Riesige Untergrund-Struktur in Israel Längste Salzhöhle der Welt liegt am Toten Meer

Zwei Jahre lang haben Forscher die Malcham-Höhle neu vermessen. Sie fanden imposante Salzskulpturen, meterlange Stalaktiten - und bisher unbekannte Tunnel.


Am Toten Meer unter dem Berg Sodom verbirgt sich die nach Forscherangaben längste bekannte Salzhöhle der Welt. Die Malcham-Höhle in Israel erstreckt sich demnach über gut zehn Kilometer. Zuvor galt die Namakdan-Höhle auf der iranischen Insel Keschm - die "Höhle der drei Nackten" - mit 6,5 Kilometern als längste Salzhöhle der Welt.

Bekannt ist die Malcham-Höhle schon lange, früher diente sie Arbeitern am Toten Meer als Schutz vor der brennenden Mittagssonne. Bereits in den Achtzigerjahren haben Forscher sie vermessen, kamen damals aber nur auf eine Länge von gut 5,5 Kilometern. Seit zwei Jahren wird die Malcham-Höhle nun neu erforscht.

"Vor 30 Jahren haben wir mit Maßband und Kompass gearbeitet", erinnert sich Amos Frumkin, Professor an der Hebräischen Universität in Jerusalem, der die Arbeiten damals geleitet hat. "Heute haben wir Lasertechnologie, die sich übers Smartphone bedienen lässt." Auch deswegen habe man die tatsächlichen Ausmaße der Höhle damals noch nicht erfassen können.

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Malcham-Höhle: Labyrinth unter der Erde

Stefan Kempe, emeritierter Geologieprofessor an der TU Darmstadt, bestätigt, dass bisher keine Salzhöhle mit mehr als zehn Kilometern Länge bekannt sei. "Natürlich herrscht zwischen uns Höhlenforschern eine Konkurrenz, aber es ist eine freundschaftliche Konkurrenz", sagt Efraim Cohen, der an den aktuellen Arbeiten beteiligt war.

Geleitet wird die Untersuchung vom Höhlenforschungszentrum der Hebräischen Universität in Jerusalem sowie dem Israel Cave Explorers Club und dem bulgarischen Sofia Speleo Club. Im April wollen die Forscher ihre Erkenntnisse in einer Fachzeitschrift offiziell vorstellen.

Das Herz der Malcham-Höhle ist die sogenannte Hochzeitskammer, hier sind über Jahrhunderte imposante Salzskulpturen gewachsen. Jeder Tropfen Wasser, der durch die Decke sickert, hinterlässt einige Kristalle. Mit der Zeit sind daraus meterlange Stalaktiten gewachsen. "Sie wachsen bis zu einen Meter pro Jahr", erklärt Cohen.

Die Höhle wächst weiter

"Nimmt man alle unsere Arbeitsstunden zusammen, haben wir etwa 1500 Tage unter der Erde verbracht", berichtet Boaz Langford, einer der Leiter der Untersuchung. An den Expeditionen nahmen über 80 Höhlenforscher aus neun Ländern teil, darunter auch aus Deutschland. Im kommenden Jahr soll es weitergehen, da noch immer nicht alle Bereiche erforscht sind. Die Höhle könnte dann offiziell noch einige Hundert Meter länger werden, sagen die Forscher.

Salzhöhlen wie die Malcham-Höhle sind selten. Sie entstehen nur in sehr trockenen Regionen, in denen Salzschichten bis an die Erdoberfläche gedrückt werden, etwa durch Bewegungen in der Erdkruste. "Salz ist nicht fest, sondern fließt, wenn auch nur sehr langsam", erklärt Langford. "Wenn sich die Gesteinsschichten verschieben, wird es nach oben gepresst wie Zahnpasta in einer Tube."

An anderen Orten wird das Salz schnell vom Regen abgetragen. Am Toten Meer aber regnet es nur sehr selten - wenn, dann aber heftig. Diese Sturzfluten lösen das Salz auf und schaffen so die Höhlen. Auf diese Weise wächst die Malcham-Höhle weiter.

jme/dpa



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