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Schlauer Papagei Kakadu baut Werkzeug zum Nüsseangeln

Vor dem Käfig liegt eine Nuss - ist sie unerreichbar? Kakadu Figaro angelt die Leckerbissen durch das Gitter: Ein Film zeigt, wie er Werkzeuge zurecht knabbert, um die Nahrung zu erreichen.

Hamburg - Wenige Tierarten sind intelligent genug, Werkzeuge herzustellen. Die überschaubare Liste mit einigen Affen, Krähen und Wirbellosen hat seit kurzem ein neues Mitglied: den Kakadu Figaro. Er knabbert sich Holzstückchen zurecht, um damit Futter oder Spielzeug außerhalb seiner Reichweite heranzuholen, wie ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Current Biology"  berichtet.

"Lange Zeit schrieb man solche Talente nur unseren nächsten Verwandten, den Menschenaffen, zu", sagt Studienleiterin Alice Auersperg von der Universität Wien. Figaro ist ein Goffin-Kakadu, eine Art, die nur auf den indonesischen Tanimbar-Inseln anzutreffen ist. Die Art sei eine verspielte und neugierige Kakadu-Art, schreiben die Forscher. Sie erkunde ihre Umgebung intensiv, löse erfolgreich technische Probleme und besitze auch ein relativ großes Gehirn.

Bisher habe es keine Hinweise darauf gegeben, dass die Papageienvögel auch in freier Wildbahn Werkzeuge nutzen. Dass die Kakadus dies in Gefangenschaft jedoch durchaus lernen können, hat jetzt das Experiment der Forscher um Alice Auersperg gezeigt.

Nuss macht erfinderisch

Für ihre Studie hatten die Biologen eine Cashewnuss auf einen Holzbalken außerhalb eines Vogelkäfigs gelegt. Weil das Gitter sehr engmaschig war, konnte der Kakadu die Nuss mit seinem Schnabel nicht erreichen. Doch der Vogel fand einen Ausweg: "Wir konnten filmen, wie Figaro seinen kräftigen Schnabel geschickt einsetzte, um längliche Splitter aus einem Holzbalken zu beißen", berichtet Auersperg. Mit diesem selbstgefertigten Werkzeug habe der Kakadu dann die Nuss zu sich herangeholt.

In einem anderen Experiment habe das Tier mit seinem Schnabel einen verzweigten Ast so gebrochen, dass es ein gerades Stöckchen erhielt, mit dem es nach dem Futter angeln konnte. Hatte der Vogel einmal gelernt, ein Werkzeug herzustellen, nutzte er diese Technik ohne Zögern auch in späteren Versuchen. "Figaro baute sich für jede neu platzierte Nuss ein weiteres Werkzeug und war jedes Mal erfolgreich", sagt Auersperg. Vor der Versuchsreihe hatte der Kakadu den Holzbalken nicht angerührt.

Die Forscher glauben, dass wildlebende Goffin-Kakadus normalerweise keine Werkzeuge herstellen. "Figaro ist bisher der einzige seiner Art, bei dem wir dieses Verhalten beobachten konnten", sagt Mitautorin Birgit Szabo von der Universität Wien. Dass Figaro diese Technik in Gefangenschaft entwickelt habe, zeige aber, dass diese Vögel intelligent genug seien, um bei entsprechender Anregung solche neuen Fertigkeiten auszubilden.

Beobachtungen wie diese tragen nach Ansicht der Forscher viel dazu bei, die Entwicklung der Intelligenz im Laufe der Evolution besser zu verstehen. Denn noch sei unklar, welche Faktoren darüber entscheiden, wie intelligent ein Tier ist.

twn/dapd