einem Viertel der Tiere habe die Verhaltensänderung länger als ein halbes Jahr angehalten. Rund 13 Prozent der Hundebesitzer hatten keine Verhaltensänderungen beobachtet.

Dafür, welche Formen der Verhaltensänderungen die Hunde zeigten, habe auch die Art der Beziehungen zwischen den Hunden Einfluss, etwa, ob sie eher elterlich oder eher freundschaftlich geprägt gewesen sei. Wie viel Zeit die Tiere miteinander verbracht haben, habe hingegen keinen bedeutsamen Effekt gehabt. Es sei außerdem unerheblich, ob die Hunde den Leichnam ihres Kumpanen gesehen hatten oder nicht.

Ausschließen, dass die italienischen Hundebesitzerinnen und -besitzer ihre eigene Trauer  um der Verlust des Haustiers auf die anderen Hunde projizierten, könne man nicht. Doch die Ergebnisse zeigten keine Abhängigkeit vom Grad der Bindung zwischen den Besitzern und ihren Hunden oder davon, ob sie ihre Haustiere vermenschlichten.

»Hunde können sehr verzweifelt sein, wenn einer von ihnen stirbt«

Trotzdem könnten auch menschliche Emotionen eine Rolle spielen: Die Fälle, in denen die Halterinnen und Halter angegeben hätten, größeres Leid, Wut und psychologische Traumata als Reaktion auf den Tod empfunden zu haben, ließen sich mit einem erhöhten Maß an Angst und einer geringeren Futteraufnahme bei den überlebenden Hunden in Verbindung bringen. »Dies bedeutet, dass es eine Form der emotionalen Ansteckung oder der sozialen Übertragung von Angst gegeben haben könnte, die bei sozialen Arten als Teil einer adaptiven Bewältigungsstrategie für potenziell gefährliche Umstände üblich ist«, sagte Federica Pirrone von der Universität Mailand, eine der Autorinnen der Studie.

Es sei nicht klar, betonten die Forscherinnen und Forscher, ob die Ergebnisse tatsächlich als Trauer bezeichnet werden können. Sie deuteten möglicherweise aber auf ein übersehenes Problem des Wohlergehens hin. »Hunde sind hochemotionale Tiere, die sehr enge Bindungen zu den Mitgliedern ihrer vertrauten Gruppe aufbauen. Das bedeutet, dass sie sehr verzweifelt sein können, wenn einer von ihnen stirbt, und es sollten Anstrengungen unternommen werden, um ihnen zu helfen, mit dieser Verzweiflung fertig zu werden«, sagte Pirrone.

Es ist bekannt, dass der Mensch nicht das einzige Wesen ist, das zu einem Ausdruck von einer Art Trauer fähig ist: Menschenaffen, Delfine, Elefanten und Vögel gehören zu den Arten, bei denen beobachtet wurde, dass sie an Ritualen rund um den Tod teilnehmen und zu trauern scheinen.

Die Frage, ob die Hunde in der Studie nur auf den Verlust eines Tieres oder wirklich auf dessen Tod an sich  reagierten, lasse sich durch die Untersuchung nicht beantworten.

vki
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