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11. September 2012, 16:24 Uhr

Stark bedrohte Arten

Die knallrote Liste

Einzigartig, unersetzlich - und womöglich schon bald verschwunden. Die Weltnaturschutzunion hat eine Liste der 100 am stärksten bedrohten Arten der Welt veröffentlicht. Fast alle der sterbenden Exoten sind durch Menschen in Gefahr geraten.

London - Was haben das Sumatra- und das Java-Nashorn, die chinesische Baishan-Tanne und der Zagros-Molch gemeinsam? Sie alle stehen kurz vor dem Aussterben - und von vielen dieser Arten ist noch nicht einmal bekannt, wie viele Exemplare überhaupt noch existieren.

Forscher haben jetzt im Auftrag der Weltnaturschutzunion (IUCN) die 100 am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten der Erde auf einer Liste ("Priceless or worthless?") zusammengefasst. "Alle hier gelisteten Arten sind einzigartig und unersetzlich, wenn sie verschwinden, kann kein Geld der Welt sie zurückholen", warnt Ellen Butcher von der Zoological Society of London (ZSL), eine Co-Autorin der Liste. Noch bestehe die Chance, die bedrohten Arten zu retten - wenn man sofort handle, so die Forscher.

Erfolgsgeschichten wie die vom Przewalski-Pferd oder dem Buckelwal zeigten, dass gezielte Maßnahmen Arten vor dem fast schon sicheren Aussterben retten können. Das aber erfordere ein Umdenken. Die Gesellschaft müsse begreifen, dass auch vermeintlich nutzlose Arten ein Existenzrecht besäßen, so Butcher.

"Massenaussterben auf der Erde"

Die Liste ist natürlich nicht zuletzt eine Aktion im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit - denn viele besonders gefährdete Arten sterben wohl aus, bevor sie jemals entdeckt werden und auf der Liste landen könnten. "Die 100 Arten auf dieser Liste sind symptomatisch für das globale, menschenverursachte Massenaussterben, das derzeit auf der Erde wütet", sagt auch Volker Homes von der Umweltschutzorganisation WWF.

Zusammengestellt wurde die Liste der 100 am meisten bedrohten Pflanzen, Tiere und Pilzarten von mehr als 8000 Wissenschaftlern der IUCN. Die Organisation gibt auch jährlich die Rote Liste gefährdeter Arten heraus. Auf der neuen Liste stehen nun Arten aus 48 Ländern. Zu den Säugetieren auf der Liste gehören das Zwergfaultier Bradypus pygmaeus, das nur noch auf einer kleinen Insel vor der Küste von Panama vorkommt, der in China lebende Hainan-Gibbon (Nomascus hainanus), von dem nur noch weniger als 20 bekannte Exemplare existieren, oder die als asiatisches Einhorn bekannte Saola-Antilope (Pseudoryx nghetinhensis).

Neben vielen Fröschen und Kröten finden sich auch Reptilien, Fische und Vögel auf der Liste, wie die Indische Riesentrappe (Ardeotis nigriceps). Nahezu alle auf der Liste stehenden Arten seien durch den Menschen in Gefahr geraten, berichten die Forscher. Meist wurde ihr Lebensraum zerstört, indem beispielsweise der Wald gerodet, ein Fluss aufgestaut oder Feuchtgebiete trockengelegt wurden.

Einige Arten werden jedoch auch bereits als Opfer des Klimawandels gelistet, wie der Galápagos-Riffbarsch, von dem nicht bekannt ist, ob es überhaupt noch lebende Exemplare gibt. Auch für die nur auf einer Insel der Seychellen vorkommende Schneckenart Moominia willii geben die Wissenschaftler als Hauptbedrohung den Klimawandel und die Verdrängung durch invasive Arten an.

"Diese 100 Arten sprechen für sich: Sie sind schön, faszinierend, einzigartig und ungewöhnlich", kommentiert John G. Robinson von der Science Wildlife Conservation Society die jetzt veröffentlichte Liste. Jede dieser Arten sei Ausdruck der Vielfalt der Natur und repräsentiere eine evolutionäre Lösung für ganz spezielle Umweltbedingungen. "Wir schulden es uns selbst und ihnen, auf diesem Planeten Raum für sie alle zu finden", sagt Robinson.

chs/dapd

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