Pubertiere Auch Hunde kommen in die Flegeljahre

Was Herrchen und Frauchen schon lange ahnten, legen nun auch Studien nahe: Hunde im Jugendalter sind aufsässiger.
Wann die Pubertät beginnt, hängt von der Tierart ab

Wann die Pubertät beginnt, hängt von der Tierart ab

Foto:

Christina Reichl/ Getty Images

Ähnlich wie Menschen benehmen sich offenbar auch Hunde anders, wenn sie in die Pubertät kommen. Das berichten Wissenschaftler in den "Biology Letters"  der britischen Royal Society. Die Forscher hatten das Verhalten von mehr als 160 Hunden untersucht. Es zeigte sich, dass die Tiere zunehmend Kommandos ihrer Herrchen ignorierten, wenn sie ins Jugendalter kamen. Auf andere Menschen hörten sie dagegen meist weiterhin.

Das Verhalten erinnert an Menschen, argumentieren die Forscher. Auch viele Teenager geraten vor allem mit ihren Eltern aneinander. Von anderen Tieren ist ebenfalls bekannt, dass sie pubertäres Verhalten zeigen .

Bevor junge Königspinguine ihre Familien zeitgleich und scharenweise verlassen, macht sich eine Unruhe unter ihnen breit. Sie bilden Gruppen und bleiben immer länger vom Rest der Kolonie weg, bis sie gar nicht mehr zurückkommen. Wann die Pubertät einsetzt, ist sehr verschieden. Bei Taufliegen dauert das Erwachsenwerden nur ein paar Tage. Beim Grönlandhai dagegen 50 Jahre, einige der Tiere sind mindestens 400 Jahre alt. 

In der Übergangphase zwischen Jugend- und Erwachsenenalter finden bei Säugetieren dramatische hormonelle Veränderungen statt, auch das Gehirn organisiert sich neu, berichtet das Forschungsteam um Lucy Asher von der Newcastle University in Großbritannien.

Pubertät bei Hunden beginnt meist mit acht Monaten

Bei Hunden setzt diese Entwicklungsphase mit etwa acht Monaten ein. Die aktuelle Studie ist laut den Forschern der erste empirische Beleg, dass auch Hunde in dieser Zeit eine sensible Phase durchmachten. Sie fanden sogar Hinweise, dass Tiere mit enger Bindung möglicherweise schneller in die Pubertät kommen.

Für die Analyse hatten die Forscher zunächst Halter von 70 Hündinnen befragt, die zum Begleithund ausgebildet wurden. Einige Halter berichteten, dass die Tiere besonders nervös wurden und zitterten, wenn sie sich von ihren Haltern trennen sollten. Die Forscher werteten das als Anzeichen für eine nicht sichere Bindung.

Die betroffenen Hündinnen wurden früher geschlechtsreif als Hündinnen mit einer offenbar stabilen Beziehung zu ihren Haltern. Mit Erreichen der Pubertät wurden die Hunde dann häufiger aufsässig und hörten nicht mehr so gut auf Kommandos wie "Sitz!" - allerdings nur, wenn sie von ihren Haltern gegeben wurden. Auf fremde Personen reagierten sie nach wie vor gut.

In einem zweiten Studienteil untersuchten die Forscher bei insgesamt 93 Hunden, wie gut diese vor und während der sensiblen Pubertätsphase auf Kommandos hören. Ergebnis: Bei den meisten Hunden ging die Phase des Ungehorsams wieder vorbei - dennoch könne sie weitreichende Konsequenzen haben, warnen die Forscher.

Vorherige Studien haben gezeigt, dass viele Hunde genau in dem betreffenden Alter in Tierheimen landen. Oder Halter versuchten, ihre Tiere mit Gewalt gefügig zu machen. Die Forscher hoffen, dass solche Situationen vermieden werden können, wenn Hundehaltern klar wird, dass das Problemverhalten nur vorübergehend ist.

koe/dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.