Internationale Energieagentur CO2-Ausstoß 2012 auf Rekordhoch

Der Energiesektor ist für zwei Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich - und hat 2012 mehr CO2 in die Atmosphäre gepustet als je zuvor.
Rauch über chinesischer Fabrik: Kohlendioxid-Emissionen steigen weiter

Rauch über chinesischer Fabrik: Kohlendioxid-Emissionen steigen weiter

Foto: AP/dpa

Der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid bei der Energiegewinnung ist im vergangenen Jahr auf das Rekordhoch von 31,6 Gigatonnen geklettert. Das gab die Internationale Energie-Agentur (IEA) am Montag in London bekannt. "Wir sind dabei, unser Ziel einer Erderwärmung von nicht mehr als zwei Grad Celsius aus den Augen zu verlieren", sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol. Gebe es kein Umdenken, steuere die Welt auf eine Erwärmung um etwa vier Grad Celsius bis 2100 zu.

Der Energiesektor ist nach Angaben der IEA für rund zwei Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Aus China und den USA gebe es ermutigende Signale, sagte er. In den Vereinigten Staaten habe ein Wechsel von der Energiegewinnung aus Kohle zu Gas dazu geführt, dass die Ausstöße auf das Niveau von Mitte der neunziger Jahre zurückgegangen sind. In China sei der CO2-Ausstoß zumindest weniger stark angestiegen als in den Jahren zuvor. "Aber wir sind noch lange nicht am Ziel", sagte IEA-Exekutivdirektorin Maria van der Hoeven. Die IEA berät 28 Regierungen in aller Welt, darunter die deutsche Bundesregierung und das Weiße Haus, in Energiefragen.

Mehr CO2 wegen niedriger Kohlepreise

Europa gebe Anlass zu verstärkter Sorge, sagte Birol. Deutschland hat dem Bericht zufolge seinen Kohlendioxid-Ausstoß 2012 um 2,2 Prozent erhöht, Großbritannien sogar um 4,5 Prozent. Grund seien vor allem niedrige Preise für Kohle. Auch in Japan stieg der Ausstoß wegen des Ersatzes von Kernenergie durch Kohle nach der Katastrophe von Fukushima.

Insgesamt wurde der Ausstoß in Europa aber wegen der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent reduziert. Gleichzeitig seien 2012 jedoch die Investitionen in erneuerbare Energien zurückgegangen.

Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass die Welt - ohne wirtschaftliche Nachteile in Kauf zu nehmen - auf den Pfad des Zwei-Prozent-Zieles zurückkehren kann. Es müssten effiziente Energiesparmaßnahmen ergriffen werden, sowohl bei Gebäuden, als auch bei der industriellen Fertigung.

Der Neubau von Kohlekraftwerken müsse begrenzt, die am wenigsten effizienten müssten vom Netz genommen werden. Allein 18 Prozent des Sparzieles könnte erreicht werden, wenn Öl- und Gaskonzerne bei der Gewinnung der Rohstoffe kein unnötiges Methan in die Atmosphäre freisetzten. Zwölf Prozent seien zu sparen, wenn die Regierungen zumindest teilweise aufhörten, den Verbrauch von fossilen Brennstoffen zu subventionieren. "Das alles ist möglich mit bereits existierenden Technologien und mit Maßnahmen, die in einzelnen Ländern bereits greifen", sagte Birol.

wbr/dpa