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Feuerwerk: Polarlichter über isländischem Vulkan

Foto: LUCAS JACKSON/ REUTERS

Isländisches Naturschauspiel Spektakel überm Feuerberg

Was für ein Schauspiel: Über dem Vulkan Eyjafjallajökull sind riesige Magmaklumpen explodiert - zugleich brachten Sonnenwinde den Himmel zum Leuchten. Forscher streiten über die Signale des Berges: Wann kommt der Vulkan zur Ruhe?

Der Vulkanausbruch in Island erreichte am Donnerstagabend einen unerwarteten Höhepunkt: Während die Rauchsäule deutlich schrumpfte, leuchteten plötzlich Polarlichter am Himmel. Geladene Teilchen der Sonne drangen tief in die Erdatmosphäre vor und regten Luftmoleküle zum Leuchten an.

Einen Zusammenhang mit dem Vulkanausbruch gibt es nicht. Die Ursache der gespenstischen Lichter liegt im Magnetfeld, das die Erde umschließt: Nahe der Pole stehen die Magnetfeldlinien nahezu senkrecht zur Erde, sie schirmen den Planeten dort weniger gut vom elektrischen Sonnenwind ab. Geladene Teilchen der Sonne gelangen zuweilen weit in die Atmosphäre.

Während sich am Himmel heftige elektrische Reaktionen ereigneten, verharrte der isländische Vulkan Eyjafjallajökull auf halber Kraft. Seine Aschesäule schrumpfte, sie stieg nur noch knapp fünf Kilometer in die Luft. Vergangene Woche war sie noch fast doppelt so hoch. Alle paar Minuten schießt jedoch noch immer eine Rauchfontäne aus dem Schlot, und autogroße Magmaklumpen explodieren feuerrot glühend.

Die Staubwolke reicht nun nicht mehr bis über den europäischen Kontinent: Die Luft sei mittlerweile "nahezu frei von Vulkanasche", berichtet die Europäische Flugsicherung. Lediglich zwischen Island und Nordschottland liege noch eine dichte Wolke. Flugzeuge könnten diese Sperrzone, die bis in sechs Kilometer Höhe reichte, jedoch problemlos überfliegen.

"Wir haben es vermasselt"

Die US-Luftwaffe fürchtet dennoch Schäden an ihren in Europa stationierten Flugzeugen. Selbst geringe Aschekonzentrationen drohten Triebwerke zu schädigen, sofern die Flieger ständig durch die Wolken flögen, sagte John Quintas, Kommandant der 48th Operations Group. Kampfflieger seien vermutlich anfälliger als Verkehrsmaschinen, weil ihre Triebwerke heißer würden. Vulkanische Gesteinspartikel würden somit eher schmelzen und drohten die Triebwerke zu verstopfen. Die Anzahl der Flüge über dem Nordatlantik sei vorsichtshalber reduziert worden.

Mehr als eine Woche nach dem Ausbruch des Vulkans ist am Freitag erstmals der Flughafen der isländischen Hauptstadt Reykjavík wegen der Vulkanasche geschlossen worden. Nur Sichtflüge seien erlaubt, sagte eine Sprecherin. Der Vulkan Eyjafjallajökull liegt 120 Kilometer südöstlich von Reykjavík. Bislang standen die Winde günstig für die meisten isländischen Orte: Sie bliesen die Asche von der Insel weg in Richtung Kontinentaleuropa. Nur in der Nähe des Vulkans gingen bislang große Mengen Asche nieder.

Derweil streiten Wissenschaftler darüber, ob der Ausbruch hätte besser vorhergesagt werden können. Auch Experten wurden von der Eruption des Eyjafjallajökull überrascht. Zwar hatten leichte Erdbeben seit Dezember einen Ausbruch angekündigt - wann es passieren würde, war indes unklar. "Wir haben die kurzfristige Vorwarnung vermasselt", sagt die Geophysikerin Steinunn Jakobsdóttir vom Icelandic Meteorological Office (IMO).

Dellen im Vulkan

Die Forscher hätten sich allzu sehr auf Erdbeben-Messungen verlassen. Oft geht einer Eruption ein charakteristisches Rumpeln im Berg voraus - beim Ausbruch des Eyjafjallajökull war das jedoch diesmal nicht der Fall. Wäre Gasmessungen mehr Beachtung geschenkt worden, hätte man den Ernst der Lage womöglich ein paar Stunden vor dem Ausbruch erkennen können, so die Geophysikerin Kristin Vogfjörd vom IMO.

Derzeit verraten GPS-Satellitendaten, dass sich Dellen im Vulkan gebildet haben. Der Eyjafjallajökull habe sich entleert, folgern die IMO-Forscher; der Druck im Untergrund nehme ab. Doch weiterhin erschüttern Erdbeben den Berg - ein Zeichen dafür, dass Magma nachströmt. "Die Eruption hört noch nicht auf", sagte Jakobsdóttir.

Allerdings geht der wichtigste Treibstoff des Vulkanausbruchs zur Neige: Die Eruptionen der vergangenen Tage waren so explosiv, weil Magma mit Wasser in Berührung kam und explodierte. Wie lange die Eruption anhält, bleibt unklar. Vermutlich habe sich Lava im Berg gestaut, sagen die IMO-Forscher. Jederzeit könne die Lava ausbrechen und die Hänge hinabfließen - das gefährliche Naturschauspiel scheint noch nicht vorbei.

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