Hurrikan "Felix" Binnen Stunden zum Monstersturm

Der Hurrikan "Felix" hat es eilig: Innerhalb eines Tages entwickelte sich der Tropensturm zum gefährlichen Hurrikan der höchsten Kategorie. Die rasante Entfaltung ist durchaus typisch - sie macht Wirbelstürme so unberechenbar.

Wenn alles passt, dann kann es sehr schnell gehen. Diese Beobachtung mussten in den vergangenen zwei Tagen amerikanische Hurrikanforscher machen. Kurz nach Mitternacht in der Nacht zum Sonntag hatten das National Hurricane Center in Miami (Florida) den tropischen Sturm "Felix" zum Hurrikan der Kategorie 1 hinaufgestuft. Dies geschieht, wenn die Windgeschwindigkeiten 118,6 km/h übersteigen.

Wenige Stunden später war es bereits die Kategorie 2, am frühen Abend die Kategorie 3. Doch die Intensität nahm weiter zu, über Kategorie 4 bis zur höchsten Stufe 5, die "Felix" heute früh gegen 1.00 Uhr erreichte. Die Hurrikanforscher aus Miami erklärten, der Sturm habe sich mit einer der höchsten je beobachteten Raten verstärkt, als er sich über die warmen Gewässer der Karibik bewegt habe.

Die rasante Entwicklung ist erschreckend und lässt Schlimmes für den Fall befürchten, dass "Felix" aufs Festland trifft. Bei einem Sturm der Kategorie 5 beträgt die Windgeschwindigkeit mehr als 250 km/h - schwere Verwüstungen und viele Todesopfer sind möglich.

Hurrikanexperten überrascht die schnelle Wandlung des vergleichsweise harmlosen Tropischen Sturms zu einem Wirbelsturm der höchsten Kategorie aber nur wenig. Sie ist sozusagen Teil der Hurrikanphysik, sagte Mojib Latif vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Solange der Sturm über dem Wasser ist, kann er sich ziemlich schnell entwickeln."

Die Saffir-Simpson-Skala für Hurrikane

Stufe Windgeschwindigkeit (km/h)
Tropisches Tief 63
Tropischer Sturm 63 - 118,5
Kategorie 1 118,5 - 153,7
Kategorie 2 153,7 - 177,8
Kategorie 3 177,8 - 209,3
Kategorie 4 209,3 - 250
Kategorie 5 über 250
(Quelle: US National Climate Data Center)

Tückisch ist vor allem die sich selbst verstärkende Rückkopplung, auch positive Rückkopplung genannt. "Dadurch können Prozesse sehr schnell verlaufen", sagte Latif. Hurrikane beziehen ihre gewaltige Energie aus der Kondensation aufsteigenden Wasserdampfes. Dieser entsteht bei der Verdunstung des Wassers über der aufgewärmten Meeresoberfläche.

Je wärmer das Wasser, umso mehr verdunstet, steigt auf und bildet Wolken. Bei der Kondensation wird genau jene Energiemenge als Wärme frei, die zuvor vom Wasser beim Verdunsten aufgenommen wurde. Diese Kondensationswärme lässt die ohnehin schon aufsteigende Luft noch schneller aufsteigen - das entstandene Tief verstärkt sich. So strömt noch mehr Luft von den Außenseiten nach innen, die aber durch die Corioliskraft abgelenkt wird, so dass der typische Wirbel entsteht.

Solch rasante Entwicklungen wie beim Hurrikan "Felix" beobachten Meteorologen auch in und um Europa. "Es kommt vor, dass relativ kleine Tiefs sich sehr schnell über dem Atlantik entwickeln", sagte Hurrikanforscher Latif. Innerhalb von Stunden könnten daraus gefährliche Stürme entstehen, die große Schäden anrichten. Weil die Entwicklung so schnell verlaufe, seien solche herannahenden Stürme in der Vergangenheit von Meteorologen schon mal übersehen worden.

Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun

Der Kieler Wissenschaftler staunt über den bisherigen Verlauf der Hurrikansaison: "Ich bin schon überrascht, dass es so wenig Stürme gibt. Ich hatte mit mehr gerechnet." Seine Kollegen vom National Hurricane Center der NOAA sehen die Situation ganz ähnlich: Nach wie vor warnen die Forscher vor einer Saison mit überdurchschnittlich vielen schweren Stürmen. Eine solche Sturmhäufung hatten Wissenschaftler bereits im Frühjahr prognostiziert.