Insel Réunion Soldaten kämpfen gegen Virus-Epidemie

Schon seit Monaten grassiert auf der französischen Insel Réunion das tückische Chikungunya-Virus. Bis zu 30.000 Menschen sollen infiziert sein, die Behörden sprechen von einer Epidemie. Jetzt sollen Soldaten die Mücken dezimieren, die den Erreger übertragen.


Vor zehn Monaten trat die Virusinfektion erstmals gehäuft auf. Doch die französischen Behörden haben die Chikungunya-Epidemie seitdem nicht in den Griff bekommen. Im Gegenteil: Die Zahl der Neuinfektionen steigt sogar. Die Regierung in Paris sah sich genötigt, 400 Soldaten und Dutzende Ärzte auf die Insel im Indischen Ozean zu entsenden.


Das Chikungunya-Virus verursacht Muskel- und Gelenkschmerzen. Betroffene klagen häufig auch über Kopfweh und Fieber. Der Begriff Chikungunya kommt aus dem Swahili und bedeutet "gekrümmt laufen" - eine treffende Beschreibung der Infizierten. Die Viren sind in Süd- und Südostasien sowie in Afrika, südlich der Sahara, verbreitet. Die Erkrankung wurde erstmals Anfang der fünfziger Jahre in Tansania beobachtet.

Das französische Institut de veille sanitaire konstatierte in seinem wöchentlichen Bulletin ein Versagen der bisher ergriffenen Gegenmaßnahmen. Während sich die Lage auf den benachbarten Inseln beruhigt habe, sei die Übertragung des Chikungunya-Virus auf Réunion nicht gestoppt. Man beobachte sogar einen neuen Anstieg der Fälle, besonders seit Anfang Dezember, hieß es.

Nach jüngsten Schätzungen könnten bereits 30.000 Menschen infiziert sein, wie das Magazin "Le Nouvel Observateur" berichtet. Davon sollen allein 5000 neue Erkrankungen aus dem Januar stammen. Andere Schätzungen gehen von insgesamt 15.000 Infektionen aus.

Das tückische an dem Virus, das durch Mückenstiche übertragen wird, ist, dass derzeit kein Impfstoff oder Medikament dagegen existiert. Immerhin ist bislang kein Todesfall bekannt, der im Zusammenhang mit Chikungunya steht.

Beunruhigend sind allerdings Berichte über Neugeborene, die sich bereits im Mutterleib mit dem Virus infiziert haben. Nach französischen Medienberichten soll es bereits zehn Fälle geben. Die meisten der Babys litten in der Folge an einer Hirnhautentzündung.

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenforschung empfiehlt Réunion-Reisenden, auf einen "konsequenten Mückenschutz" zu achten.

Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin schickte jetzt nicht nur 400 Soldaten auf die Insel, welche die Mückenpopulation minimieren sollen. Sie versprühen auf der ganzen Insel Chemikalien gegen die Überträger. Auch Gesundheitsminister Xavier Bertrand wurde nach Réunion beordert, um den Kampf gegen die Epidemie zu koordinieren.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.