Indonesisches Fossil Mini-Büffel war so groß wie ein Schäferhund

Auf den Philippinen wurde ein Zwerg-Wasserbüffel gefunden, der gerade einmal halb so groß wie ein moderner Büffel ist. Die ausgestorbene Art zeigt ein Phänomen der Evolution: Auf Inseln schrumpfen Tiere über Generationen hinweg.


Ein Büffel, der ausgewachsen so groß war, wie es heutige Schäferhund sind: Das war wahrlich ein Zwerg, werden Büffel doch normalerweise fast eine Tonne schwer und wachsen bis zu einer Schulterhöhe von 1,6 Metern. Auf den Philippinen aber habe es einst Wasserbüffel mit eben jenen Zwergenausmaßen gegeben, berichten Forscher in der Fachzeitschrift "Journal of Mammalogy".

Mit dem Fossil von Bubalus cebuensis sehen die Wissenschaftler damit ein Phänomen bestätigt, bei dem auf Inseln Tiere über Generationen hinweg schrumpfen. Dementsprechend interpretieren die Forscher ihren Fund als Beweis dafür, dass auch der "Hobbit" Homo floresiensis nur ein zum Zwerg geschrumpfter gewöhnlicher Mensch gewesen sein soll - neuer Stoff für eine hitzig geführte Debatte.

Die fossilen Überreste der Zwerg-Wasserbüffels wurden bereits vor etwa 50 Jahren entdeckt – in einer Höhle auf der Philippinischen Insel Cebu, doch erst vor zehn Jahren kamen die Knochen in das Field Museum in Chicago. Und erst jetzt berichtet ein Forscherteam um Darin Croft von der Case Western Reserve University: Das Tier hatte eine Schulterhöhe von nur 76 Zentimetern und wog lediglich knapp 160 Kilogramm.

Ein moderner Büffel hingegen ist doppelt so groß und wiegt etwa sechsmal so viel wie der indonesische Zwerg. "Natürliche Selektion kann die Körpergröße dramatisch verändern", begründet der Teamleiter. "Auf Inseln, wo das Nahrungsangebot begrenzt ist und die Lebensgemeinschaften klein sind, entwickeln sich große Säugetiere zu viel kleineren."

Die Evolution des "Island Dwarfing"

Für Crofts Team ist B. cebuensis deswegen nicht einfach irgendein Fossil. Der Zwerg-Wasserbüffel helfe, ein Phänomen zu verstehen: "Island Dwarfing", zu Deutsch etwa: Schrumpfen auf der Insel. Gibt es weniger Futter, werden die Tiere nicht so groß - das ist ein evolutionärer Faktor, den die Forscher für das Schrumpfen verantwortlich machen. Ein weiterer könnte sein: Den Tieren fehlen auf der Insel die Feinde. Also müssen sie nicht länger so groß sein, dass ihr Körperbau sie vor Räubern schützt.

Die Forscher stellten noch eine weitere These auf: Je kleiner die Insel, desto kleiner der Zwerg. Zu dieser Behauptung kommen die Wissenschaftler wegen der Beobachtung, dass B. cebuensis auf einer kleineren Insel lebte als die verwandte Art Bubalus mindorensis, der sich zu einem weniger kleinen Wasserbüffel entwickelt hat.

All diese Schlüsse ziehen die Forscher jedoch aus relativ wenigen Überresten eines einzigen Skeletts: Zwei Zähne, zwei Wirbel, zwei Oberarmknochen, einen Fußknochen sowie zwei Hufknochen konnten sie untersuchen. Wann das Tier gelebt habe, können die Wissenschaftler nicht mit Gewissheit sagen. Sie schätzen, dass das Zwergwasserbüffel während der letzten Eiszeit gelebt habe, vielleicht sei es aber auch jünger.

Zwerg-Wasserbüffel als Beweis für Hobbit-Menschen

Heute gibt es noch immer eine Art von zwerggroßen asiatischen Wasserbüffeln: Bubalus mindorensis, auch Tamaraw genannt. Diese Spezies kommt nur auf der philippinischen Insel Mindoro vor, ist jedoch etwas größer und schwerer als B. cebuensis.

Der fossile winzige Wasserbüffel sei "so etwas wie ein Beweis" dafür, dass es auch nicht "überraschend sein würde, wenn man einen Zwergmenschen auf der Insel finden würde", sagte John Flynn vom American Museum of National History, der die Überreste mit untersucht hat. Flynn spielt damit auf den sogenannten Hobbit von Indonesien an.

Vor rund drei Jahren waren in einer Höhle auf der indonesischen Insel Flores einige Knochen gefunden worden. Im Jahr darauf wurden sie im Wissenschaftsjournal "Nature" als Überreste eines Frühmenschen präsentiert, der bis vor etwa 18.000 Jahren lebte. "Homo floresiensis" tauften die Entdecker - australische Forscher - den kleinen Mann, da sie davon ausgingen, dass er einer bis dahin unbekannten eigenständigen Menschenart angehörte. Einer neuen Studie zufolge jedoch ist das nicht der Fall: Bei dem Hobbit handele es sich lediglich um einen klein gewachsenen, deformierten Menschen.

Diese Ansicht vertritt auch das Fields Museum, wo Flynn, Craft und ihre Kollegen den Zwerg-Wasserbüffel in den letzten Jahren untersucht hatten, vehement. Warum sie dann jedoch dem Zwerg-Wasserbüffel einen eigenen Artnamen verpassten, ist unklar. Nach Angaben des Field Museums könnte man mit Hilfe der neue Art B. cebuensis eine Menge über die gesamte Gattung der Asiatischen Büffel erfahren. Immerhin sei B. cebuensis mit zwei der bislang vier bekannten Bubalus-Arten sehr eng verwandt.

fba



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