Wildtiere So helfen Sie Igeln in den Winterschlaf

In diesen Tagen beginnt für viele Wildtiere der Winterschlaf, auch für Igel. Wem jetzt noch einer draußen begegnet, sollte diese Tipps beachten.

Ein Igel in Lengenfeld in Oberbayern (Archivaufnahme)
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Ein Igel in Lengenfeld in Oberbayern (Archivaufnahme)

Von Lena Puttfarcken


Igel Nummer 604 freut sich. Ausnahmsweise gibt es Mehlwürmer. Die mag er am liebsten. Er schmatzt laut vor sich hin, verputzt einen nach dem anderen. Meistens bekommen er und seine 110 Artgenossen im Münchner Tierheim nämlich nur Katzenfutter vorgesetzt - Mehlwürmer für alle und jeden Tag wäre viel zu teuer.

In der Riemer Straße 270 überwintern jedes Jahr bis zu 180 Igel. Auch Nummer 604 hat einen Platz bekommen - er hat Medikamente genommen und nun ist es zu kalt, um ihn noch auszuwildern. Überwintert wird in Pappboxen, denn die sind besser isoliert als die Plastikhäuschen, in denen die Igel im Tierheim normalerweise leben.

Im Gegensatz zu Nummer 604 haben in diesen Tagen die letzten Artgenossen in freier Wildbahn ihr Winterquartier bezogen. In den vergangenen Wochen haben sie viel gefressen, um auf ein Körpergewicht von mindestens fünfhundert Gramm zu kommen und die nächsten Monate ohne Futter zu überstehen.

Der Winterschlaf ist nicht nur für Igel eine Überlebensstrategie, um über die kalten und futterarmen Monate zu kommen. Hierzulande tun das beispielsweise auch Fledermäuse, Siebenschläfer und Murmeltiere. Während des Winterschlafs senkt sich die Körpertemperatur stark ab. Außerdem verringern sich Herzschlag und Atemfrequenz, und der Stoffwechsel ist stark verlangsamt.

Die größte Herausforderung kommt auf die Auffangstationen aber im Frühling zu, wenn die Igel in Obhut wieder aufwachen. Dann nämlich müssen sie einzeln ausgewildert werden, ein Prozess, der oft mehrere Wochen dauert. Dabei sind die Tierheime auf die Hilfe von Freiwilligen angewiesen, die die Igel in ihrem Garten aufnehmen, wo sie sich langsam wieder an die Freiheit gewöhnen können.

Trotz des Aufwands hat das Tierheim in München keine Schwierigkeiten, Helfer zu finden. "Igel haben eine sehr große Lobby", sagt Lydia Schübel, die Wildtierexpertin des Münchner Tierheims. "Deshalb überlegen wir immer lange, ob wir einen Aufruf über Facebook oder die Zeitung starten. Dann klingelt das Telefon oft drei Tage ununterbrochen."

Was tun, wenn man einen Igel findet?

Igel ziehen sich für den Winterschlaf in der Natur in einen Unterschlupf zurück, zum Beispiel in eine Hecke, einen Laubhaufen oder auch in ein Gartenhäuschen. Wer im Herbst und Winter draußen im Garten arbeitet, sollte deshalb besonders vorsichtig sein.

Normalerweise schlafen die Tiere den Winter durch und wachen nur selten auf. Erst im Frühling werden sie wach, wenn es wieder wärmer als zehn Grad wird. Wer also derzeit einem Igel begegnet, sollte ihm helfen. Das heißt: Mit einem Handtuch umwickeln und ihn wärmen, zum Beispiel mit einer Wärmflasche. Igel fressen normales Katzenfutter mit viel Fleisch. Essensreste von Menschen sollten sie nicht bekommen, da sie die Gewürze nicht vertragen, genauso wenig wie Milch.

Am besten ist ein Igel aber in einer Auffangstation aufgehoben. Wer einen findet, sollte so schnell wie möglich den Tierschutz oder das nächste Tierheim anrufen. Dort kann der Igel aufgenommen werden und auch überwintern.

Auch Nummer 604 wird im nächsten Frühling ausgewildert und vermutlich in einem Münchner Garten ein Zuhause finden. Vielleicht sogar in der Nähe von der Stelle, an der er gefunden wurde. Dort kennt er sich ja schon aus.



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