Internet als Bildungsplattform Wie Wissen zu globaler Klugheit wird

Unser Planet gerät an seine Grenzen. Das wissen wir, es passiert aber wenig. Der Bienenexperte Jürgen Tautz glaubt, dass verordnete Verhaltensweisen nichts bringen. Echtes Umdenken muss von unten kommen. Dafür braucht es eine globale Klugheit, die sich nur über das Internet entwickeln kann.

Allumfassende Veränderungen geschehen durch Erkenntnisse, Entdeckungen und Erfindungen. Große Kraft besitzen auch Paradigmenwechsel - also Änderungen im Denkmuster, in allgemeingültigen Annahmen und Vorstellungen.

Für einen Paradigmenwechsel braucht es nicht unbedingt völlig neue Einsichten oder neue Werkzeuge. Manchmal muss nur bereits vorhandenes Wissen verständlich aufbereitet und verfügbar gemacht werden.

Das Internet könnte ein Werkzeug dafür sein. Es sollte dafür eingesetzt werden, neue Bildungsplattformen zu schaffen, die in ihrer Gesamtheit zu globaler Klugheit führen.

Denn ohne sie wird unser Heimatplanet immer näher an seine Belastungsgrenzen getrieben.

Die Bewirtschaftung der Erde kann nicht mehr für weitere Jahrzehnte so fortgeführt werden wie in Vergangenheit und Gegenwart. Dafür liegen viele solide und überzeugende Fakten aus Klimaforschung, Ressourcenerfassung, Landwirtschaft und Bevölkerungsentwicklung vor.

Doch warum verpufft all dieses Wissen, all diese Erkenntnis so folgenlos?

Die Evolution hat uns nur begrenzte Erfahrungsmöglichkeiten eingerichtet

Es scheint sogar so, dass mit der beständig steigenden Flut an Fakten- und Detailwissen die Fähigkeit der Menschen auf der Strecke bleibt, diese einzuordnen und für sich nutzbringend einzusetzen.

Woran mag das liegen?

Ganz bestimmt nicht daran, dass elementare Einsichten prinzipiell zu abstrakt wären, als dass sie uns fremd, unbegreifbar und damit allzu weit weg erscheinen.

Woran also dann?

Vielleicht an fehlender geeigneter Vermittlung an die Bevölkerung, deren Handeln die Wege der Erde bestimmt?

Zu Recht hört man immer öfter die Schlagworte Bildung und Nachhaltigkeit.

Komplexität, Vernetztheit, Rückkopplungen und erhebliche Folgen kleiner Anfangsumstände - so wie es die Chaostheorie beschreibt - sind Eigenschaften unserer Biosphäre. Leider hat unsere Evolution uns nur sehr begrenzte Erfahrungsmöglichkeiten eingerichtet. Unsere direkte Erfahrungswelt lässt uns genauso wenig Warnzeichen globaler Katastrophen erkennen wie die flutartig anwachsende Faktenmenge zahlloser Spezialgebiete.

Die Erfahrung der regionalen und globalen üblen Folgen menschlichen Handelns ruft Zukunftsängste auf den Plan. Direkte Auswirkungen dieser Folgen auf Ökologie und Ökonomie fordern ein Umdenken. Dies kann nur auf Wissen und Einsicht basieren und kann und darf nicht von oben verordnet werden. Das Umdenken muss von unten her stattfinden.

Das Internet kann die Ausbildung revolutionieren

Schulen und Universitäten wachsen zusammen, und die Grenzen beginnen zu verschwimmen. Das ist gut so. An Universitäten und Forschungsinstituten schießen Schülerlabors wie Pilze aus dem Boden. Das ist ausgezeichnet. Allerdings ist bei mehreren Millionen Schülern allein in Deutschland und einer Tragekapazität von 25 Schülerarbeitsplätzen pro Schülerlabor der Effekt vorhersehbar und leider vernachlässigbar klein.

Das Internet kann die Ausbildung revolutionieren, wenn hier der nächste Schritt gegangen wird: nämlich nicht nur das Schulbuch auf den Bildschirm zu bringen und damit das Medium zu ersetzen. Sondern die Welt in ihrer Komplexität direkt über das Internet zu erfahrbar zu machen.

Dazu müssen geeignete Projekte geschaffen werden.

Eine neue Bildungsbasis über das Internet kann eine globale Klugheit schaffen und somit der Menschheit eine Ausfahrt aus der Sackgasse bieten, in die sie sich seit vielen Generationen hineinmanövriert hat.

Dazu sollten weltweit relevante Standards gesetzt werden. Über Bildung muss jungen Menschen die Fähigkeit gegeben werden, in ihrem Alltagsleben Entscheidungen zu fällen, deren Folgen im Einklang mit der Natur stehen.

Man muss hochkomplexe biologische Systeme finden, die als Anschauungsobjekte taugen. Sie und ihre Eigenschaften sind Modelle für unsere eigene globale Situation. Denn eigene Beobachtungen sind nachdrücklicher und motivieren eher zu Schlussfolgerungen für das eigene Handeln als eine Lawine an kryptischen Spezialabhandlungen.

Johann Heinrich Pestalozzis (1746 bis 1827) Ziel war es, "den Menschen zu stärken" und ihn zu bewegen, "sich selbst helfen zu können".

Pestalozzi wäre über die Möglichkeiten, die das Internet zur Verfolgung dieses Zieles heute bietet, hellauf begeistert.

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