Internationaler Gerichtshof Australien verklagt Japan wegen Walfangs

Der Streit um die Jagd auf Meeressäuger eskaliert: Nun soll der Internationale Gerichtshof in Den Haag entscheiden, ob der von Japan praktizierte Walfang unzulässig ist. Australien hat das Gericht angerufen, Japan reagierte mit Unverständnis.

Schnabelwal in Wada (Japan, Juni 2007): "Fleisch der Tiere landet auf Ladentheken"
AP

Schnabelwal in Wada (Japan, Juni 2007): "Fleisch der Tiere landet auf Ladentheken"


Sydney - Im Kampf gegen den Walfang hat Australien nun den Internationalen Gerichtshof in Den Haag eingeschaltet. Dieser soll höchstrichterlich feststellen, dass die von Japan geduldete Jagd auf die Meeressäuger unzulässig ist. So ist es in der Klage nachzulesen, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Offiziell erlaubt die japanische Regierung das Walfangen aus "wissenschaftlichen Gründen". Doch das Fleisch der Tiere landet immer wieder in Feinschmecker-Restaurants des asiatischen Landes.

In der australischen Klage werden die Fangquoten seit Beginn eines Moratoriums 1986 genauestens aufgeführt. In dieser Übereinkunft gibt es eine Ausnahmeklausel: Genau diese erlaubt den Walfang aus wissenschaftlichen Gründen. Mit Verweis auf diese Klausel erlegten Japans Walfänger den Angaben zufolge zwischen 1987 und 2005 allein in der Antarktis 6800 Minkwale. In den 31 Jahren vor Inkrafttreten des Moratoriums seien dagegen weltweit nur 840 Minkwale getötet worden, argumentiert Australien. Es gebe zudem klare Beweise, "dass das Fleisch der Tiere auf den Ladentheken landet".

Japan reagierte mit Unverständnis auf das australische Vorgehen. Das Einreichen der Klage sei "äußerst bedauerlich", sagte ein Regierungssprecher in Tokio. Die Juristen der Regierung würden nun die Klage studieren und dann über das weitere Vorgehen entscheiden.

Gegen den Walfang protestieren auch immer wieder Tierschützer. Im Januar hatten japanische Walfänger dabei ein Schiff der Tierschutzorganisation Sea Shepherd in der Antarktis gerammt und schwer beschädigt. Im März haben japanische Behörden sogar einen Aktivisten von Sea Shepherd festgenommen, der einen Monat zuvor ein Walfangschiff geentert hatte.

Neben Japan jagen auch Norwegen und Island Wale, beide Länder pochen dabei auf ihre Tradition. Die Internationale Walfangkommission hatte im vergangenen Monat einen neuen Kompromissvorschlag zur Jagd auf die Meeressäuger präsentiert. Danach sollen Japan, Island und Norwegen weiter Wale jagen dürfen, die Zahl der getöteten Tiere jedoch in den nächsten zehn Jahren deutlich reduzieren. Über diesen Vorschlag soll Ende Juni beim jährlichen Treffen der Walfangkommission beraten werden. Er wird allerdings von Australien zurückgewiesen, weil Japan demnach auch im kommenden Jahr noch mehr als 400 Wale fangen könnte.

hda/AFP



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