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06. September 2019, 18:24 Uhr

Nasa-Satellitenaufnahmen

So sieht Hurrikan "Dorian" von innen aus

Ein Mini-Satellit der Nasa hat einen beeindruckenden Blick in das Innere von Hurrikan "Dorian" geworfen. Die Aufnahmen offenbaren die zerstörerische Kraft des Wirbelsturms.

Der tropische Wirbelsturm "Dorian" hat die Bahamas zwar verlassen, das ganze Ausmaß der Zerstörung ist aber längst noch nicht erfasst. Mindestens 30 Menschen kamen ums Leben, örtliche Behörden rechnen allerdings mit deutlich mehr Toten. Nun hat "Dorian" die Küste der USA erreicht - mit Windgeschwindigkeiten von 150 Kilometern pro Stunde.

Eine Satellitenaufnahme der Nasa zeigt das Innere des verheerenden Wirbelsturms. Die Aufnahmen stammen von Mitte dieser Woche. Die vier einzelnen Schichten verdeutlichen, wo die stärksten Luftwirbel innerhalb des Hurrikans nach oben drängen. Die pinken, roten und gelben Bereiche repräsentieren die Gebiete mit dem heftigsten Regenfall.

Der Wettersatellit, der die Aufnahmen gemacht hat, ist etwa so groß wie eine Müslischachtel. Er verfügt über die Miniversion eines Mikrowellenradiometers, das Regen und Feuchtigkeit in Wolken messen kann. Die Nasa plant eine ganze Reihe solcher Minisatelliten, um Stürme auf der ganzen Welt aufspüren zu können.

Die Herstellung sogenannter CubeSats ist deutlich günstiger als die größerer Satelliten. "Sie könnten die Beobachtung und Vorhersage von Stürmen weltweit deutlich verbessern", teilte die Nasa mit.

Energieleistung: Bis 200 Billionen Watt

Damit Hurrikane entstehen können, braucht es verschiedene Faktoren: Ein windstilles Tiefdruckgebiet über dem Meer und warme Wassertemperaturen über 26 Grad. Dann steigt verdunstetes Wasser auf, kondensiert und bildet sich zu großen Wolken aus.

Vereinfacht gesagt, nimmt der Sturm durch das Wasser riesige Energiemengen auf: Durch das Aufsteigen und Kondensieren entsteht ein Unterdruck, der ihn vorwärts treibt. In der Folge strömt immer mehr Luft nach oben und wird schließlich herumgewirbelt. Ein ausgeprägter Hurrikan kann eine Energieleistung von 50 bis 200 Billionen Watt freisetzen. Der Großteil davon tritt als Wärme auf.

Aufgrund der Klimakrise werden Wirbelstürme nicht unbedingt zunehmen, aber sie könnten höhere Intensitäten erreichen, glauben Klimaforscher. Experten diskutieren bereits, ob eine neue, höhere Kategorie für Hurrikane eingeführt werden soll. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Mittlerweile hat das Nationale Hurrikan-Zentrum (NHC) "Dorian" in die niedrigste Hurrikan-Kategorie 1 heruntergestuft. Bedrohlich bleibt der Sturm trotzdem. Die Behörden in North Carolina meldeten am Freitagmorgen noch vor dem Auftreffen des Sturms mehr als 70 gesperrte Straßen. Am Donnerstagabend war es bereits nahe der Küste von South Carolina zu Überschwemmungen gekommen. Zahlreiche Häuser wurden abgedeckt, Bäume und Strommasten stürzten um, wie örtliche Medien berichteten.

Für die laufende Hurrikansaison, die noch bis Ende November dauert, hat der National Weather Service mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent fünf bis neun Wirbelstürme vorhergesagt, bis zu vier könnten eine hohe Intensität erreichen.

koe/dpa

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