Insekten Parasiten-Fliege könnte Bienensterben auslösen

Steckt eine neu entdeckte Fliegenart hinter dem mysteriösen Bienensterben in den USA? Das glauben Forscher, nachdem sie beobachtet haben, wie die parasitären Insekten den Körper von Bienen als Eiablage nutzen - mit fatalen Folgen für die Honigsammler.

Parasitäre Fliege Apocephalus borealis: Nutzt lebende Honigbienen zur Eiablage
dapd/ Jessica Van den Berg

Parasitäre Fliege Apocephalus borealis: Nutzt lebende Honigbienen zur Eiablage


San Francisco - Wissenschaftler haben eine neue Erklärung für das massenhafte Verenden von Bienenvölkern in den USA gefunden. Womöglich spielt dabei eine neu entdeckte Fliegenart eine wichtige Rolle. Die Parasiten nisteten am Körper der Bienen, schreiben Wissenschaftler um Andrew Core und John Hafernik von der San Francisco State University (USA). Die Insekten verlassen daraufhin ihr Zuhause, brechen zu einem wilden Rundflug auf und sterben.

Bislang wurde die Fliege (Apocephalus borealis) in Kalifornien und South Dakota nachgewiesen. Wenn sie ein neuer Parasit sei, "könnte sie Bienenkolonien in ganz Nordamerika bedrohen", schreiben die Forscher im Fachjournal "PLoS ONE". Ganz unwahrscheinlich sei das nicht. "Honigbienen gehören zu den am besten untersuchten Insekten auf der Welt", erklärt Hafernik. "Also sollte man annehmen, dass wir diesen Parasit schon kennen, wenn er schon lange existiert."

Hafernik hatte die Fliege zufällig entdeckt. Als er 2008 nach Futter für ein Laborinsekt suchte, sammelte er ein paar Bienen unter der Außenbeleuchtung des Biologie-Instituts ein. "Aber als zerstreuter Professor vergaß ich die Bienen in ihrem Glasfläschchen auf meinem Schreibtisch", wird Hafernik zitiert, "und wunderte mich später über die vielen Fliegenpuppen, die die Bienen umgaben". Die Tiere waren aus Eiern geschlüpft, die Apocephalus borealis an den Bienenkörpern abgelegt hatte. Die Bienen selbst waren zu diesem Zeitpunkt schon tot.

"Wie Zombies"

Mit den Eiern am Körper waren die Bienen ausgeschwirrt und hatten sich mit anderen kranken Bienen in der Nähe von Lichtquellen versammelt. Befallene Tiere liefen ständig im Kreis herum, ohne jeden Orientierungssinn, beschreibt Andrew Core in der Mitteilung. "Sie strecken ununterbrochen ihre Beine aus und fallen dann hin. Sie sehen aus wie Zombies."

Welche Rolle der Parasit beim Kollaps der Bienenvölker in den USA spielt, müsse noch untersucht werden. Analysen befallener Bienenstöcke ergaben, dass sowohl Bienen als auch Fliegen oft von Krankheiten heimgesucht wurden: von einem Virus, das die Flügel deformiert, und einer Pilzerkrankung. Viele Wissenschaftler sehen in diesen Erregern die Ursache für das Massensterben.

"Jetzt müssen wir herausfinden, wie genau der Parasit das Verhalten der Bienen beeinflusst. Vielleicht mischt er die "Uhr-Gene" der Bienen auf, mit denen die Bienen ihren normalen Tag-Nacht-Rhythmus beibehalten", erläutert Hafernik. Auch sei nicht klar, ob die kranken Bienen das Nest freiwillig verlassen oder hinausgeworfen werden. Die Bienen sollen nun mit winzigen Sendern und Videokameras überwacht werden.

"Wie wir die Bienen am besten schützen können, wissen wir noch nicht. Dafür fehlt uns noch eine wesentliche Information: wo die Fliegen die Bienen befallen", so Hafernik. "Wahrscheinlich passiert es draußen, wenn die Bienen ausfliegen zur Futtersuche. Denn bei den Bienenstöcken haben wir die Fliegen bisher nicht beobachtet. Aber da stochern wir noch in einer Art schwarzem Loch herum."

Das Bienensterben beschäftigt Biologen schon seit Jahren. Laut einen Uno-Bericht ist es längst ein globales Problem und könnte eine Nahrungsmittelkrise auslösen. Als Ursachen wurden bislang unter anderem Insektizide und eine gestörte Eiweißproduktion vermutet.

hda/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.