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23. Dezember 2018, 11:36 Uhr

Vulkangürtel

Warum Indonesien so oft von Tsunamis getroffen wird

Tote, Vermisste, zerstörte Dörfer: Die Auswirkung des jüngsten Tsunamis in Indonesien ist verheerend. Was laut ersten Erkenntnissen zu der Naturkatastrophe führte - und warum sich die Behörden zunächst verschätzten.

Ein Tsunami hat erneut den Inselstaat Indonesien getroffen, diesmal vor allem die Inseln Sumatra und Java. Laut Behörden kamen mindestens 222 Menschen ums Leben, mehr als 800 weitere wurden verletzt, viele gelten noch als vermisst. Immer wieder kommt es in Indonesien zu solch verheerenden Flutwellen. Bei der Tsunami-Katastrophe an Weihnachten 2004 starben dort mehr als 160.000 Menschen. Warum trifft es immer wieder den Inselstaat?

Indonesien liegt in einer der geologisch aktivsten Zone der Erde. Der Archipel aus gut 17.500 Inseln bildet den westlichen Ausläufer eines Vulkangürtels, der sich über 40.000 Kilometer hufeisenförmig um den Pazifik zieht und auch als "Pazifischer Feuerring" bekannt ist. Dort stoßen tektonische Platten aufeinander, was gewaltige geophysikalische Kräfte freisetzt. Dadurch kommt es in Indonesien besonders häufig zu Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Erdrutschen, die Tsunamis auslösen.

Meist entstehen Tsunamis in einer bestimmten geologischen Konstellation: Im Bereich einer sogenannten Subduktionszone wird eine Erdplatte unter eine andere gedrückt. Die dabei auftretende Spannung entlädt sich regelmäßig in Form von Erdbeben, bei denen große Flächen am Meeresgrund vertikal bewegt werden.

Dass dabei verheerende Wellen auftreten, kann man sich einfach vorstellen. Man denke an ein Glas Wasser, das man auf einen Tisch stellt - bevor man mit Wucht an die Unterseite des Tisches tritt.

Im Video: Vulkanausbruch in Indonesien

Anders als die meisten Tsunamis wurde die gut drei Meter hohe Welle vom Sonntag durch einen Vulkanausbruch ausgelöst. Wahrscheinlich hatte die Indonesische Agentur für Geophysik (BMKG) deshalb auch zunächst Entwarnung gegeben, weil es in der Region kein stärkeres Erdbeben gegeben hatte. Die Forscher hielten den Tsunami zunächst für eine häufig vorkommende Flutwelle.

Erst Stunden später wurde klar, dass wahrscheinlich ein Ausbruch des Vulkans Anak Krakatau die Ursache für den Tsunami war. Demnach hatte die Eruption einen Erdrutsch unter Wasser ausgelöst, der zu der Flutwelle führte. Die Situation hat sich laut dem indonesischen Katastrophenschutz verschlimmert, weil zum Zeitpunkt der Welle auch noch Flut herrschte. In so einer Situation einen Tsunami vorherzusagen, ist schwierig, weil die Wellen oft nur wenige Minuten nach dem Erdrutsch auftreten.

Der Vulkan Anak Krakatau in der Sundastraße, rund 80 Kilometer westlich der Hauptstadt Jakarta, ist seit Jahren aktiv, teilweise bebt er mehrere Tausend Mal pro Tag. Immer wieder warnen Behörden vor einem erneuten Ausbruch. Rund fünf Meter wächst der Vulkan pro Jahr und ist mittlerweile etwa 400 Meter hoch.

Das Kind des Krakatau

Der Anak Krakatau steht an derselben Stelle wie der Krakatau, der bei einem ungeheuren Ausbruch im August 1883 explodierte und vollständig zerstört wurde. Auch die damalige Eruption löse einen Tsunami aus, mehr als 36.000 Menschen kamen ums Leben. Im Laufe der Jahre bildete sich an der Stelle zwischen den indonesischen Inseln Sumatra und Java der Anak Krakatau - das "Kind des Krakatau".

In Indonesien gibt es etwa 130 aktive Vulkane, so viele wie in keinem anderen Land der Welt. Sie sind nicht nur gefährlich, weil sie Tsunamis auslösen können, sondern auch wegen ihrer Lavaströme und Aschewolken.

Trotzdem leben Millionen Menschen im Schatten der Vulkane, denn die Vulkanasche macht die Regionen besonders fruchtbar. Bauern auf Java können pro Saison oft drei Reisernten einfahren. Viele nehmen die gefährlichen Nachbarn deshalb in Kauf.

koe/chs/dpa

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