Hyalomma Tropische Zecke hat erstmals in Deutschland überwintert

Wohl zum ersten Mal haben tropische Hyalomma-Zecken es geschafft, in Deutschland zu überwintern. Forscher melden Funde aus zwei Bundesländern. Die Tiere können verschiedene Krankheiten übertragen.

Hyalomma-Zecke (Archivbild)
picture alliance/ dpa

Hyalomma-Zecke (Archivbild)


Im vergangenen Jahr haben Forscher erstmals tropische Hyalomma-Zecken in Deutschland nachgewiesen. Damals wurden die Blutsauger wohl durch Zugvögel eingeschleppt. Nun legen neue Zeckenfunde in zwei Bundesländern nahe, dass die Tiere hierzulande auch überwintern können.

Forscher der Universität Hohenheim in Stuttgart und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München meldeten am Dienstag sechs neue Funde der tropischen Zecken. Fünf der Tiere wurden demnach auf einem Pferdehof in Nordrhein-Westfalen entdeckt, ein weiteres fand sich an einem Pferd in Niedersachsen.

Es seien die ersten Nachweise der Hyalomma-Zecken in diesem Jahr, berichtet Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim. Die Forscherin schließt aus dem Alter der Tiere darauf, dass sie in Deutschland überwintert haben müssen. Auf Zugvögel setzten sie sich üblicherweise nur in einem jungen Stadium als Larven und Nymphen. Die nun entdeckten Zecken seien zu weit entwickelt, als dass das für dieses Jahr realistisch erscheine.

"Beide Funde sind in den letzten Tagen erfolgt, also praktisch zeitgleich", erklärt Lidia Chitimia-Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr. Die Forscher gehen davon aus, dass die warmen Temperaturen dafür verantwortlich waren, dass die Zecken an unterschiedlichen Orten gleichzeitig ihr Winterversteck verlassen haben, um sich einen Wirt zu suchen.

Auch der Mensch dient als Wirt

Die Wissenschaftler hatten die Bevölkerung nach der Entdeckung im vergangenen Jahr gebeten, mögliche Funde von Hyalomma-Zecken einzusenden. Die Tiere sind eine auffällige Erscheinung, viel größer als der bei uns üblicherweise verbreitete Gemeine Holzbock. Während sich dieser vor allem auf Nagetieren, Ziegen, Schafen und Kühen festsetzt, saugen die tropischen Zecken bevorzugt an großen Tieren wie Pferden Blut.

Außerdem können sich die Exoten aktiv auf ihren Wirt zubewegen und dabei eine Strecke von bis zu hundert Metern zurücklegen. Der Gemeine Holzbock lauert dagegen im Gras und wartet, bis ein geeignetes Tier zum Blutsaugen vorbeikommt. Eines haben der Holzbock und die Zecken aus den Tropen jedoch gemeinsam: Auch der Mensch ist ein potenzieller Wirt.

Vertreter der Hyalomma-Zecken können so etwa das Alkhurma-Virus übertragen, das schwere Fiebererkrankungen auslösen kann. Auch das Bakterium Rickettsia aeschlimannii kann von den Zecken auf den Menschen übergehen. Es löst eine Form des Zecken-Fleckfiebers aus. Eine Ansteckung ist allerdings nur möglich, wenn die Tiere zuvor an einem mit dem Virus oder Bakterium infizierten Organismus Blut gesaugt haben. In Deutschland ist das sehr unwahrscheinlich.

Die Forscher stellen zudem klar, dass die aktuellen Funde nicht notwendigerweise belegen, dass Hyalomma in Deutschland bereits heimisch geworden ist. "Damit sich eine Population entwickeln kann, müssten sich Männchen und Weibchen finden", so Mackenstedt. Das sei bei geringer Populationsgröße schwierig.

Zudem müssten sich Larven und Nymphen entwickeln, die Vögel oder auch Hasen als Wirt benötigten. "Ob und wie das hier funktioniert, wissen wir noch nicht. Das müssen wir weiter beobachten", erklärte die Forscherin. Der Fund von fünf Hyalomma-Zecken in einem einzelnen Pferdehof zeige allerdings, dass die Möglichkeit bestehe, dass sich die Tiere paaren und eine eigenständige Population bilden.

Im vergangenen Jahr hatten die Forscher zwei Hyalomma-Arten nachgewiesen, H. marginatum und H. rufipes. Bei den diesjährigen Zecken steht die genaue Artbestimmung teilweise noch aus. Das Team vermutet aber, dass es sich bei allen um H. marginatum handelt. Diese Art stamme vorwiegend aus der Türkei und Osteuropa, weshalb sie unserem Klima eher angepasst sei als H. rufipes aus Afrika.

chs



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noalk 11.06.2019
1. Veerharmlosung
Wie immer: Gefahr erkannt, aber gleich wieder relativiert: Ist ja vielleicht doch nicht so schlimm. Man muss ja nicht gleich Panik machen, aber eine Verharmlosung ruft die unverbesserlichen Skeptiker auf den Plan. Hyalomma ist da und wird sich hier vermehren. Das ist das Grundprinzip der Natur.
Rick73 11.06.2019
2. Tja Hühnervögel
fehlen in freier Wildbahn. Die Bestände von Rebhuhn und Wachtel sind eingebrochen. Auerhahn und Birkhuhn vom aussterben bedroht. Schlupfwespenarten bedroht— alles natürliche Feinde der Zecke- man braucht sich also nicht über die jährlich steigende Zeckenpopulation zu wundern.
Sleeper_in_Metropolis 11.06.2019
3.
Zitat von Rick73fehlen in freier Wildbahn. Die Bestände von Rebhuhn und Wachtel sind eingebrochen. Auerhahn und Birkhuhn vom aussterben bedroht. Schlupfwespenarten bedroht— alles natürliche Feinde der Zecke- man braucht sich also nicht über die jährlich steigende Zeckenpopulation zu wundern.
Woran die fast ausnahmslos milden Winter der letzten Jahre sicherlich auch ihren Anteil haben.
Peletua 11.06.2019
4. Sofort alles impfen!?
Zu #1: Was schlagen Sie vor? Laut schreiend herumzurennen, auch wenn die Krankheiten, die diese Zeckenart überträgt, bei uns gar nicht vorkommen? Oder gleich gewaltige Impfaktionen zu starten? Wir hatten davon ja bereits einige, die dank einer besonders industriefreundlichen Gesundheitsministerin hauptsächlich der Pharmaindustrie genutzt haben. Sowas, ja? Beitrag #2 trifft es sehr viel besser: Wenn mehr gegen das Artensterben getan würde (auch und gerade von unserer glorreichen Lobbyministerin J. Klöckner) und nicht jeder Seppel mit genügend Geld zum Angeben eine Jagderlaubnis erhielte, wäre viel gewonnen...
ekel-alfred 11.06.2019
5. Kein automatisches Grundprinzip
Zitat von noalkWie immer: Gefahr erkannt, aber gleich wieder relativiert: Ist ja vielleicht doch nicht so schlimm. Man muss ja nicht gleich Panik machen, aber eine Verharmlosung ruft die unverbesserlichen Skeptiker auf den Plan. Hyalomma ist da und wird sich hier vermehren. Das ist das Grundprinzip der Natur.
Damit sich eine Population entwickeln kann, müssen sich Männchen und Weibchen finden. Das ist bei geringer Populationsgröße schwierig. Zudem müssen sich Larven und Nymphen entwickeln, die Vögel oder auch Hasen als Wirt benötigen. Ob das in Deutschland funktioniert, ist noch gar nicht bewiesen.
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