Ball aus Insekten Der Hitzetod von Hornissen im Bienen-Pulk

Die Begegnung mit einem Bienenschwarm kann für Hornissen tödlich enden: Hunderte Bienen umschließen das große Insekt und bilden einen kompakten Ball, in dem das Tier aufgeheizt wird. Forscher haben nun herausgefunden, was die Bienen antreibt.
Bienen im Abwehrkampf gegen Hornisse: Tod nach 20 Minuten

Bienen im Abwehrkampf gegen Hornisse: Tod nach 20 Minuten

Foto: Emmanouil Filippou

San Francisco - Die rund vier Zentimeter langen Asiatischen Riesenhornissen (Vespa mandarinia japonica) jagen vor allem Insekten - teilweise mit koordinierten Massenangriffen auf Wespen oder Bienen. Oft löschen sie dabei das gesamte Nest aus. Verglichen mit ihnen sind Japanische Bienen (Apis cerana japonica) winzig, ihre Stachel können gegen den Chitinpanzer der Hornissen kaum etwas ausrichten.

Umso faszinierender ist ihre Abwehrstrategie: Von einer Hornisse attackiert, bilden Hunderte Bienen eine dichte Traube um diese und lassen ihre Flugmuskulatur vibrieren. In der Kugel steigt die Temperatur dadurch auf 47 Grad - die Hornisse kollabiert bei diesem Wert nach rund 20 Minuten und stirbt. Für die Bienen dagegen liegt die Temperatur noch im Toleranzbereich, bei drei bis fünf Grad mehr würden aber auch sie verenden.

Forscher haben nun die neuronalen Grundlagen dieses Verhaltens erkundet. In den sogenannten Pilzkörpern im Kopf der Bienen, die aus dicht gepackten Nervenzellen bestehen und als Sitz der "Insektenintelligenz" gesehen werden, haben die Experten deutlich erhöhte Aktivität registriert. Verstärkte neuronale Aktivität zeigte sich zudem zwischen den dorsalen und optischen Loben.

Die 46-Grad-Schwelle

Das Team um Takeo Kubo von der Universität Tokio klaubte zu verschiedenen Zeitpunkten - 0, 30 und 60 Minuten - einzelne Japanische Bienen aus einem solchen Hitzeball um eine Hornisse. Sie entnahmen jeweils das Gehirn und froren es bis zur Analyse ein, für die zehn Mikrometer dünne Schnitte hergestellt wurden.

Setze man Bienen einer Temperatur von 46 Grad aus, entstehe im Hirn ein ähnliches Aktivitätsmuster wie bei den Tieren im Hitzeball, schreiben die Biologen. Die Aktivität im Gehirn der Bienen, die sich zur Traube vereinen, gehe demnach vor allem auf hitzeinduzierte Prozesse zurück. Um nicht selbst den Hitzetod zu sterben, müssten die Bienen die Temperatur in der Kugel sehr genau austarieren.

Warum nicht alle Bienen zu dem Verhalten fähig sind, wissen Forscher allerdings nicht: Die derzeit beliebteste Imkerbiene weltweit, die Italienische Biene (Apis mellifera ligustica), formiert keine Hitzebälle - obwohl auch ihre Nester von Hornissen attackiert werden.

boj/dpa
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