Internationale Klimaverhandlungen Röttgen übt sich in Zweckoptimismus

Noch will Bundesumweltminister Norbert Röttgen den kommenden Klimagipfel in Cancún nicht komplett abschreiben. Konkrete Beschlüsse seien "absolut möglich", sagte er nach einem Besuch bei Uno-Klimachefin Christiana Figueres. Deutschland solle eine Führungsrolle spielen.

Röttgen im Uno-Klimasekretariat: "Dickes Brett ist, das wir bohren"
dpa

Röttgen im Uno-Klimasekretariat: "Dickes Brett ist, das wir bohren"


Bonn - Die letzte Vorbereitungskonferenz in China hat kaum Fortschritte gebracht. Die USA können sich nach wie vor nicht für ein Klimaschutzgesetz begeistern. Und wichtige Schwellenländer haben klar gemacht, dass sie keine Zugeständnisse machen wollen: Die Aussichten für den Klimagipfel in Cancún im November und Dezember sind eher mau. Und trotzdem hofft Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) offenbar noch darauf, dass die internationalen Klimaverhandlungen schon bald konkrete Ergebnisse bringen.

Das sei "absolut möglich", sagte Röttgen nach einem Besuch bei Uno-Klimachefin Christiana Figueres. Beide hatten über die Entwicklung seit dem weitgehend gescheiterten Weltklimagipfel in Kopenhagen gesprochen. "Wir haben lernen müssen, dass es doch ein dickes Brett ist, das wir bohren", sagte Röttgen. Es sei unwahrscheinlich, "dass in diesem Jahr mit einem Schlag alles gelöst wird", warnte er mit Blick auf Cancún.

Deutschland könne aber eine weltweite Führungsrolle in der Klimapolitik spielen, so Röttgen: "Wir sind keine militärische Großmacht, wir sind nicht die entscheidenden Friedensvermittler in den Konfliktregionen dieser Welt. Aber bei diesem globalen Zukunftsthema hat Deutschland eine wichtige Einwirkungsmöglichkeit und Verantwortung, der wir gerecht werden wollen."

Wichtig für einen Erfolg der Klimagespräche sei auch, dass Europa geschlossen in die Verhandlungen gehe und mit einer Stimme spreche. Der Minister appellierte vor diesem Hintergrund an die EU-Staaten, seinen Vorschlag einer Reduktion der Treibhausgase in Europa um 30 Prozent bis 2020 mitzutragen. Bislang ist in der EU 20 Prozent erklärtes Ziel. Deutschland selbst strebt einen Rückgang um 40 Prozent an. Damit könne das Land seine schon jetzt bestehende Vorreiterrolle in Sachen Umwelttechnologie ausbauen, erklärte Röttgen.

Figueres sagte, es stehe nichts geringeres als die langfristige Sicherung der Lebensgrundlagen auf dem Spiel. Neben dem staatlichen Engagement sei beim Klimaschutz aber vor allem die Initiative der Bevölkerung gefragt: "Es ist meist einfacher, andere Leute zu Entscheidungen aufzufordern, als jedes Mal das Licht zu löschen, wenn man einen Raum verlässt."

Ziel der Uno-Verhandlungen ist es, das Kyoto-Protokoll zu ersetzen, das 2012 ausläuft. Auf dem Weltklimagipfel geht es insbesondere um den Schutz der Wälder, die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen und deren Kontrolle sowie die Kooperation bei Umwelttechnologien. Im Vorjahr hatte sich die Weltgemeinschaft auf dem Klimagipfel in Kopenhagen nicht auf verbindliche Ziele zur Reduktion der Treibhausgase einigen können. Stattdessen gab es nur eine unverbindliche Erklärung.

chs/dpa/dapd

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tancarino, 18.10.2010
1. Bleifußland als Klimaengel?
Zitat von sysopNoch will Bundesumweltminister Norbert Röttgen den kommenden Klimagipfel in Cancún nicht komplett abschreiben. Konkrete Beschlüsse seien "absolut möglich", sagte er nach einem Besuch bei Uno-Klimachefin Christiana Figueres. Deutschland solle eine Führungsrolle spielen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,723772,00.html
Man sollte die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Wie wäre es mit einer wie dieser: Wir verabreden, daß wir uns spätestes 2015 in Timbuktu wiedertreffen und bis dahin eine Liste mit Vorschlägen ausgearbeitet haben, die wir auf der übernächsten Konferenz in Westerland auf Sylt im Jahr 2020 verabschieden wollen, und die mit Übergangsfristen und freiwilliger Selbstverpflichtung bis spätestens 2035 in Kraft treten sollen. Einzufügen ist noch eine Klausel, nach der die Übereinkunft nicht in Kraft tritt, sofern einer der Unterzeichner bis dahin noch im Amt sein sollte, und bis zu seiner Pensionierung ausgesetzt wird. Spätestens 2050 sollte dann die Konferenz neu tagen und anhand wissenschaftlicher Untersuchungen festgestellt werden, ob die Maßnahmen die gewünschte Wirkung entfaltet haben. Na, das wäre doch realistisch, oder?
Baracke Osama, 18.10.2010
2. --
Zitat von sysopNoch will Bundesumweltminister Norbert Röttgen den kommenden Klimagipfel in Cancún nicht komplett abschreiben. Konkrete Beschlüsse seien "absolut möglich", sagte er nach einem Besuch bei Uno-Klimachefin Christiana Figueres. Deutschland solle eine Führungsrolle spielen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,723772,00.html
Warum muss Deutschland überall und immer eine "Führungsrolle" spielen? Können wir nicht so wie die Skandinavier oder Schweizer, sich überall raushalten und dafür ruhiger Leben?
cabrioheinz, 18.10.2010
3. Politikersprache
"Deutschland könne aber eine weltweite Führungsrolle in der Klimapolitik spielen" heisst übersetzt: uns soll mal wieder noch tiefer in die Tasche gegriffen werden
Plumplori 18.10.2010
4. the big picture
Die Politiker dieser Welt sollten sich einmal vor Augen halten welche Werte tag täglich zu Gunsten schneller Profite unwiederbringlich zerstört werden; sei es durch die Abholzung von Regenwald, durch die Überfischung oder die Verschmutzung der Umwelt mit (Industrie-)Abfällen. Kurz gesagt wir müssen unseren Lebens- und Wirtschaftsstil überdenken und nach und nachhaltig ändern. peace
Berd 18.10.2010
5. Schönen Urlaub!
Zitat von sysopNoch will Bundesumweltminister Norbert Röttgen den kommenden Klimagipfel in Cancún nicht komplett abschreiben. Konkrete Beschlüsse seien "absolut möglich", sagte er nach einem Besuch bei Uno-Klimachefin Christiana Figueres. Deutschland solle eine Führungsrolle spielen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,723772,00.html
Jetzt also Cancún. Tausende von Klimaschützern, Politikern und Journalisten reisen unter Produktion von reichlich CO2 und richtigen Abgassen nach Cancún. Aber das macht nichts, schnell einen Ablaßzettel bei Al Gores Klimazertifikatfirma gekauft und man hat ein reines Gewissen (und Al Gore kann sich endlich seine zwölfte Villa kaufen!) Videokonferenzen wären deutlich "klimaschonender", umweltverträglicher und billiger. Aber in Cancún läßt es sich halt doch schöner in der Sonne liegen und im warmen Meer baden.
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