Jagd auf Delfine Im Wassertank nach Mexiko

Der Fang Hunderter Delfine im Südpazifik hat wütende Proteste von Tierschützern provoziert. Zahlreiche Tiere vegetieren laut Medienberichten in kleinen Tanks vor sich hin, rund 25 weitere wurden nach Mexiko ausgeflogen - um dort Delfinariumsgäste zu unterhalten.


Delfin: Begehrte Ware für zirkusähnliche Shows
AP

Delfin: Begehrte Ware für zirkusähnliche Shows

Umweltschützer befürchten, dass die aus ihrem gewohnten Lebensraum herausgerissenen Delfine traumatisiert werden und Krankheiten in die Populationen vor der Halbinsel Yucatan einschleppen. Insgesamt wurden Medienberichten zufolge etwa 200 Delfine zu Opfern der groß angelegten Aktion bei den Salomon-Inseln.

"Das ist die größte Zahl von Delfinen, die jemals bei einer einzelnen Aktion gefangen wurde, um später öffentlich zur Schau gestellt zur werden", sagt Ben White vom Animal Welfare Institute mit Sitz in Washington. Er prophezeite, dass die nach Mexiko ausgeflogenen Tiere in "schrecklichem Zustand" dort ankommen würden.

In sargähnlichen Behältern nach Mexiko

Wie die Nachrichtenagentur Reutes berichtet, wurden 20 bis 25 Delfine in "sargähnlichen Behältern" in ein Flugzeug der Brasil Air Cargo verfrachtet. Sie sollen künftig im Parque Nizuc, einem Delfinarium in Cancun, das Publikum unterhalten - zu Preisen, die für mexikanische Verhältnisse geradezu astronomisch ausfallen. Wer mit einem Großen Tümmler gemeinsam schwimmen will, muss laut Reuters 900 Pesos (rund 76 Euro) bezahlen. Streicheln kostet demnach umgerechnet 41 Euro, zusätzlich wird ein Eintrittsgeld von etwa 25 Euro fällig.

Verarmte Fischer hätten die Delfine gefangen und für jeweils 260 Dollar verkauft. Nach Angaben der deutschen Umweltschutzgruppe "Pro Wildlife" bringt ein einzelnes Tier auf dem internationalen Markt rund 18.000 Dollar ein. Mindestens 60 weitere Große Tümmler würden derzeit in winzigen Wassertanks auf der Insel Gela gehalten. Die Tiere müssten mit einer Wassertiefe von weniger als einem Meter auskommen.

"Kein Grund für Importverbot"

Wesentlich schlechter ergehe es Delfinen, die nicht in einem Delfinarium landeten. "In Mexiko werden Delfine auch in umherziehenden zirkusähnlichen Shows präsentiert", erklärt Sandra Altherr, Meeresexpertin von "Pro Wildlife". Die Sterblichkeit der Tiere in solchen Shows sei wegen schlechter Wasserqualität und mangelhafter tierärztlicher Versorgung besonders hoch.

Die mexikanische Regierung bestätigte die Lieferung der 20 bis 25 Delfine an das Delfinarium in Cancun. Den Wunsch der australischen Regierung, den Handel zu unterbinden, hatte Mexiko zuvor abgelehnt. Man habe die Legalität der Aktion geprüft, sagte Georgita Ruiz von der staatlichen Umweltschutzbehörde. "Wir haben nichts gefunden, was das Verbot eines Imports gerechtfertigt hätte."



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