Innere Uhr Kakerlaken sind früh schlecht drauf

Die Leistung von Kakerlaken schwankt mit der Tageszeit. Abends merken sich die Insekten neue Dinge leichter als morgens, wie US-Forscher bei Experimenten herausfanden. Eine Erklärung für das erstaunliche Phänomen existiert bislang nicht.


Nashville - Gleich nach dem Aufstehen voll funktionieren - das fällt vielen Menschen schwer. Doch nicht nur unter Zweibeinern, auch unter Kakerlaken gibt es regelrechte Morgenmuffel, wie Terry Page und seine Kollegen von der Vanderbilt University in Nashville jetzt festgestellt haben.

Kakerlaken: Typische Morgenmuffel?
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Kakerlaken: Typische Morgenmuffel?

Die Forscher brachten ihren Versuchstieren bei, Pfefferminzgeruch mit Zuckerwasser zu verbinden und Vanilleduft mit Salzwasser. Dazu hielten sie ein Vanille- oder Pfefferminzduft ausströmendes Papier vor die Köpfe der Kakerlaken und träufelten den Tieren gleichzeitig etwas Salz- oder Zuckerwasser in den Mund.

Obwohl Kakerlaken eigentlich der Vanilleduft lieber ist, bevorzugten sie nach dieser Prozedur den Geruch von Pfefferminz, schreiben die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Die Tiere lernten also, den unangenehmen Geruch mit der Belohnung durch Zuckerwasser zu verbinden.

Das funktionierte aber nur zu bestimmten Tageszeiten: Übten die Kakerlaken abends, konnten sie sich auch zwei Tage später noch an das Gelernte erinnern. Sollten sie sich allerdings morgens den Zusammenhang zwischen Pfefferminzgeruch und Zuckerwasser merken, hatten die Tiere dies schon nach fünf Minuten wieder vergessen. Die Lernfähigkeit der Kakerlaken ist damit abhängig von ihrer biologischen Uhr, folgern die Wissenschaftler.

Allerdings war nur das Lernen, nicht jedoch das Erinnern tageszeitabhängig: Auch morgens hatten die Kakerlaken noch präsent, was sie abends gelernt hatten. Neues dazulernen aber konnten die Tiere am Morgen nicht, schreiben die Forscher.

Warum Kakerlaken morgens so schlecht lernen können, wissen auch die Wissenschaftler nicht. Da aber die zur Wahrnehmung von Gerüchen zuständige Gehirnregion bei vielen Tieren sehr ähnlich sei, könne die genauere Erforschung dieses Hirnbereiches auch zeigen, wie andere Tierarten lernen.

hda/ddp



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