Intelligenz Neukaledonien-Krähen essen mit Stäbchen

Menschen greifen zu Messer und Gabel, Neukaledonien-Krähen zum Stöckchen. Mit diesem Werkzeug angeln sie sich Leckerbissen aus Baumstämmen. Forscher sind verblüfft.

Jolyon Troscianko

Dass Krähen gut mit Werkzeugen umgehen können, haben sie bereits mehrfach bewiesen. So benutzten die Tiere drei Werkzeuge hintereinander, um Futter aus Röhren zu angeln. Ein derartig komplexer Gebrauch gilt eigentlich als Zeichen menschlicher Intelligenz. Selbst abstrakte Handlungsabfolgen beherrschen die begabten Vögel.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Oxford hat jetzt untersucht, wie Neukaledonien-Krähen (Corvus moneduloides) mit einem Werkzeug essen. Die meisten dieser Vögel greifen zu Stöckchen, um nach Käferlarven zu stochern, die in verfaulenden Baumstämmen versteckt sind, wie die Experten in der US-Fachzeitschrift "Science" berichten.

Die cleveren Tiere - auch als Geradschnabelkrähen bekannt - kommen nur auf Neukaledonien im Südpazifik vor. "Die Vögel sind extrem schwer zu beobachten", sagte der deutsche Wissenschaftler Christian Rutz, der die Studie leitete. Deshalb haben die Forscher zu einem Trick gegriffen, um Erkenntnisse aus Videoaufnahmen wissenschaftlich zu untermauern: Sie suchten in den Federn der Vögel nach bestimmten Varianten chemischer Elemente, die im Gewebe der im Holz verborgenen Larven vorkommen.

Das Ergebnis der Untersuchung war verblüffend. 70 Prozent der Krähen innerhalb einer Population hatten die Larven gefressen und mussten somit die Werkzeuge benutzt haben - obwohl der Gebrauch der Stöcke schwer zu lernen und damit vor allem für Jungvögel extrem zeitraubend ist. Offensichtlich sind die stark fetthaltigen Käferlarven ein Leckerbissen für die Vögel.

Bisher war der gezielte Gebrauch von Werkzeugen nur bei wenigen Tierarten, vor allem bei Menschenaffen wie Schimpansen und Orang- Utans aber auch bei Fischottern nachgewiesen worden. "Es gibt nur eine Hand voll Tierarten, die in Freiheit und ohne Training durch den Menschen Werkzeuge benutzen", erläuterte Rutz.

In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler nachweisen, dass Tiere, die Werkzeuge gebrauchen, sich innerhalb einer Population besser durchsetzen können und damit überlebensfähiger sind. "Diesen Schritt haben wir bisher noch nicht geschafft", sagte Rutz.

hda/dpa



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