Ranga Yogeshwar "Ich bin nicht das Sprachrohr von Instituten"

TV-Journalist Yogeshwar: "Manche Preise ehren nicht unbedingt den Preisträger"
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TV-Journalist Yogeshwar: "Manche Preise ehren nicht unbedingt den Preisträger"


Äußern sich Wissenschaftler öffentlich über Journalisten, ist übertriebener Respekt eher selten. Umso erstaunlicher ist, was das Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, auch als Geomar bekannt, jetzt über Ranga Yogeshwar geschrieben hat. "Komplizierte Dinge einfach erklären, Ranga Yogeshwar kann das", heißt es in dem Rundschreiben, das die Verleihung des "Meerespreises 2013" an den TV-Journalisten angekündigt hat. Und: "Dem studierten Physiker ist nichts zu schwierig."

Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, die von der Deutschen Bank beigesteuert werden. Die Vergabe an Yogeshwar, die am Dienstag im Geomar gefeiert wurde, begründet das Institut konkret mit Yogeshwars Berichterstattung über: ein Geomar-Projekt. 2011 tauchte der Journalist an Bord des Boots "Jago" vor der Küste Norwegens zu Kaltwasserkorallen - "und brachte dieses faszinierende Ökosystem einem breiten Publikum näher", lobt das Institut. Auf Anfrage ließ es wissen, dass die Preisträger nicht von einer externen Jury ausgewählt werden, sondern von einer "kleinen Kommission" aus Mitarbeitern des Geomar und der Deutschen Bank.

Die Inflation von Journalisten- und Medienpreisen hat in den vergangenen Jahren des öfteren zu Diskussionen geführt. Denn es sind längst nicht mehr nur Journalistenverbände und Stiftungen, die derartige Auszeichnungen vergeben. Die Website journalistenpreise.de etwa listet allein in den Bereichen "Gesundheit und Medizin", "Wissenschaft und Technik" sowie "Natur und Umwelt" fast 100 Auszeichnungen auf. Nicht wenige davon werden von Lobbyorganisationen verschiedener Branchen ausgelobt - was den Verdacht nährt, dass es sich dabei auch um Versuche handeln könnte, mit hochdotierten Preisen positive Berichterstattung zu erkaufen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Yogeshwar, das Geomar verleiht Ihnen einen 10.000-Euro-Preis und begründet das ausdrücklich mit Ihrer Berichterstattung über ein Geomar-Projekt. Ist die Annahme dieses Preises noch mit Ihrer Vorstellung von journalistischer Unabhängigkeit vereinbar?

Yogeshwar: Ich möchte eines vorausschicken: Das Preisgeld stecke ich nicht in meine private Tasche. Es wird auf das gesamte Team verteilt. Wir finanzieren damit Seminare oder auch mal eine Feier. Außerdem habe ich schon viele Sendungen rund um die Meeresforschung gemacht. Die Tauchfahrt mit der "Jago" war nur ein Beispiel.

SPIEGEL ONLINE: Das Geomar lobt Sie überschwänglich für Ihre Fähigkeit, komplexe Sachverhalte für Laien verständlich darzustellen. Ist die Rolle des Übersetzers zwischen Forschung und Öffentlichkeit für Sie die wichtigste Funktion eines Wissenschaftsjournalisten?

Yogeshwar: Ich bin nicht das Sprachrohr von Instituten oder Institutionen. Und ich gehöre nicht zu denen, die Wissenschaft nur erklären und nie hinterfragen. Aber Forschung zu erklären und sie kritisch zu begleiten ist kein Widerspruch. Das hängt vom Thema ab. Und wo Kritik angebracht ist, halte ich damit auch nicht hinter dem Berg.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie Beispiele nennen?

Yogeshwar: Natürlich. Ich habe Beiträge über die Erdölprospektion in Kanada oder die Rohstoffsuche in der Arktis gemacht. Darin kam durchaus auch Kritik vor. Und am 4. Juni bringen wir im WDR eine "Quarks & Co."-Sendung über Fälschungen in der Wissenschaft.

SPIEGEL ONLINE: Dient eine Auszeichnung wie der "Meerespreis" einem unabhängigen, auch kritischen Journalismus? Oder ist sie eher der Versuch einer Forschungseinrichtung und einer Bank, mit bekannten Persönlichkeiten Eigenwerbung zu betreiben?

Yogeshwar: Manche Preise ehren nicht unbedingt den Preisträger. Stattdessen profitieren diejenigen, die diese Auszeichnungen vergeben. Wenn es nur um Marketing geht, lehne ich solche Preise ab.

Das Interview führte Markus Becker

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17 Leserkommentare
sbaatfast 23.05.2013
zensorsliebling 23.05.2013
spiegkom 23.05.2013
Flari 23.05.2013
subjectiva 23.05.2013
fpwinter 23.05.2013
deltachristoph 23.05.2013
kai kojote 23.05.2013
raumzeit3000 23.05.2013
Leblanc 23.05.2013
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