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Eisbärenrekord: 232 Stunden Dauerschwimmen

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Hungriges Raubtier Eisbär schwimmt fast 700 Kilometer am Stück

Im Sommer müssen Eisbären oft fasten - weil ihre Nahrung mit dem arktischen Eis nach Norden wandert. Manchmal schwimmen die hungrigen Tiere der Beute auch hinterher - und überwinden dabei unglaubliche Distanzen, wie ein aktueller Fall beweist.

Wenn Eisbären Hunger haben, legen sie weite Wege zurück. Und wenn sie nicht zu ihrer Beute - zum Beispiel am Eisrand lebende Robben und junge Walrosse - laufen können, schwimmen sie manchmal auch dorthin. Jetzt hat ein Tier in der Beaufortsee nördlich von Alaska ein besonders beeindruckendes Durchhaltevermögen bewiesen. Forscher des Geologischen Dienstes der USA (USGS) berichten im Fachblatt "Polar Biology" , dass der Bär 232 Stunden ohne Pause geschwommen ist - bei Wassertemperaturen von zwei bis sechs Grad.

In diesen fast zehn Tagen legte das Weibchen im Spätsommer 2008 kaum vorstellbare 687 Kilometer zurück. Anschließend lief es noch einmal 1800 Kilometer über das Eis. Die Forscher um George Durner vom USGS hatten das Tier zuvor betäubt und ihm ein GPS-Halsband verpasst. So konnten sie innerhalb von zwei Monaten seine Bewegungen verfolgen. Ein Sensor, den sie der Bärin unter die Haut implantiert hatten, zeichnete außerdem Daten zur Wassertemperatur auf.

Bei einem erneuten Zusammentreffen betäubten die Wissenschaftler das Tier wieder - und befreiten es vom Beobachtungsgerät. Die Forscher konnten bei der Gelegenheit außerdem feststellen, dass das weiße Raubtier innerhalb von zwei Monaten rund 22 Prozent seines Körperfetts eingebüßt hatte. Ein Jungtier hatte die Anstrengungen der weiten Reisen nicht überlebt.

Ist der Klimawandel das Ende der Eisbären?

Durner und seine Kollegen fragen sich nun, ob der Klimawandel die Bärin zu der langen Schwimmstrecke gezwungen hat. Zumindest global gesehen liegt die Eisbedeckung in der Arktis seit längerer Zeit weit unter den langfristigen Mittelwerten. Im Jahr 2008 war der Stand der Eisbedeckung auf den zweitniedrigsten Stand seit Start der Messungen gefallen.

Wissenschaftler des USGS, die auch an der aktuellen Studie beteiligt waren, hatten im Dezember Beispielrechnungen vorgelegt, wonach die Eisbären durchaus noch zu retten wären. Bliebe der Anstieg der durchschnittlichen globalen Oberflächentemperatur unter 1,25 Grad Celsius, würde die Zahl der derzeit etwa 22.000 wildlebenden Eisbären nach Ansicht der Forscher zwar trotzdem sinken. Sie könne sich aber auf ein nachhaltiges Niveau einpendeln. Dafür wäre allerdings weltweit ein drastischer Rückgang der Kohlendioxid-Emissionen nötig. Schon heute gilt es kaum noch als möglich, die Erwärmung auf zwei Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten zu begrenzen - geschweige denn auf 1,25 Grad.

Für die Eisbären könnte es deshalb in Zukunft eng werden. "Wenn das Eis verschwindet - das zeigen alle bisherigen Forschungsarbeiten - können die Tiere nicht einfach auf landlebende Beutetiere umsteigen", sagte Steven Amstrup, einer der an der aktuellen Studie beteiligten Forscher. Die neuen Daten scheinen das eindrücklich zu belegen.

chs
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