Ernährung In einem Apfel leben 100 Millionen Bakterien

Äpfel sind nicht nur gesund, weil sie Vitamine enthalten. Das Obst beherbergt auch eine große Anzahl Mikroorganismen, die nach dem Verzehr den Darm besiedeln. Biofrüchte enthalten andere Bakterien als konventionell hergestellte.

Die meisten Mikroorganismen sitzen im Apfelgehäuse
Patrick Pleul/dpa

Die meisten Mikroorganismen sitzen im Apfelgehäuse


Der Biss in einen Apfel bringt den Körper mit zahlreichen Bakterien in Kontakt. Mit wie vielen genau, haben Forscher der Technischen Universität Graz untersucht. Das Ergebnis: Ein typischer Apfel enthält mehr als 100 Millionen Mikroben, die beim Essen in den Verdauungstrakt gelangen, schreiben Gabriele Berg und Kollegen im Journal "Frontiers in Microbiology".

Zum Vergleich: Einen Menschen bevölkern ungefähr 100 Billionen Mikroorganismen.

Die Forscher haben allerdings nur acht Äpfel der Sorte "Arlet" untersucht und unter anderem Proben der Schale, der Samen, des Gehäuses und des Fruchtfleisches genommen.

Die meisten Bakterien entdeckten die Forscher im Kerngehäuse. Wer nur die Schale und das Fruchtfleisch eines Apfels isst, nimmt laut Untersuchung nur ungefähr ein Zehntel der Apfelmikroben auf. Im Fruchtfleisch ist aber auch noch eine große Anzahl Mikroorganismen enthalten, die wichtig für den Körper sind.

Vielfältige Bakteriengemeinschaft wichtig für die Darmflora

"Die Bakterien, Pilze und Viren in unserer Nahrung besiedeln vorübergehend unseren Darm", erklärt Biologin Berg. Die Mikroorganismen seien unentbehrlich für eine gesunde Darmflora und ein gesundes Verdauungssystem. "Kochen tötet die meisten Bakterien ab, deshalb ist rohes Obst und Gemüse eine besonders wichtige Quelle für Mikroorganismen im Darm."

Welche Bakterienarten mit einem Apfel in den Körper gelangen, hängt laut Studie auch davon ab, wie dieser angebaut wurde. Von den acht untersuchten Äpfeln stammten vier aus biologischem Anbau. Diese enthielten deutlich vielfältigere Bakterienarten als konventionell produzierte Äpfel, berichten die Forscher. Allerdings wurden die Bioäpfel vor der Untersuchung nicht gewaschen, die konventionellen Äpfel schon. Das könnte das Ergebnis verfälscht haben.

In den Bioäpfeln fanden die Fachleute auch häufiger Vertreter der Gattung Lactobacillus. Diese wird auch in probiotischen Joghurts verwendet.

In den herkömmlichen Äpfeln entdeckten die Forscher dagegen geringe Mengen Bakterien der Gattung Shigella, deren Vertreter mitunter schweren Durchfall hervorrufen können. Ihr Anteil in der Bakteriengemeinschaft lag allerdings unter fünf Prozent.

In den Bioäpfeln wurde Shigella in keiner Probe gefunden. Die Forscher vermuten, dass deren vielfältigere Bakteriengemeinschaft potenzielle Krankheitserreger besonders effizient zurückdrängt. Die Ergebnisse müssen allerdings noch in Studien mit einer größeren Anzahl Äpfel verschiedener Sorten überprüft werden.

Anmerkung der Redaktion: Den Hinweis, dass die Bioäpfel im Gegensatz zu den konventionellen vor der Untersuchung nicht gewaschen wurden, haben wir nachträglich eingefügt.

jme/dpa



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