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23. August 2013, 13:52 Uhr

Posse um Uno-Bericht

Der Klima-Geheimrat

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Erneut ist ein Entwurf des nächsten Weltklimaberichts an die Öffentlichkeit gelangt. Doch der Uno-Klimarat will bis zur offiziellen Vorstellung Ende September an der Politik der Geheimhaltung festhalten. Forscher reagieren mit immer größerem Unverständnis.

Hamburg - Wissenschaft wird von der Öffentlichkeit bezahlt, aber ist Wissenschaft deshalb öffentlich? Der Klimareport der Vereinten Nationen, der alle paar Jahre den Stand der Forschung zusammenfasst, ist Geheimsache. Nun jedoch ist abermals ein Entwurf des Berichts vorab bekannt geworden.

Die meisten Aussagen standen bereits in einem früheren Entwurf, der im Dezember bekannt geworden war. Die Nachrichtenagentur Reuters, die "New York Times" und die "Washington Post" zitierten in den vergangenen Tagen aus der neuesten Version des Berichts, dessen Endfassung Ende September publiziert werden soll. Mehrere Autoren bestätigten SPIEGEL ONLINE, dass folgende Angaben über die Zukunft des Klimas in dem Report stehen:

Reaktion des Klimarats

Der Uno-Klimarat reagiert auf das Bekanntwerden seiner Ergebnisse gewohnt einsilbig: Man nehme die Veröffentlichungen zur Kenntnis, aber keine Stellung, heißt es aus dem Genfer IPCC-Büro. Der Text könne sich noch ändern, daraus Schlüsse zu ziehen, wäre voreilig. Der IPCC gewichtet lediglich publizierte Studien, er forscht nicht selbst.

Doch auch die endgültigen Ergebnisse sollen etappenweise veröffentlicht werden: Ende September wird in Stockholm die sogenannte Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger vorgestellt, der eigentliche Report aber erst am folgenden Montag. Die wissenschaftliche Basis der Zusammenfassung lässt sich also zunächst nicht prüfen.

"Man möchte verhindern, dass Tausende Interpretationen im Umlauf sind, die Verwirrung stiften", sagt die Sozialforscherin und IPCC-Expertin Silke Beck vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Der IPCC versuche auf diese Weise, die Deutungshoheit über die Daten zu behalten und ihre öffentliche Rezeption zu kontrollieren. Bei bisherigen IPCC-Zusammenfassungen hat das gut funktioniert.

"Zu Tode erschrecken"

Auch der nächste Klimareport werde "jeden zu Tode erschrecken", kündigte der frühere Uno-Klimachef Yvo de Boer vergangenen November an. "Ich bin zuversichtlich, dass die Ergebnisse neuen politischen Schwung erzeugen werden", sagte de Boer dem "Sydney Morning Herald".

Die jetzt bekannt gewordenen Ergebnisse eignen sich jedoch trotz der teils alarmierenden Daten kaum, die Eskalationsspirale weiter anzuziehen. "Wir konnten unser Wissen über das Klima festigen", sagt ein führender Uno-Forscher, der nicht namentlich genannt werden will. Aber grundlegende Neuigkeiten gebe es nicht. Prognosen für einzelne Regionen hätten sich gar als unsicherer erwiesen als angenommen, was die Abschätzung der lokalen Folgen des Klimawandels erschwere.

Die Abschottung des Klimarats sät Misstrauen, meint der renommierte britische Klimatologe Mike Hulme. Der IPCC habe mit der Wagenburgmentalität einzelne Wissenschaftler gegen Attacken der Industrielobby schützen wollen, erläutert UFZ-Expertin Beck. Doch dadurch sei der Rat noch angreifbarer worden.

Vorsitzender warnt vor Medien

Nun werden die Forderungen lauter, der Geheimniskrämerei ein Ende zu bereiten. Die Erstellung des IPCC-Berichts sollte transparenter gestaltet werden, fordert etwa der InterAcademy Council (IAC), der die Arbeit des Klimarats im Auftrag der Uno überprüft hat. Die holländische Meteorologiebehörde KNMI regte an, den IPCC-Report künftig öffentlich im Internet zu erstellen. So ließe sich der Bericht jederzeit aktualisieren. Das bisherige Verfahren ignoriert Studien ab einem bestimmten Datum; bei seiner Veröffentlichung ist das Uno-Klimawissen also gar nicht mehr aktuell.

Doch IPCC-Chef Rajenda Pachauri schien bisher nicht überzeugt. In einer E-Mail von 2010 versuchte er, dem Klimarat die Linie im Umgang mit der Öffentlichkeit vorzugeben: Er empfahl den Autoren des neuen Reports, sich von Medien fernzuhalten. Später sprach er von einem Missverständnis.

Immerhin hat der IPCC unabhängige Experten weltweit eingeladen, Vorabversionen seines nächsten großen Sachstandsberichts zu begutachten - im Sinne von mehr Offenheit. Zugleich sollen die Entwürfe geheimgehalten werden, so dass man am Ende den vollständig begutachteten Sachstand präsentieren kann.

Doch unter den 800 externen Gutachtern, den Tausenden beteiligten Wissenschaftlern und Politikern findet sich offenbar immer jemand, der einen Entwurf öffentlich macht.

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