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Käfer aus Asien: Resistente Jungpalmen gegen Eindringlinge

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Käfer aus Asien Italien plant Feldzug gegen Palmenkiller

Der gefräßige Palmenrüssler hat schon ganze Panoramen rund ums Mittelmeer vernichtet. Doch dem aus Asien eingeschleppten Käfer schmecken nicht alle Palmenarten - vielleicht kann dies das südliche Landschaftsbild retten.

Um ihrem ärgsten Feind den Appetit zu verderben, trafen sich in der Julihitze Bürgermeister, Wissenschaftler und Gärtner in einem der schönsten Palmen-Parks von Bordighera: Hier, in der eleganten Kurstadt an der italienischen Riviera, solle dem gefräßigen Rhynchophorus ferrugineus "die Lust auf Palmen genommen werden", verkündete Palmenforscher Claudio Littardi zum Start seiner "Operation Jericho": "Mit Arten, die dem Rüssler nicht schmecken, wollen wir unser botanisches Erbe neu aufbauen."

Die alte Palmenpracht ist schon großenteils vernichtet . Während der Käfer rund ums Mittelmeer immer größere Lücken ins Landschaftsbild frisst, pflanzt Littardi für die Zukunft. Sein Projekt nannte er nach der antiken Palmenstadt Jericho: Rund 16.000 verschiedenartige, auf Resistenz geprüfte Jungpalmen werden nun in Bordighera und der gesamten Provinz gesetzt.

Von dem "indirekten Feldzug", wie Littardi ihn nennt, versprechen sich Forscher und Stadtväter mehr Erfolg als von chemischer Behandlung und Baumchirurgie. Hauptsächlich mit Amputation und Chemikalien waren bislang die betroffenen Regionen gegen das Massensterben vorgegangen.

Wirksamer scheinen mittlerweile biologische Waffen, etwa winzige Fadenwürmer, die in den Körper des Käfer eindringen und dort tödliche Substanzen absondern. In Erprobung sind auch Pilze, deren Sporen dem Rüssler schaden. Um ihn frühzeitig im Stamm aufzuspüren, setzten Forscher der Universität Catania sogar Hunde ein. Doch die Retriever und Rottweiler erschnüffelten den Schädling nur auf Nasenhöhe.

So war der "schreckliche Parasit", wie italienische Medien den Käfer gern nennen, kaum aufzuhalten: Zehntausende von Palmen sind in Italien schon dahingesiecht, "in Rom werden sie schon gar nicht mehr gezählt", sagt Littardi. Triste Stümpfe zeugen hier ebenso wie in Neapel oder Palermo vom Siegeszug des Schädlings.

Widerstandsfähiger Nachwuchs wird gezüchtet

Aus Südostasien, wo natürliche Fressfeinde ihn stets in Schach halten konnten, hatte sich das Insekt stetig voranbewegt. 2005 wurde der rotgepunktete Käfer zuerst in Sizilien gesichtet, 2006 kam er, mit Immobilienboom und Palmenimport, in Spanien an. Bald welkte überall die beliebte weil schnellwüchsige Phoenix canariensis dahin, die Ferienanlagen und Golfplätze schmückte. Die puddinggelben Larven des importierten Palmenkillers hatten sich massenhaft ins Herz der Zierbäume gefressen.

Bella Italia ohne Palmen? Meldepflicht, rigoroses Fällen und feinstes Zerschreddern der befallenen Bäume hielten den Schaden zumindest in Sanremo, wo Littardi in seinem Zentrum für Palmenforschung verschiedene Strategien erprobte, gering. In Bordighera vernichtete der Rüssler seit 2007 schon 832 Exemplare der Phoenix canariensis, hingegen mussten nur zwei echte Dattelpalmen gefällt werden.

Dass der Zierbaum Phoenix canariensis Lieblingsspeise des zerstörerischen Insekts ist, wies Littardi im vergangenen Jahr nach. In der Villa Winter in Sanremo, wo das Zentrum seinen Sitz hat, hielt der Wissenschaftler ein Dutzend unterschiedlicher Palmenarten, insgesamt 300 Bäume. 90 Tage kamen sie in Quarantäne, mitsamt dem Rüssler. "Zu Ende des Experiments," so Littardi, "waren sämtliche Phoenix canariensis tot."

Alle anderen Gattungen, ob Washingtonia robusta, Livistona chinensis und australis, Phoenix reclinata oder auch die echte Dattelpalme Phoenix dactylifera, hatten sich nicht angesteckt und den Versuch gut überstanden. Aus Samen wird also widerstandsfähiger Nachwuchs herangezogen, ausgepflanzt und auch an Gartenbesitzer verschenkt.

Wundermittel gegen den Parasiten seien auch künftig nicht zu erwarten, warnt Littardi. Und bei der jetzt gestarteten "Operation Jericho" sei Geduld angesagt: Die robusten "Pionierpflanzen" brauchen ihre Zeit - ungefähr 70 Jahre, bis sie zu voller Große herangewachsen sind. "Aber unsere Kinder", so der Wissenschaftler, "werden sich sicher schon daran erfreuen."

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