Intelligente Affen Wassertrick verschafft Schimpansen Nüsse

Wie kommt man ohne Werkzeug an eine Nuss, die unerreichbar tief in einer Plastikröhre liegt?  Schimpansen haben die Aufgabe im Experiment verblüffend geschickt gelöst: Sie gaben der Nuss mit Wasser Auftrieb - und mit einer weniger appetitlichen Flüssigkeit.

REUTERS

Um an Nahrung zu kommen, braucht man clevere Strategien - und Menschenaffen sind in dieser Hinsicht extrem geschickt. Schimpansen etwa klettern auf Kartons, um an Bananenstauden zu kommen, basteln Pinsel für die Termitenjagd und haben schon vor Jahrtausenden Nussknacker benutzt. Auch Gorillas wurden in freier Wildbahn schon beim Werkzeuggebrauch beobachtet.

In einem Experiment haben Schimpansen jetzt erneut gezeigt, wie intelligent und geschickt sie sind. Daniel Hanus vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und seine Kollegen haben die Affen vor eine knifflige Aufgabe gestellt: Sie befestigten ein Plastikrohr an Käfigstäben und legten eine Erdnuss hinein, die auf einer kleinen Menge Wasser schwamm. Die Nuss war viel zu tief unten, als dass die Affen sie mit den Fingern erreichen konnten.

Allerdings gab es gleich nebenan einen Wasserspender. Die Forscher vermuteten, dass die Affen früher oder später auf die Idee kommen würden, mit Hilfe des Wassers an die Nuss zu kommen. Sie wurden von den Schimpansen nicht enttäuscht: Ohne weitere Hilfsmittel fanden die Tiere heraus, dass sie Wasser in die Plastikröhre spucken mussten, um die Nuss in Reichweite zu bringen.

Einem Affen ging das offenbar nicht schnell genug. Er kam auf eine alternative Idee, die leckere Nuss zu ergattern: Er pinkelte ins Rohr, trieb die Nuss in die Höhe und verspeiste sie anschließend genüsslich.

Insgesamt schickten die Biologen 43 Schimpansen in das Experiment. Immerhin 14 Tiere haben herausgefunden, dass sie ins Rohr spucken mussten, damit die Nuss näher kommt. Sieben Affen ist es gelungen, das Rohr so weit zu füllen, bis die Nuss erreichbar war und sie sie fressen konnten, schreiben die Forscher im Online-Fachmagazin "PLoS One".

Hanus und seine Kollegen ließen auch 72 Kinder im Alter von vier, sechs und acht Jahren das Experiment absolvieren. In jeder Altersgruppe waren jeweils zwölf Jungen und Mädchen vertreten. In der Gruppe der Vierjährigen schafften es nur zwei Kinder, die Aufgabe zu lösen. Bei den Sechsjährigen klappte es schon besser: Dort knackten zehn die Aufgabe, bei den Achtjährigen waren 14 Kinder erfolgreich.

Orang-Utans haben 2007 die gleiche Prüfung erfolgreich bestanden: Die Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts hatten fünf Tiere vor die Aufgabe mit der Nuss im Plexiglasrohr gestellt - und alle kamen auf den Trick mit dem Wasser.

nih



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