IWC-Jahrestagung Walfanggremium verheddert sich in Korruptionsreform

Japan, Norwegen und Island wehren sich gegen Einschränkungen ihres Walfangs. Auf der Tagung der Internationalen Fachkommission steht aber auch das Gremium selbst am Pranger: Ihr Vorsitzender wurde von einer Walfangnation bezahlt.

Japanische Walfangflotte: Mehr Transparenz in Gremium der IWC gefordert
DPA

Japanische Walfangflotte: Mehr Transparenz in Gremium der IWC gefordert


London - Einen Korruptionsskandal wie diesen soll es künftig nicht mehr geben: Zu Beginn der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) 2010 enthüllten britische Reporter, dass die Spesen des IWC-Vorsitzenden Anthony Liverpool ausgerechnet von der Walfangnation Japan bezahlt wurden. Das Gremium drohte, an Glaubwürdigkeit zu verlieren, jetzt versucht das Gremium, ihre Transparenz verbessern.

Am Montag haben sich die 89 Mitgliedsländer auf der der britischen Kanalinsel Jersey zu Gesprächen über eine Reform ihrer Strukturen getroffen. "Wir glauben, dass ihre Prozeduren modernisiert werden müssen", sagte der britische Fischerei-Staatssekretär Richard Benyon. Sein Vorschlag sieht vor, dass zukünftig die Mitgliedsbeiträge für die Kommission statt wie bisher in Bar oder per Scheck nur noch per Banküberweisung beglichen werden können.

Unter dem Protest von Tierschützern gegen die Fortsetzung des Walfangs begann am Montag die Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission. Bis Donnerstag wollen die Abgeordneten unter anderem den Antrag Großbritanniens beraten, der für mehr Transparenz in der Kommission sorgen soll. Neben der Abschaffung der Barzahlung sollen künftig Tierschutzorganisationen zu Wort kommen können. Die Entscheidung über den Antrag Großbritanniens soll am Dienstag oder Mittwoch fallen.

Den weltweit nur noch drei Walfangnationen Japan, Norwegen und Island wird von Tierschützern offen Korruption vorgeworfen. Sie bezahlten für kleine Länder die Mitgliedsbeiträge in der Kommission und manipulierten so deren Abstimmungsverhalten. Vergangenes Jahr sollen sie Staaten in Afrika und der Karibik bestochen haben, um sich ihre Unterstützung in der IWC zu sichern - Japan weist die Vorwürfe jedoch zurück.

Pro und Contra Walfgang: 50:50

"In keiner anderen Konvention ist es möglich, noch bis zum letzten Moment mit einem Sack von Bargeld seine Mitgliedsbeiträge zu bezahlen - das geht nur in der IWC, und damit muss endlich Schluss sein", sagte Sandra Altherr von der Umweltorganisation Pro Wildlife.

Wie die Entscheidung über Großbritanniens Antrag ausgehen könnte, ist völlig offen: Die 89 IWC-Mitgliedsstaaten sind fast genau zur Hälfte in Gegner und Befürworter der kommerziellen Jagd der Meeressäuger geteilt. Zum neuen IWC-Vorsitzenden wurde am Montag der Südafrikaner Herman Osthuizen bestimmt, der einen diplomatischen Ruf genießt.

Großbritannien hatte die Reformen zunächst als EU-Vorschlag einbringen wollen, doch weigerte sich Dänemark, den Vorschlag zu unterstützen. Dänemark gehört wegen der kulturellen Bedeutung des Walfangs in zwei seiner Gebiete - Grönland und den Faröer Inseln - traditionell zu den Befürwortern des Walfangs. Japan hat sich bisher noch nicht offiziell zu dem britischen Reformvorschlag geäußert. Ein Sprecher der japanischen Delegation äußerte sich aber skeptisch, dass die Briten ganz allein mit ihrer Initiative Erfolg haben würden.

Die Gesellschaft zum Schutz von Walen und Delfinen (WDCS) kritisierte Island für seine neuen Anstrengungen zum Export des Fleisches von Finnwalen nach Japan. "Islands Tötungen und Export von international geschützten, gefährdeten Walen unterwandert klar sowohl die Internationale Walfangkommission, als auch das Washingtoner Artenschutzabkommen, das den Handel mit bedrohten Arten verbietet", sagte Sue Fisher, Leiterin der Anti-Walfang-Kampagne der WDCS.

Offiziell ist der Fang von Großwalen seit 1986 per Moratorium der IWC verboten. Japan schießt dennoch jährlich rund 800 Tiere mit der Begründung, dies sei für wissenschaftliche Zwecke notwendig. Das Fleisch kommt gleichwohl in den Handel. Norwegen und Island betreiben kommerziellen Walfang. Sie haben gegen das Moratorium Einspruch erhoben.

Japan hatte bereits vor Beginn der Konferenz auf Jersey angekündigt, keine Abstriche beim Walfang hinnehmen zu wollen. Japanische Walfänger machten nicht auf geschützte Arten Jagd, hieß es zur Begründung aus dem Fischereiministerium in Tokio.

cib/dpa/AFP

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Alberon 11.07.2011
1. es reicht
Hoffentlich fliegt Japan noch mehr um die Ohren. Es hat genau die richtigen getroffen. Vielleicht lernen sie dann endlich die Tierwelt nicht weiter auszurotten. Und der ganze koruppte Haufen gehört weggesperrt, verdammt nochmal.
Ellham 11.07.2011
2. Gehts noch?
Zitat von AlberonHoffentlich fliegt Japan noch mehr um die Ohren. Es hat genau die richtigen getroffen. Vielleicht lernen sie dann endlich die Tierwelt nicht weiter auszurotten. Und der ganze koruppte Haufen gehört weggesperrt, verdammt nochmal.
So was perfides habe ich schon lange hier nicht mehr gelesen. Wie können sie sagen, dass der Tod von mehr als 10.000 Menschen auch nur ansatzweise gerechtfertigt sein soll? Sie sind genauso beschränkt wie die Amis, die meinen der Tsunami sei die Rache für Pearl Harbor. Ich habe den Film 'Die Bucht' gesehen, da wird ziemlich genau die Skrupellosigkeit der japanischen Fischer gezeigt. Jedoch ist meiner Meinung das menschliche Leben immer noch über dem eines Tieres gestellt
earl grey 12.07.2011
3. warum
Zitat von EllhamSo was perfides habe ich schon lange hier nicht mehr gelesen. Wie können sie sagen, dass der Tod von mehr als 10.000 Menschen auch nur ansatzweise gerechtfertigt sein soll? Sie sind genauso beschränkt wie die Amis, die meinen der Tsunami sei die Rache für Pearl Harbor. Ich habe den Film 'Die Bucht' gesehen, da wird ziemlich genau die Skrupellosigkeit der japanischen Fischer gezeigt. Jedoch ist meiner Meinung das menschliche Leben immer noch über dem eines Tieres gestellt
Zustimmung Jupp, es sind aber nicht nur die Fischer, auch die offizielle Verlautbarung der japanischen Regierung zu diesem Thema ist ziemlich erbärmlich. Da ist von Tradition die Rede - die wollen also eine Tierart aus Tradition mit ausrotten helfen? Und das mit dem wissenschaftlichen Zweck ist doch eh schon widerlegt, das merken alle auf der Welt, nur die Japaner nicht... Mal ketzerisch gefragt: warum?
sarang he 12.07.2011
4. Will das Walfanggremium jetzt
die Korruption reformieren? oder bekämpfen? Lediglich eine Reform deutet darauf hin, dass den Walfangbefürwortern die Bestechungsgelder zu teuer werden
Redigel 12.07.2011
5. Dr.
Zitat von EllhamSo was perfides habe ich schon lange hier nicht mehr gelesen. Wie können sie sagen, dass der Tod von mehr als 10.000 Menschen auch nur ansatzweise gerechtfertigt sein soll? Sie sind genauso beschränkt wie die Amis, die meinen der Tsunami sei die Rache für Pearl Harbor. Ich habe den Film 'Die Bucht' gesehen, da wird ziemlich genau die Skrupellosigkeit der japanischen Fischer gezeigt. Jedoch ist meiner Meinung das menschliche Leben immer noch über dem eines Tieres gestellt
Und das eines Ausserirdischen über dem des Menschen? ^^ Ich wäre dafür... Sonst lernt der Mensch den Umgang mit Leben nicht wirklich...
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