Neuer Klimabericht Ein mieser Job - aber einer muss ihn machen

Für die beteiligten Wissenschaftler sind die Weltklimaberichte ein Mega-Projekt. Dem Rest der Welt sind sie ziemlich egal. Aber die Folgen der Erderwärmung verschwinden nicht dadurch, dass man sie ignoriert.
Neuer Klimabericht: Ein mieser Job - aber einer muss ihn machen

Neuer Klimabericht: Ein mieser Job - aber einer muss ihn machen

Foto: Kent Porter/ AP

Das Abfassen ihrer dicken Klimaberichte ist für die Autoren des Weltklimarats ähnlich angenehm wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Unzählige Sitzungen, bei denen teils stundenlang um einzelne Worte gefeilscht wird. Zehntausende Kommentare zu den Entwürfen sind zu berücksichtigen. Wenn doch Fehler durchrutschen, gibt es hämische Kommentare vom Heer der IPCC-Kritiker. Und viel Kritik von der Weltpresse.

Extra bezahlt werden die Forscher für die jahrelange Plackerei nicht. Gleichzeitig bleibt die eigene wissenschaftliche Arbeit liegen. Die IPCC-Autoren als gestresste Mahner in der Wüste.

Warum machen die das eigentlich?

Der Rest der Menschheit zeigt schließlich kaum Interesse für die Berichte. Die internationalen Klimaverhandlungen können seit mindestens einem halben Jahrzehnt nur Scheinfortschritte vermelden. Gleichzeitig steigen die globalen CO2-Emissionen schneller als je zuvor. Und die Welt braucht immer mehr Energie.

  • Schwellenländer lassen sich nur langsam auf Klimaschutz ein.
  • Industriestaaten wie Kanada oder Australien haben keine Lust mehr aufs CO2-Sparen und kassieren alte Versprechen.
  • Die Amerikaner wollen sich eh zu nichts verpflichten.
  • Die einst so wackeren Europäer nehmen sich nur wenig ambitionierte Ziele vor - und noch nicht einmal auf die können sie sich einigen. Im selbsternannten Klima-Musterland Deutschland boomt die klimaschädliche Braunkohle.

Ungemütliche Diskussionen

Warum machen die IPCC-Autoren trotzdem weiter, auch wenn ihnen scheinbar niemand zuhört? Sie tun es, weil das Problem nicht verschwindet, wenn man es nur lange genug ignoriert. Weil es nicht in allen Teilen der Welt ausreichend sein wird, die Deiche einfach ein bisschen höher zu ziehen. Und weil in manchen gefährdeten Regionen selbst dafür die Mittel fehlen. Weil Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern auch dann noch miteinander sprechen können, wenn sich ihre Regierungen nur mit Ablehnung begegnen.

Weil einer der Welt klarmachen muss, welche Konsequenzen der hemmungslose Ausstoß von Treibhausgasen hat - und wie sich das Problem zumindest ansatzweise lösen ließe. Es ist ein mieser, weil undankbarer Job. Aber einer muss ihn machen. Gut, dass die Wissenschaftler ihn tun.

Auch weil Politik und Öffentlichkeit womöglich eines Tages doch bereit sind, sich ernsthaft mit den Konsequenzen aus den Berichten zu befassen. Mit all den ungemütlichen Diskussionen, die dann folgen: um unser Wirtschaftssystem und unseren Lebensstil, um die weltweite Rolle der Atomkraft, um CO2-Abtrennung und Speicherung, um aktive Eingriffe ins Weltklima zur Kühlung der Erde - und allen damit verbundenen Risiken.

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